30 June, 2008

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Hans Tilkowski wird 70: Das Wembley-Tor" hat ihn berühmt gemacht

Herne (dpa) - Der Kronzeuge des Wembley-Tores" wird 70. Hans Tilkowski, der 1966 im Finale der Fußball-Weltmeisterschaft zwischen England und Deutschland so nah dran war wie kein anderer, als Geoff Hurst für die Gastgeber das 3:2 gelang, feiert an diesem Dienstag seinen runden Geburtstag. Für Borussia Dortmund und Eintracht Frankfurt hat der Bergmanns-Sohn 122 Bundesliga-Spiele bestritten. Auf den Tag genau vor 50 Jahren unterschrieb er seinen ersten Profi- Vertrag bei Westfalia Herne, vor 40 Jahren gewann er mit dem BVB den deutschen Pokal. Doch danach fragt ihn keiner.

Nicht Titel und Erfolge haben Tilkowski, der 1965 als erster Torwart zum Weltfußballer gewählt wurde, populär gemacht. Berühmt wurde er durch den strittigsten Treffer der Fußball-Geschichte, das Wembley-Tor". Durch ein Tor, das keins war, bin ich vielleicht berühmter geworden, als wenn ich im Finale einen Elfmeter gehalten hätte. Doch ich wäre lieber Weltmeister geworden", sagt Tilkowski.

Die Frage, ob drin oder ob nicht, kann er nicht mehr hören. Ich bin so oft gefragt worden. Wenn ich für die Antwort Geld verlangt hätte, wäre ich ein reicher Mann", meint der frühere Nationaltorhüter (39 Länderspiele). Seine Antwort ist immer dieselbe: Nein, kein Tor. Mit Hurst hat Tilkowski einen Kompromiss gefunden: Wir sind uns einig, der Ball war für die Engländer drin und für uns Deutsche nicht."

Im Dortmunder Vorort Husen aufgewachsen, lernte Tilkowski bei Herbert Widmayer in Kaiserau das Torwart-Handwerk. 1955 holte ihn Fritz Langner zu Westfalia Herne, Hermann Eppenhoff zum Bundesliga- Start 1963 zu Borussia Dortmund. Dem Leben im Tor folgten für den in Köln mit Note eins" examinierten Tilkowski die Trainer-Jahre: Bei Werder Bremen, wo ihn im Sommer 1977 sein früherer Dortmunder Zimmerkollege und damaliger Werder-Manager Rudi Assauer feuerte, München 1860, 1. FC Nürnberg, 1. FC Saarbrücken und AEK Athen.

So unspektakulär und mannschaftsdienlich er früher spielte, so engagiert hilft er heute benachteiligten Menschen. Vor allem Kindern. Für soziale Zwecke hat er mehr als 750000 Euro gesammelt. Tilkowski engagiert sich für Mukoviszidose- und Multiple-Sklerose-Kranke, für UNICEF und andere Organisationen: Wenn ich meine Vergangenheit sehe, ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Da fühle ich mich verpflichtet."

Auch an seinem Ehrentag denkt Tilkowski nicht an sich, sondern an andere. Von den rund 250 Gästen in der Spielbank Hohensyburg wie Uwe Seeler oder Max Lorenz will er keine Geschenke, sondern eine Spende für das Friedensdorf in Oberhausen, dessen Botschafter er ist. Statt Blumen zu kaufen, sollen sie spenden", sagt Tilkowski, der sich bestimmt auch an seinem Geburtstag die Frage gefallen lassen muss: Drin oder nicht drin?

Der spielentscheidende Augenblick - das 3:2 - im Endspiel England - Deutschland beim Fußball-WM-Turnier in Wembley am 30.07.1966 (Archivfoto). Vorn schaut sich Torhüter Hans Tilkowski nach dem Ball um, links steht Wolfgang Weber hinter George Hunt (dunkles Trikot).

 

 

Last modified on:07/14/2005

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