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Leipzig (dpa)
- Jürgen Klinsmann und seine Nationalspieler strahlten über ihr Los-Glück,
Franz Beckenbauer und sein OK-Team freuten sich über die nahezu perfekte
Organisation, Berlins Klaus Wowereit und seine elf Bürgermeister-Kollegen
bejubelten die zugelosten Spiele: So viele zufriedene Gesichter hat eine WM-
Auslosung noch nie produziert wie das 107-Minuten-Spektakel von Leipzig. Im
Land des Gastgebers ist über Nacht die ohnehin schon enorme Vorfreude auf
die WM noch einmal sprunghaft angestiegen, und auch von den den 31 WM-Konkurrenten
machte nach der Gruppen- Einteilung kaum jemand ein langes Gesicht.
Da müssten
Ausreden neu erfunden werden, wenn es bei dieser Auslosung mit dem
Weiterkommen der deutschen Mannschaft nicht klappen würde", brachte
Bundeskanzlerin Angela Merkel ganz fachmännisch die Erwartungshaltung in
Fußball-Deutschland auf den Nenner. Auch Bundestrainer Jürgen Klinsmann, der
die Ziehung der Kontrahenten Costa Rica, Polen und Ecuador verschmitzt
lächelnd verfolgt hatte, ernannte umgehend das eigene Personal zum Favoriten
der Gruppe A: Ja, wir sind zufrieden. Das ist natürlich eine Gruppe, in der
wir als Heimmannschaft weiterkommen müssen."
Bevor Klinsmann am
Sonntagmorgen für rund sechs Wochen in seine kalifornische Wahlheimat
entschwebte, steckte er in der Frankfurter DFB-Zentrale mit seinem Stab den
Fahrplan für die WM-Vorbereitung ab: Jetzt können wir endlich konkret
arbeiten." In den kommenden Wochen soll ein Informations-Netzwerk aufgebaut
werden, wobei der Schweizer Chef-Scout Urs Siegenthaler ein entscheidender
und viel beschäftigter Mann sein wird. Ein Bild vom Eröffnungsgegner Costa
Rica, in Europa ein weitgehend unbeschriebenes Blatt, hat Klinsmann bereits
- dank seines viel diskutierten Wohnsitzes in den USA, der sich plötzlich
als Vorteil erweist. Costa Rica habe ich schon drei Mal gesehen. Es ist ja
nicht so weit für mich aus Kalifornien", sagte der 41-Jährige schmunzelnd.
Die Bilanz gegen
die drei Gruppen-Kontrahenten spricht klar für Deutschland. Gegen den
vermeintlich stärksten Gegner Polen hat die DFB-Auswahl in 14 Spielen bei
zehn Siegen noch nie verloren. Keine einzige Partie bestritt der dreifache
Weltmeister in seiner über 100- jährigen Geschichte gegen Costa Rica und
Ecuador. Diese Gegner liegen aber auf den Positionen 21 (Costa Rica) und 37
(Ecuador) in der FIFA- Weltrangliste ebenso hinter den Deutschen (Rang 16)
wie Polen (23).
Doch auch die
deutschen Gegner waren happy mit den von Pelé, Johan Cruyff, Matthäus und
Roger Milla gezogenen Losen. Das ist das wichtigste Spiel in unserer
Geschichte. Wir sind glücklich, das erste Spiel der WM bestreiten zu können",
sagte Costa Ricas Trainer Alexandre Guimaraes. Sein Kollege aus Ecuador,
Luis Suarez, gab Freude strahlend Interviews: Das ist für uns eine ganz
große Herausforderung, gegen Deutschland zu spielen. Wir wollen zeigen, was
wir gelernt haben." Polens Coach Pawel Janas, als Spieler WM-Dritter 1982,
jubilierte ebenfalls: Das ist eine Riesensache. Schade nur, dass wir nicht
das Eröffnungsspiel machen."
Lange Gesichter
machten andere: Den Niederlanden blieb ein auf beiden Seiten gefürchtetes
Duell mit Nachbar und Erzrivale Deutschland erspart. Dafür wurden
Argentinien, Serbien-Montenegro und die Elfenbeinküste zugelost, weshalb
sich Oranje" als großer Verlierer des Abends fühlte. Das ist eine richtig
harte Gruppe. Es ist überhaupt nicht sicher, dass wir weiter kommen", sagte
Bondscoach Marco van Basten. Für Franz Beckenbauer war aber keineswegs die
Gruppe C der dickste Brocken, sondern die Gruppe E mit Italien, Ghana, den
USA und Tschechien. Die scheint mir sogar noch ein bisschen schwerer."
Der Kaiser" war
nach der Leipziger WM-Woche mit unzähligen Sitzungen, vielen Interviews und
der Auslosung als stimmungsvollem Höhepunkt erschöpft und erleichtert. Ich
glaube, wir haben diese Woche ganz gut hinter uns gebracht. Wir sind von
allen Seiten mit Komplimenten bedacht worden", schilderte er das Echo auf
die Gala in der Leipziger Messe. Weder das bunte Rahmenprogramm, noch die
Moderationen von Heidi Klum und Reinhold Beckmann und schon gar nicht die
von FIFA-Mediendirektor Markus Siegler souverän geleitete Auslosung selbst
ließen Wünsche offen. Auch FIFA-Präsident Joseph Blatter, der den WM-Machern
zu Wochenbeginn noch eine Schulnote 2+ gegeben hatte, sprach nun in
Superlativen: Ich bin überzeugt, dass aus der 2+ noch eine 1 wird."
Große
Zufriedenheit herrschte auch in den zwölf WM-Städten, da jeder Spielort mit
attraktiven Begegnungen bedacht wurde. |