|
Garmisch-Partenkirchen (dpa) - 5000
Menschen bringt die Zugspitzbahn täglich auf Deutschlands höchsten Berg.
Doch bis am 8. Juli 1930 erstmals Passagiere von Garmisch-Partenkirchen aus
auf den höchsten Berg Deutschlands fahren konnten, war es ein schwerer Weg.
Und das nicht nur wegen der Unwegsamkeiten des Geländes: Ein Großbrand,
tödliche Unfälle sowie der Erste Weltkrieg behinderten den Bau der
Zahnradbahn über Jahrzehnte. Auch ein widerborstiger Prinz spielte eine
Rolle.
Denn Luitpold von Bayern zeigte sich uneinsichtig und blockierte 1899 erste
Pläne, die Zugspitze für Sommerfrischler und Bergfreunde erreichbar zu
machen. Erst 15 Jahre später, 1914, genehmigte König Ludwig III. dann das
Gesuch von Schweizer Ingenieuren zum Bau einer Zugspitzbahn. Doch dann
sorgten der Erste Weltkrieg und die darauf folgenden Wirtschaftskrisen dafür,
dass erst 1928 mit dem Bau begonnen werden konnte.
Am
1. April 1928 gab es schließlich die Zulassung für eine zwölf Kilometer
lange kombinierte Reibungs- und Zahnradbahn". Der Schienendamm der
Reibungsbahn von Garmisch-Partenkirchen ins Zugspitzdorf Grainau wurde
problemlos fertig. Eine gewaltige Herausforderung war dagegen der Tunnel den
Berg hinauf zum Schneefernerhaus, mit einer Länge von 4453 Metern und einem
Höhenunterschied von 1010 Metern. Die Ingenieure beschlossen, nicht einen
einzigen Tunnel zu graben, sondern gleichzeitig mehrere kurze Röhren über
fünf Fenster und Querstollen in der fast senkrechten Gebirgswand. Baurat
Pforr von der AEG Berlin erinnerte sich in einem Brief von 1931: Die erste
Aufgabe bestand darin, die Baustelle für 800 Arbeiter herzurichten. Täglich
waren zur Versorgung der Männer vier vollbeladene Güterwagen notwendig."
Als es endlich richtig voran ging, brach Ende 1929 in einer Kantine ein
Großbrand aus, alle elektronischen Anlagen sowie die Räume der Belegschaft
brannten nieder. Das Feuer kostete zwei Arbeiter das Leben, beim gesamten
Bau der Zahnradbahn gab es zehn tödliche Unfälle. Innerhalb von zweieinhalb
Jahren wurden immense Mengen Erde und Stein durch 197000 Kilogramm
Sprengstoff bewegt, dann passten die einzelnen Tunnelabschnitte genau
ineinander, so dass am 8. Juli 1930 die ersten Passagiere den Berg
hinaufgondelten.
Von Garmisch- Partenkirchen ging es nun in 19 Minuten durch das Loisachtal
nach Grainau, dann weiter in 75 Minuten unterirdisch zum Schneefernerhaus.
1931 ging die Gipfelseilbahn in Betrieb, gleichzeitig mit dem
Schneefernerhaus, Deutschlands höchstgelegenem Hotel. Ab 1945 kamen die
ersten Skilifte dazu.
Doch die wechselhafte Geschichte der Bergbahn setzte sich auch auf den
Pisten rund um die Zugspitze fort: Im Mai 1965 zerstörte eine Lawine die
Idylle, zehn Menschen kamen ums Leben, mehr als hundert weitere wurden teils
schwer verletzt.
Mittlerweile hat sich die Fahrzeit ab Grainau auf 40 Minuten verkürzt.
Skifahrer und Snowboarder können mit 32 Bergbahnen und Liften fahren. Ab
1988, als die Betreiber einen neuen Tunnel eröffnen, wird die Zugspitze auf
modern getrimmt: Es beginnt der Ausbau des Zugspitzplattes mit einem
Restaurant für 1200 Gäste und einer Gletscherseilbahn zum Gipfel. 1992 wird
der Hotelbetrieb am Schneefernerhaus eingestellt und auch der offizielle
Fahrbetrieb durch die alte Röhre zum Zugspitzgipfel - die Zahnradbahn hält
nur noch direkt am Zugspitzplatt.
340 Mitarbeiter Bergbahn AG sorgen heute dafür, dass die zahlreichen
Passagiere sicher Richtung Gipfel kommen. Zum 75. Geburtstag können in
diesem Jahr Besucher unter anderem mit alten Nostalgiezügen Richtung Gipfel
fahren - und noch einmal zurückdenken an die vielen Kapitel der Geschichte
rund um die Zahnradbahn. |