05 August, 2008

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Immer mehr Paare unfruchtbar

Familienplanung kommt häufig zu spät. Fettleibigkeit und Infektionen weitere Probleme

Von Katrin Nürnberger

London (dpa) - Die Unfruchtbarkeit in Europa wird sich in den nächsten zehn Jahren verdoppeln, warnt der angesehene britische Fruchtbarkeitsexperte Professor Bill Ledger.

Während zur Zeit eines von sieben Paaren Schwierigkeiten hat, ein Kind auf natürlichem Weg zu empfangen, könnte bis 2015 jedes dritte Paar betroffen sein.

Vier Faktoren bedrohen die Fruchtbarkeit der Paare von morgen, erklärt Ledger, der an der Universität von Sheffield arbeitet: das steigende Alter der Paare mit Kinderwunsch, der Anstieg von Fettleibigkeit und Sexualkrankheiten sowie die männliche Unfruchtbarkeit - sowohl Quantität als auch Qualität des Spermas werden schlechter. Die jungen Menschen von heute werden die Patienten von morgen in den Fruchtbarkeits-Kliniken sein", sagte Ledger jetzt während einer Konferenz in Kopenhagen. Sexualkrankheiten wie Chlamydien-Infektionen - die sich im vergangenen Jahrzehnt verdoppelt haben - verursachen bei manchen Frauen eine Blockade der Eileiter. Wenn diese jungen Frauen später Mütter werden wollen, können sie nicht empfangen", so Ledger. Das zweite Problem - Fettleibigkeit: Sechs Prozent der Mädchen unter 19 Jahren gelten derzeit als fettleibig. Viele übergewichtige Frauen hätten Schwierigkeiten mit dem Eisprung. Das fettleibige Kind wächst fast immer zum fettleibigen Erwachsenen heran", sagt der Experte.

Problem drei: der späte Kinderwunsch. Unflexible Arbeitszeiten sowie finanzielle und karrierebedingte Ambitionen führen zu einer Aufschiebung der Familienplanung, bis die Frauen Ende dreißig oder Anfang vierzig sind Ledger: Die Zukunft der Bevölkerung Europas ist gefährdet, da zu wenige Kinder geboren werden." Seiner Meinung nach ist es jedoch noch nicht zu spät, diesen Trend wieder rückgängig zu machen. In vielen Ländern, wie in Skandinavien oder Frankreich, werden Richtlinien eingeführt, die es Frauen erleichtern, früher Kinder zu bekommen (etwa Steuerent-lastungen). Frauen sind nach dem 35. Lebensjahr einfach nicht mehr so fruchtbar."

Unfruchtbarkeit ist jedoch auch ein Problem der Männer. Sie haben Frauen als Verursacher der Babylosigkeit sogar überholt. In 51 Prozent der Fälle (bislang 50 Prozent) liegt es an ihm. Das ergab eine weitere britische Studie. Als Grund gilt hier neben den sogenannten Lifestyle-Faktoren wie Fettleibigkeit und Rauchen das fortgeschrittene Alter der Männer beim Kinderwunsch.

Sperma im reiferen Alter enthält aber häufiger geschädigte DNA, was die Befruchtung erschwert. Wegen der niedrigen Erfolgsraten von Fruchtbarkeits-Behandlungen vermutet Ledger, daß die Zahl der kinderlosen Paare künftig ansteigen wird. Kinder und Jugendliche machen hierzulande nur 14,7 Prozent der Bevölkerung aus. Deutschland hat neben Slowenien die niedrigste Geburtenrate in Europa. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden kamen im vergangenen Jahr auf jeweils 1000 Einwohner durchschnittlich 8,7 Geburten. An der Spitze der Geburtenrate steht Irland (15,4 Geburten je 1000 Einwohner), gefolgt von Frankreich (12,7), den Niederlanden (12,4) und Dänemark (12,0).

 

 

Last modified on:07/27/2005

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