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Kassel/Paris (dpa) - Die Kasseler
Handexemplare der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm sind von der
UNESCO zum Weltdokumentenerbe erklärt worden. Das teilten die Stadt Kassel
und die UNESCO in Paris mit.
Die Märchen der Brüder Grimm sind neben der Luther-Bibel das bekannteste und
weltweit am meisten verbreitete Buch der deutschen Kulturgeschichte. Sie
sind zugleich die erste systematische Zusammenfassung und wissenschaftliche
Dokumentation der europäischen und orientalischen Märchentradition.
Insgesamt seien 29 Sammlungen und Einzelstücke aus 24 Ländern in diesem Jahr
neu in das Weltdokumentenerbe aufgenommen, berichtete die UNESCO. Das
Weltregister Memory of the Word" der UNESCO wurde 1997 eingerichtet und
umfasst inzwischen 120 Einträge.
Gegenstand der Nominierung der Grimmschen Werke sind 14 Märchen- und 2
Kommentarbände aus den Jahren 1812 bis 1857, die das Kasseler Museum aus dem
persönlichen Nachlass der Familie Grimm erhalten hat. Die Erstausgaben sind
mit zahlreichen eigenhändigen Ergänzungen, Notizen und Wertungen der Brüder
Grimm versehen.
Die Brüder Jacob (1785-1863) und Wilhelm Grimm (1786-1859) lebten mehr als
30 Jahre lang in Kassel und verbrachten dort ihre längste und
arbeitsreichste Zeit. Das Kasseler Grimm-Museum beherbergt die umfassendste
Grimm-Sammlung Deutschlands mit mehr als 35000 Bänden.
Neben den Märchen der Brüder Grimm aus Deutschland sind jetzt auch die Werke
des Komponisten Johannes Brahms (1833-1897) aus Österreich Teil des UNESCO-Erbes,
wie die UNESCO mitteilte. Darunter sind auch Manuskripte, Briefe sowie
Fotografien und Bücher des Komponisten.
Außerdem nahm die UNESCO eine Landkarte aus dem Jahre 1507 in das
Weltdokumentenerbe auf. Sie gilt als erste Karte, auf der die westliche
Hemisphäre der Erde verzeichnet ist und der Name Amerika" für die Neue Welt
auftaucht. Bis zum Jahr 2003 war diese Karte in Deutschland gelagert worden,
bevor sie in die United States Library of Congress in der amerikanischen
Hauptstadt Washington überging.
Aus Schweden wurden die Archive von Astrid Lindgren in die Sammlung
aufgenommen. Sie enthalten nahezu alle Original-Manuskripte der schwedischen
Schriftstellerin (1907-2002), darunter auch einige unveröffentlichter Werke,
Zeichnungen und Briefe. Die aufgezeichnete Radioansprache von Charles de
Gaulle vom 18. Juni 1940, mit der der französische General von London aus
zum Widerstand aufgerufen hat, ist ebenfalls Teil des Weltdokumentenerbes.
Aus Frankreich wurden die 1405 Filme aus dem Archiv der Brüder Lumière
aufgenommen, die von den beiden Filmpionieren zwischen 1896 und 1900 gezeigt
worden waren |