30 June, 2008

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Jagdszenen in Istanbul trüben Schweizer WM-Jubel

Jubel in Zürich ­ 1. Schweizer WM-Teilnahme seit USA '94

Skandal am Bosporus - Willkommen in die Hölle

Der Schweizer Fußballnationalspieler Marco Streller, posiert mit einem weiblichen Fan nach der Rückkehr seiner Mannschaft am auf dem Flughafen Kloten.

Hamburg (dpa) - Hässliche Jagdszenen im Sükrü Saracoglu-Stadion von Istanbul haben den Schweizer Jubel über die erste WM-Teilnahme seit 1994 getrübt und den türkischen Fußball erneut in Misskredit gebracht. FIFA-Präsident Joseph Blatter reagierte am Donnerstag empört auf die Auswüchse im Anschluss an das WM-Qualifikationsspiel und kündigte nach einer umfassenden Untersuchung der Vorfälle Konsequenzen für die Türkei bis zu einem möglichen Ausschluss von der WM-Ausscheidung für 2010 an. Was passiert ist, ist des Fußballs unwürdig. Das habe ich noch nie erlebt. Wir werden die Verantwortlichen bestrafen und hart durchgreifen", sagte der Chef des Weltverbandes. Bis zur WM-Gruppenauslosung am 9. Dezember in Leipzig will die FIFA-Disziplinarkommission ein Urteil gefällt haben. Der Skandal am Bosporus stellte das übrigen Geschehen in der Relegation in den Schatten, in der sich am Mittwochabend neben den Schweizern auch Tschechien, Spanien, Australien sowie Trinidad und Tobago die letzten von 32 Startplätzen für die Endrunde der Weltmeisterschaft vom 9. Juni bis 9. Juli 2006 in Deutschland erkämpften.

Unmittelbar nach ihrem letztlich wertlosen 4:2-Sieg über die Eidgenossen fielen die frustrierten Türken über die gegnerischen Spieler her und traktierten sie mit Füßen und Fäusten. Jeder musste um sein eigenes Leben rennen. Ordner und türkische Spieler sind auf uns los gegangen", schilderte der Stuttgarter Bundesliga-Profi Marco Streller, der seiner wankenden Mannschaft mit dem 2:3 sechs Minuten vor Schluss sportlich die größten Sorgen genommen hatte, die schlimmen Jagdszenen. Am ärgsten erwischte es Ersatzspieler Stephane Grichting, der nach einem Tritt in den Unterleib ins Krankenhaus musste. Özalan Alpay vom 1. FC Köln trat Augenzeugenberichten zu Folge den Frankfurter Benjamin Huggel nieder.

Bereits vor dem Spiel war ersichtlich, auf welche Art die Türken noch zur WM gelangen wollten. Die Fans vor dem Stadion begegneten allen, die aus der Schweiz kamen, mit Verachtung", beschrieb die Berner Zeitung Der Bund" die aufgeheizte Stimmung, die sich nach Spielende in Brutalität entlud. Trainer Jakob Köbi" Kuhn konnte sich angesichts der Prügelszenen gar nicht richtig über den Erfolg freuen. Es darf nicht sein, dass sich die Spieler wie Diebe vom Feld stehlen müssen. Das Fairplay wurde in Istanbul mit Füßen getreten", erklärte Blatter.

Es ist schlimm, wenn man von der Bank aufsteht und Angst haben muss, dass man von Gegenständen getroffen wird oder Schläge kassiert", sagte Kuhn sichtlich gezeichnet, während sein türkischer Kollege Fatih Terim wutschnaubend den Schiedsrichtern die Schuld für das Scheitern des WM-Dritten von 2002 gab: Sowohl Michel in Bern als auch De Bleeckere hier in Istanbul waren Schweizer." Türkische Medien machten derweil die Gäste für die Krawalle verantwortlich. Sie hätten die türkischen Spieler provoziert.

 

 

Last modified on:11/22/2005

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