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Immenstadt (dpa) - Der Abtrieb des
Weideviehs aus den Allgäuer Alpen wird in diesem Jahr für viele der rund
30000 Tiere besonders beschwerlich. Vor allem im Oberstdorfer Rappenalptal
hat das jüngste Hochwasser große Teile des Alpweges weggerissen und
meterhohe Geröllhalden hinterlassen. Es sieht aber so aus, als ob wir die
rund 800 Alptiere bis zum Viehscheid aus dem Steinmeer heraus bringen
könnten", zeigt sich der Oberalpmeister Hans Wirth nach mehreren
Hubschrauberflügen zuversichtlich.
Die zweiwöchige Serie der Viehscheide im Allgäu beginnt in Oberstaufen. Dort
werden rund 1080 Tiere von 20 Alpen, wie im Allgäu die Almen genannt werden,
zurück erwartet. Bis vor wenigen Tagen war Peter Danks, Geschäftsführer des
Alpwirt-schaftlichen Vereins Allgäu (AVA) in Immenstadt, nicht sicher, ob
alle Viehscheide auch tatsächlich stattfinden können. Denn in einzelnen
Tälern haben die Wildbäche Verwüstungen angerichtet. Weidegrund und Wege
sind verschlammt oder mit Geröll übersät. Die Älpler arbeiten mit Hochdruck
daran, die Wege herzurichten."
Allein im Rappenalptal wird der Schaden auf 1,5 Millionen Euro beziffert.
Insgesamt dürfte das Hochwasser im Allgäu vier bis fünf Millionen Euro
Schaden an Alpwegen angerichtet haben, schätzt Danks. Er baut auf Zuschüsse
aus München und Berlin. Wenn man ohne mit der Wimper zu zucken 500 Millionen
Euro zu den Tsunami-Opfern nach Asien schicken kann, sollte es auch möglich
sein, dass Bund und Land sich auf ein Hilfsprogramm für die bayerischen
Hochwasseropfer einigen."
Von Muren und Hochwasserschäden abgesehen ist die Alpwirtschaft mit der zu
Ende gehenden Weidesaison in den Allgäuer Bergen sehr zufrieden. Es habe
genügend Futter und ausreichend Wasser gegeben, berichteten die Alpmeister.
Nach Angaben des AVA wurden auf den 683 Alpen rund 150 Tiere Opfer von
Unfällen oder Krankheiten. Diese Verluste seien nicht höher als in früheren
Jahren.
Herden, die den Sommer im Gebirge unfallfrei überstanden haben, werden beim
Abtrieb von einem Kranzrind angeführt. Die Hirten schmücken die Hörner der
Leitkuh mit einem Blumengebinde, dem beliebtesten Fotomotiv von vielen
Tausend Touristen, die zur Viehscheid-Saison" ins Allgäu kommen.
Anders als in Oberbayern, wo die meisten Almen im Familienbesitz sind und
der Almabtrieb deshalb auch als Familienfest gefeiert wird, werden die
alpinen Weideflächen im Allgäu zumeist von Genossenschaften bewirtschaftet.
Landwirte aus dem Voralpenland lassen ihr Jungvieh auftreiben, um bis zum
Herbst Platz zu schaffen im Stall und die kräftigsten Rinder dann für die
Zucht auszuwählen. Die Bauern selbst würden ihre Tiere nach mehr als drei
Monaten im Gebirge nicht wiedererkennen. Deshalb trennen die Hirten das
Jungvieh aus der Herde und übergeben es ihren Besitzern. Daher rührt der
Name Viehscheid.
Wenn Hirten und Landwirte nach dem Viehscheid im Tal mit einer Maß Bier
anstoßen, gesellen sich Tausende von Urlaubern und Ausflugsgästen hinzu. Zum
größten Viehscheid im Allgäu in Bad Hindelang werden rund 20000 Besucher
erwartet. |