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Familienplanung
kommt häufig zu spät. Fettleibigkeit und Infektionen weitere Probleme
Von Katrin
Nürnberger
London (dpa) - Die Unfruchtbarkeit
in Europa wird sich in den nächsten zehn Jahren verdoppeln, warnt der
angesehene britische Fruchtbarkeitsexperte Professor Bill Ledger.
Während zur Zeit eines von sieben Paaren Schwierigkeiten hat, ein Kind auf
natürlichem Weg zu empfangen, könnte bis 2015 jedes dritte Paar betroffen
sein.
Vier Faktoren bedrohen die Fruchtbarkeit der Paare von morgen, erklärt
Ledger, der an der Universität von Sheffield arbeitet: das steigende Alter
der Paare mit Kinderwunsch, der Anstieg von Fettleibigkeit und
Sexualkrankheiten sowie die männliche Unfruchtbarkeit - sowohl Quantität als
auch Qualität des Spermas werden schlechter. Die jungen Menschen von heute
werden die Patienten von morgen in den Fruchtbarkeits-Kliniken sein", sagte
Ledger jetzt während einer Konferenz in Kopenhagen. Sexualkrankheiten wie
Chlamydien-Infektionen - die sich im vergangenen Jahrzehnt verdoppelt haben
- verursachen bei manchen Frauen eine Blockade der Eileiter. Wenn diese
jungen Frauen später Mütter werden wollen, können sie nicht empfangen", so
Ledger. Das zweite Problem - Fettleibigkeit: Sechs Prozent der Mädchen unter
19 Jahren gelten derzeit als fettleibig. Viele übergewichtige Frauen hätten
Schwierigkeiten mit dem Eisprung. Das fettleibige Kind wächst fast immer zum
fettleibigen Erwachsenen heran", sagt der Experte.
Problem drei: der späte Kinderwunsch. Unflexible Arbeitszeiten sowie
finanzielle und karrierebedingte Ambitionen führen zu einer Aufschiebung der
Familienplanung, bis die Frauen Ende dreißig oder Anfang vierzig sind
Ledger: Die Zukunft der Bevölkerung Europas ist gefährdet, da zu wenige
Kinder geboren werden." Seiner Meinung nach ist es jedoch noch nicht zu spät,
diesen Trend wieder rückgängig zu machen. In vielen Ländern, wie in
Skandinavien oder Frankreich, werden Richtlinien eingeführt, die es Frauen
erleichtern, früher Kinder zu bekommen (etwa Steuerent-lastungen). Frauen
sind nach dem 35. Lebensjahr einfach nicht mehr so fruchtbar."
Unfruchtbarkeit ist jedoch auch ein Problem der Männer. Sie haben Frauen als
Verursacher der Babylosigkeit sogar überholt. In 51 Prozent der Fälle (bislang
50 Prozent) liegt es an ihm. Das ergab eine weitere britische Studie. Als
Grund gilt hier neben den sogenannten Lifestyle-Faktoren wie Fettleibigkeit
und Rauchen das fortgeschrittene Alter der Männer beim Kinderwunsch.
Sperma im reiferen Alter enthält aber häufiger geschädigte DNA, was die
Befruchtung erschwert. Wegen der niedrigen Erfolgsraten von
Fruchtbarkeits-Behandlungen vermutet Ledger, daß die Zahl der kinderlosen
Paare künftig ansteigen wird. Kinder und Jugendliche machen hierzulande nur
14,7 Prozent der Bevölkerung aus. Deutschland hat neben Slowenien die
niedrigste Geburtenrate in Europa. Nach Angaben des Statistischen
Bundesamtes in Wiesbaden kamen im vergangenen Jahr auf jeweils 1000
Einwohner durchschnittlich 8,7 Geburten. An der Spitze der Geburtenrate
steht Irland (15,4 Geburten je 1000 Einwohner), gefolgt von Frankreich
(12,7), den Niederlanden (12,4) und Dänemark (12,0). |