03 December, 2008

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Los-Jubel und WM-Fieber

Topmodel Heidi Klum hält die Hand von WM-OK-Chef Franz Beckenbauer, der als Spieler des Weltmeisterteams von 1974 den WM-Ball dieses Turnieres in den Händen hält am Freitag bei der Endrundenauslosung für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Leipzig.

Leipzig (dpa) - Jürgen Klinsmann und seine Nationalspieler strahlten über ihr Los-Glück, Franz Beckenbauer und sein OK-Team freuten sich über die nahezu perfekte Organisation, Berlins Klaus Wowereit und seine elf Bürgermeister-Kollegen bejubelten die zugelosten Spiele: So viele zufriedene Gesichter hat eine WM- Auslosung noch nie produziert wie das 107-Minuten-Spektakel von Leipzig. Im Land des Gastgebers ist über Nacht die ohnehin schon enorme Vorfreude auf die WM noch einmal sprunghaft angestiegen, und auch von den den 31 WM-Konkurrenten machte nach der Gruppen- Einteilung kaum jemand ein langes Gesicht.

Da müssten Ausreden neu erfunden werden, wenn es bei dieser Auslosung mit dem Weiterkommen der deutschen Mannschaft nicht klappen würde", brachte Bundeskanzlerin Angela Merkel ganz fachmännisch die Erwartungshaltung in Fußball-Deutschland auf den Nenner. Auch Bundestrainer Jürgen Klinsmann, der die Ziehung der Kontrahenten Costa Rica, Polen und Ecuador verschmitzt lächelnd verfolgt hatte, ernannte umgehend das eigene Personal zum Favoriten der Gruppe A: Ja, wir sind zufrieden. Das ist natürlich eine Gruppe, in der wir als Heimmannschaft weiterkommen müssen."

Bevor Klinsmann am Sonntagmorgen für rund sechs Wochen in seine kalifornische Wahlheimat entschwebte, steckte er in der Frankfurter DFB-Zentrale mit seinem Stab den Fahrplan für die WM-Vorbereitung ab: Jetzt können wir endlich konkret arbeiten." In den kommenden Wochen soll ein Informations-Netzwerk aufgebaut werden, wobei der Schweizer Chef-Scout Urs Siegenthaler ein entscheidender und viel beschäftigter Mann sein wird. Ein Bild vom Eröffnungsgegner Costa Rica, in Europa ein weitgehend unbeschriebenes Blatt, hat Klinsmann bereits - dank seines viel diskutierten Wohnsitzes in den USA, der sich plötzlich als Vorteil erweist. Costa Rica habe ich schon drei Mal gesehen. Es ist ja nicht so weit für mich aus Kalifornien", sagte der 41-Jährige schmunzelnd.

Die Bilanz gegen die drei Gruppen-Kontrahenten spricht klar für Deutschland. Gegen den vermeintlich stärksten Gegner Polen hat die DFB-Auswahl in 14 Spielen bei zehn Siegen noch nie verloren. Keine einzige Partie bestritt der dreifache Weltmeister in seiner über 100- jährigen Geschichte gegen Costa Rica und Ecuador. Diese Gegner liegen aber auf den Positionen 21 (Costa Rica) und 37 (Ecuador) in der FIFA- Weltrangliste ebenso hinter den Deutschen (Rang 16) wie Polen (23).

Doch auch die deutschen Gegner waren happy mit den von Pelé, Johan Cruyff, Matthäus und Roger Milla gezogenen Losen. Das ist das wichtigste Spiel in unserer Geschichte. Wir sind glücklich, das erste Spiel der WM bestreiten zu können", sagte Costa Ricas Trainer Alexandre Guimaraes. Sein Kollege aus Ecuador, Luis Suarez, gab Freude strahlend Interviews: Das ist für uns eine ganz große Herausforderung, gegen Deutschland zu spielen. Wir wollen zeigen, was wir gelernt haben." Polens Coach Pawel Janas, als Spieler WM-Dritter 1982, jubilierte ebenfalls: Das ist eine Riesensache. Schade nur, dass wir nicht das Eröffnungsspiel machen."

Lange Gesichter machten andere: Den Niederlanden blieb ein auf beiden Seiten gefürchtetes Duell mit Nachbar und Erzrivale Deutschland erspart. Dafür wurden Argentinien, Serbien-Montenegro und die Elfenbeinküste zugelost, weshalb sich Oranje" als großer Verlierer des Abends fühlte. Das ist eine richtig harte Gruppe. Es ist überhaupt nicht sicher, dass wir weiter kommen", sagte Bondscoach Marco van Basten. Für Franz Beckenbauer war aber keineswegs die Gruppe C der dickste Brocken, sondern die Gruppe E mit Italien, Ghana, den USA und Tschechien. Die scheint mir sogar noch ein bisschen schwerer."

Der Kaiser" war nach der Leipziger WM-Woche mit unzähligen Sitzungen, vielen Interviews und der Auslosung als stimmungsvollem Höhepunkt erschöpft und erleichtert. Ich glaube, wir haben diese Woche ganz gut hinter uns gebracht. Wir sind von allen Seiten mit Komplimenten bedacht worden", schilderte er das Echo auf die Gala in der Leipziger Messe. Weder das bunte Rahmenprogramm, noch die Moderationen von Heidi Klum und Reinhold Beckmann und schon gar nicht die von FIFA-Mediendirektor Markus Siegler souverän geleitete Auslosung selbst ließen Wünsche offen. Auch FIFA-Präsident Joseph Blatter, der den WM-Machern zu Wochenbeginn noch eine Schulnote 2+ gegeben hatte, sprach nun in Superlativen: Ich bin überzeugt, dass aus der 2+ noch eine 1 wird."

Große Zufriedenheit herrschte auch in den zwölf WM-Städten, da jeder Spielort mit attraktiven Begegnungen bedacht wurde.

Ein Fassadenkletterer bringt an einer Hausfassade in Hamburg die Ländernamen der ausgelosten Gruppen der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland an. Das WM-Stadion in Hamburg ist Schauplatz von vier Vorrundenspielen und einer Viertelfinal-Begegnung. Die deutsche Mannschaft spielt als gesetztes Team der Gruppe A allerdings nicht in der Hansestadt.

 

 

Last modified on:12/12/2005

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