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St. Wolfgang (dpa) - Look there,
the Weisses Rössl", ruft eine Frau und zückt ihre Digitalkamera. Die
amerikanische Reisegruppe an Bord des Fährschiffes Wolfgang Amadeus" starrt
auf das Hotel am Wolfgangsee mit den hölzernen Balkons am Seeufer. Der
Wolfgangsee ist doch viel mehr als das Rössl", sagt Franz Zimmermann, der in
St. Wolfgang aufgewachsen ist. Dennoch hat das Hotel im Salzkammergut in
Österreich inzwischen fast den Status eines nationalen Heiligtums erlangt.
Ebenso wie das nahe gelegene Landhaus zu Appesbach: Die Gästelisten beider
Häuser lesen sich wie ein Who is Who der großen Welt. Neben anderen
Berühmtheiten verbrachten hier Thomas Mann und der Herzog von Windsor ihren
Urlaub.
Genau genommen war der Heilige Wolfgang der Urheber unserer
Tourismusindustrie", sagt Kurdirektor Hans Wieser. Der Benedikti-nermönch,
Erzieher Kaiser Heinrichs II. und Bischof von Regensburg, kam um das Jahr
982 an den See und erhielt nach der Legende von Gott den Auftrag, dort eine
Kapelle zu erbauen. Weil er sich nicht schlüssig war, an welcher Stelle dies
sein sollte, schleuderte er vom Falkenstein eine Axt. An der Stelle, wo sie
auftraf, steht heute die Pfarrkirche mit dem 1481 fertig gestellten
Flügelaltar von Michael Pacher. Seitdem zieht es Pilger aus ganz Europa an
den Wolfgangsee.
Im
Mittelalter stieg St. Wolfgang zum viertgrößten Wallfahrtsort der
Christenheit auf, nach Rom, Aachen und Einsiedeln. Bereits im 16.
Jahrhundert beherbergte der Ort jährlich 60 000 Pilger, die seinen Bewohnern
erheblichen Wohlstand bescherten. Herrschaftliche Gebäude, die nach
bayerischem Vorbild mit Lüftlmalerei ausgeschmückt wurden, zeugen vom
Reichtum des Ortes.
Heute gehört die Region rund um den Wolfgangsee zu einem der beliebtesten
Urlaubsgebiete Österreichs. Der von bizarr geformten Bergen und grünen
Wiesen gesäumte See ist zehn Kilometer lang, bis zu zwei Kilometer breit und
an manchen Stellen 114 Meter tief. Aktiver Umweltschutz verhindert die
Bebauung der Ufer, so dass Urlauber an den meisten Stellen an den See
gelangen können.
Im
Mozartdorf" St. Gilgen am Westufer des Sees wurde die Mutter von Wolfgang
Amadeus Mozart geboren. Das Dorf bereitet sich schon jetzt auf den 250.
Geburtstag des Wunderkindes im Jahr 2006 vor. Eigens zu diesem Anlass hat
der örtliche Zuckerbäcker Franz Mayr-hofer Mozarts Reisetorte" kreiert. In
dem Ort lohnt der Besuch der um das Jahr 1300 erbauten Pfarrkirche St.
Ägidius.
Die beiden Gebäudeflügel der prächtigen Kaiservilla in Bad Ischl bilden ein
E" als Ausdruck der Verehrung des Kaisers Franz Joseph für seine schöne Frau
Elisabeth (Sisi"). In Ischl verbrachten die Majestäten ihre Sommerfrische",
sagt eine jugendliche Dame im feschen Dirndl. Die Stadt Ischl verströmt noch
immer ein aristokratisches Flair. Elegante Häuserfassaden, Geschäfte mit
dezenten Auslagen, feine Restaurants und Cafés bestimmen das Stadtbild.
Die kaiserliche" Konditorei Zauner beglückte den Monarchen täglich mit
seinem geliebten Gugelhupf und erlangte vor allem durch ihren Stollen
Berühmtheit. Noch heute macht in Ischl der Kalauer Dem Zauner Stollen muss
man einen Stauner zollen" die Runde.
Eigentlich sollte Strobl, das beschauliche, am Südostende des Wolfgangsees
gelegene Dorf auch nach einem Heiligen benannt werden. Doch der Name des
kernigen Strobole, der im 14. Jahrhundert die Fischaufsicht vor Ort hatte,
behielt die Oberhand. In der Nähe der Seepromenade steht das Denkmal des
Mannes mit dem strubbeligen Haarwuchs. Villen aus der Zeit um 1900 prägen
den Ortskern.
Die Gemeinde ist noch heute stolz auf die Zivilcourage des Schauspielers
Theo Lingen, der hier zeitweilig lebte. Um Schlimmes zu verhindern, setzte
er kurzerhand einige Tage vor Ende des Zweiten Weltkriegs den NS-Bürgermeister
im örtlichen Gefängnis fest und übernahm kommissarisch dessen Geschäfte. Als
die Alliierten eintrafen, übergab er ihnen kampflos das Dorf.
Information: Wolfgangsee Tourismus, Postfach 20, A-5360 St.
Wolfgang ; Internet:
www.wolfgangsee.at |