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Von Klaus Saalfeld, dpa
Hamburg (dpa) - Wie jetzt bekannt
wurde, hat die Polizei in einer verdreckten Wohnung in der Hansestadt erneut
zwei völlig verwahrloste Kinder entdeckt. Der zweijährige Brian und seine
vier Jahre alte Schwester Bianca lebten in einem abgedunkelten Zimmer einer
Dachgeschosswohnung in Wilhelmsburg unter kaum vorstellbaren Bedingungen:
Überall lagen benutzte Windeln, Fliegen surrten um die Körper der Kinder,
die auf mit Exkrementen verschmierten Matratzen schliefen, berichtete das
Hamburger Abendblatt". Ihr Zimmer hatte weder Heizung noch Strom. Außer den
verdreckten Betten gab es nur zwei vernagelte Kommoden in dem Raum.
Auch die Eltern, die Sozialhilfe bezogen, lebten zwischen Müll und
verschimmeltem Essen. Inzwischen wurden die Kinder in einem Kinderschutzhaus
außerhalb Hamburgs untergebracht. Für sie wird jetzt eine Pflegefamilie
gesucht.
Die Mutter selbst hatte die Polizei gerufen, nachdem sie nach einem
nächtlichen Streit mit ihrem drogenabhängigen Lebensgefähr-ten (28) nicht
mehr in die Wohnung gelangt war.
Für das Jugendamt Harburg gab es bei der Familie keine Auffällig-keiten,
sagte Behördensprecherin Katja Havemeister der dpa. Da die Mutter (22) bei
der Geburt der Tochter noch minderjährig gewesen sei, habe es einen
entsprechenden Aktenvermerk darüber gegeben. Es hat aber nichts darauf
hingedeutet, dass eine Gefährdungslage vorgelegen hat".
Für den Wiesbadener Krimino-logen Prof. Rudolf Egg sind die publik
gewordenen Fälle von verwahrlosten Kindern nur die Spitze des Eisberges.
So
etwas kommt wesentlich häufiger vor, als es sich die Öffentlichkeit
vorstellen kann", sagte er in einem dpa-Gespräch.
Die Zahl werde in Deutschland überhaupt nicht statistisch erfasst. Meist
seien Kinder in Familien betroffen, in denen sich die Eltern sehr
überfordert fühlten. Fälle von Verwahrlosung gebe es häufig auch bei sehr
jungen Müttern oder bei Eltern, die in jungen Jahren ebenfalls Opfer wurden,
sagte der Experte. |