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Bukarest (dpa) - Finanzielle Krisen
und politisch-private Skandale haben die Karriere des rumänischen
Panflötenvirtuosen und Komponisten Gheorghe Zamfir in den vergangenen Jahren
überschattet. Inzwischen hat sich der Meister, der zuletzt im Januar auf
Tournee in Kanada war, einigermaßen erholt. Er hat dem mythenumwobenen
Instrument aus Bambusholz zu Weltruhm verholfen, klassischen Stücken neue
Modulationen verliehen und den Soundtrack berühmter Spielfilme mitgestaltet.
Am 6. April wurde Zamfir 65 Jahre alt.
Zamfir wurde am 6. April 1941 im südrumänischen Gaesti als Sohn eines
Weinbauern geboren. Da er in der Akkordeonklasse der Musikschule keinen
Platz bekam, wählte er die Panflöte. Den internationalen Durchbruch schaffte
er 1971 mit Auftritten in Paris. In mehr als 55 Jahren verkaufte er
mindestens 120 Millionen Platten. Als Filmmusiker entdeckte ihn 1976 der
Regisseur Peter Weir für Picknick am Valentinstag". Mit Ennio Morricone trug
er zum Soundtrack des Klassikers Es war einmal in Amerika" von Sergio Leone
bei; Quentin Tarantino engagierte ihn für Kill Bill".
Zamfir hat stets seinen Bezug zum Religiösen betont. 2005 präsentierte er
einen Zyklus selbstkomponierter Psalmen für den gestorbenen Papst Johannes
Paul II., den er sehr verehrte. Der rumänischen Volkskunst misst er
mythische Dimensionen bei. Der Rumäne hat in seiner Schöpfung den Urton",
sagte er einer rumänischen Zeitschrift. Sich selbst betrachtet er als
tragische nationale Quintessenz: Ich bin die Träne meines Volkes."
Politisch und finanziell geriet der Musiker in negative Schlagzeilen. 2002
verweigerte ihm Israel die Einreise zu einem geplanten Konzert, offiziell
weil eine Arbeitsgenehmigung fehlte. Doch zuvor war Zamfir dort wegen seines
Bekenntnisses zur antisemitischen rumänischen Partei Romania Mare" (Großrumänien")
in die Kritik geraten. Der Musiker distanzierte sich später mit großem
Bedauern" von den Antisemiten und durfte ein Jahr später doch noch in Israel
auftreten. Romania Mare" habe damals seine schwere finanzielle Lage"
ausgenutzt, sagte er.
Um
die Jahrtausendwende habe der französische Fiskus alle französischen
Immobilien des schwer verschuldeten Zamfir beschlagnahmt, sagte der mit ihm
befreundete Filmregisseur Nicolae Carmazan der dpa. Seither lebt Zamfir
weitgehend marginalisiert in Rumänien.
Der rumänische Komponistenverband will ihn nicht aufnehmen. Er hält an der
Bukarester Musikhochschule Kurse für Panflöte. Die wenigen wohlgesonnenen
Kritiker erklärten seine Verirrung zu Romania Mare" mit heiliger Naivität".
Carmazan sagt, die Freunde hätten den Meister jetzt überzeugt, sich aus der
Politik herauszuhalten.
2003 schockierte der Musiker Bukarest dann mit einem Eheskandal. Seine
Ehefrau Marie Noelle Zamfir sagte, er schlage sie regelmäßig. Sie zeigte den
Medien ein entsprechendes gerichtsmedizinisches Gutachten. Ein juristisches
Nachspiel hatte dies nicht, doch das Paar lebt inzwischen getrennt. |