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Hamburg (dpa) - Der Mann trägt das
Haar voll und das Sakko schön lässig. Und während seine Finger über die
Tasten des Flügels gleiten und die Stimme von den Dingen des Lebens singt,
schmachtet das Publikum andächtig. Eine Szene, die an sich nicht
weltbewegend ist - wenn sie denn nicht seit rund 50 Jahren unverändert
erfolgreich wäre.
Udo Jürgens ist ein Mann der Rituale. So ist es keine Überraschung, daß auch
der Sound seines 50. Studioalbums Jetzt oder nie" (Ariola), das gerade
erschienen ist, mit bewährten Motiven spielt: Zu den Höhen und Tiefen des
Lebens gesellen sich Geschichten von Frauen und Musik, dazu ein bißchen
Philosophie, garniert mit einer Portion Gute-Laune-Gefühl.
Ein typischer Jürgens-Mix, der aber stärker als früher den Blick zurück
sucht. Seinen 70. Geburtstag im vergangenen Jahr, so scheint es, hat der
stets alterslose Udo Jürgens zum Anlaß genommen, ein bißchen Selbstanalyse
zu betreiben. Affären und Disconächte brauche ich nicht mehr", sagt er, Den
ewigen Frauenanbaggerer zu spielen finde ich heute eher peinlich." Sein
neues Album spielt bewußt mit autobiographischen Elementen. Dazu gehört
neben dem ironischen Song Frauen", den Jürgens als Pendant zu Herbert
Grönemeyers Hit Männer" geschrieben hat, auch sein Verhältnis zur Musik (Bis
ans Ende meiner Lieder").
Letzteres soll literarisch eine noch größere Rolle spielen. Nach dem Erfolg
seines Romans Der Mann mit dem Fagott" plant er ein Buch, das sich mit der
Geschichte berühmter Lieder beschäftigt. |