05 August, 2008

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Der Weg zum Viehscheid ist im Allgäu mit Steinen gepflastert

Immenstadt (dpa) - Der Abtrieb des Weideviehs aus den Allgäuer Alpen wird in diesem Jahr für viele der rund 30000 Tiere besonders beschwerlich. Vor allem im Oberstdorfer Rappenalptal hat das jüngste Hochwasser große Teile des Alpweges weggerissen und meterhohe Geröllhalden hinterlassen. Es sieht aber so aus, als ob wir die rund 800 Alptiere bis zum Viehscheid aus dem Steinmeer heraus bringen könnten", zeigt sich der Oberalpmeister Hans Wirth nach mehreren Hubschrauberflügen zuversichtlich.

Die zweiwöchige Serie der Viehscheide im Allgäu beginnt in Oberstaufen. Dort werden rund 1080 Tiere von 20 Alpen, wie im Allgäu die Almen genannt werden, zurück erwartet. Bis vor wenigen Tagen war Peter Danks, Geschäftsführer des Alpwirt-schaftlichen Vereins Allgäu (AVA) in Immenstadt, nicht sicher, ob alle Viehscheide auch tatsächlich stattfinden können. Denn in einzelnen Tälern haben die Wildbäche Verwüstungen angerichtet. Weidegrund und Wege sind verschlammt oder mit Geröll übersät. Die Älpler arbeiten mit Hochdruck daran, die Wege herzurichten."

Allein im Rappenalptal wird der Schaden auf 1,5 Millionen Euro beziffert. Insgesamt dürfte das Hochwasser im Allgäu vier bis fünf Millionen Euro Schaden an Alpwegen angerichtet haben, schätzt Danks. Er baut auf Zuschüsse aus München und Berlin. Wenn man ohne mit der Wimper zu zucken 500 Millionen Euro zu den Tsunami-Opfern nach Asien schicken kann, sollte es auch möglich sein, dass Bund und Land sich auf ein Hilfsprogramm für die bayerischen Hochwasseropfer einigen."

Von Muren und Hochwasserschäden abgesehen ist die Alpwirtschaft mit der zu Ende gehenden Weidesaison in den Allgäuer Bergen sehr zufrieden. Es habe genügend Futter und ausreichend Wasser gegeben, berichteten die Alpmeister. Nach Angaben des AVA wurden auf den 683 Alpen rund 150 Tiere Opfer von Unfällen oder Krankheiten. Diese Verluste seien nicht höher als in früheren Jahren.

Herden, die den Sommer im Gebirge unfallfrei überstanden haben, werden beim Abtrieb von einem Kranzrind angeführt. Die Hirten schmücken die Hörner der Leitkuh mit einem Blumengebinde, dem beliebtesten Fotomotiv von vielen Tausend Touristen, die zur Viehscheid-Saison" ins Allgäu kommen.

Anders als in Oberbayern, wo die meisten Almen im Familienbesitz sind und der Almabtrieb deshalb auch als Familienfest gefeiert wird, werden die alpinen Weideflächen im Allgäu zumeist von Genossenschaften bewirtschaftet. Landwirte aus dem Voralpenland lassen ihr Jungvieh auftreiben, um bis zum Herbst Platz zu schaffen im Stall und die kräftigsten Rinder dann für die Zucht auszuwählen. Die Bauern selbst würden ihre Tiere nach mehr als drei Monaten im Gebirge nicht wiedererkennen. Deshalb trennen die Hirten das Jungvieh aus der Herde und übergeben es ihren Besitzern. Daher rührt der Name Viehscheid.

Wenn Hirten und Landwirte nach dem Viehscheid im Tal mit einer Maß Bier anstoßen, gesellen sich Tausende von Urlaubern und Ausflugsgästen hinzu. Zum größten Viehscheid im Allgäu in Bad Hindelang werden rund 20000 Besucher erwartet.

Ein Herde Alprinder wird bei Steibis (Kreis Oberallgäu) von Alpwirten zu Tal geführt (Archivbild vom 10.09.2004). In den kommenden Wochen werden mehrere Zehntausend Rinder nach dem Alpsommer wieder ins Tal gebracht. Der Abtrieb des Weideviehs wird in diesem Jahr für viele Tiere wegen der Hochwasserschäden besonders beschwerlich.

 

 

Last modified on:09/12/2005

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