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Kairo
(dpa) - Der Tourist, der an diesem warmen
Junimorgen das mysteriöse Segelschiff vor der Küste des ägyptischen
Badeortes Safaga am Roten Meer ansteuert, ist leicht übellaunig. Wann sticht
das Piratenschiff denn endlich in See?", fragt er. Immerhin habe er am
Vortag 150 Dollar für eine Schiffstour mit der ganzen Familie hingeblättert.
Einmal an Bord muss der Urlauber feststellen, dass er einem cleveren
ägyptischen Betrüger aufgesessen ist.
Denn die Kublai's
Kahn II" ist kein Touristenschiff. Das 28 Meter lange indonesische
Segelschiff, das einer chinesischen Dschunke ähnelt, haben sich zwei
Abenteurer aus Thüringen für ihre Reise auf den Spuren des venezianischen
Entdeckers Marco Polo (1254-1324) umgebaut. Im Dezember 2003 waren sie im
indonesischen Sulawesi gestartet. Enden soll ihre Reise, die sie durch das
südchinesische Meer und den Indischen Ozean geführt hat, und die sie noch
nach Venedig führen soll, im kommenden Jahr in Rostock.
Dabei haben Axel
Brümmer und Peter Glöckner aus Saalfeld gar nichts gegen Touristen. Im
Sultanat Oman nahmen sie kürzlich gleich eine ganze Gruppe aufgeregter
Thüringer an Bord, was zur Folge hatte, dass sie anschließend mit
Engelszungen auf einen Vertreter der omanischen Küstenwache einreden mussten.
Denn dieser war der Auffassung, die Urlauber seien durch ihren zweistündigen
Aufenthalt auf dem deutschen Schiff offiziell ausgereist und müssten neue
Einreisevisa beantragen.
Doch nicht immer
geht es an Bord lustig zu. Im Südchinesischen Meer sind wir einmal drei
Wochen lang gesegelt, ohne im Wasser irgendetwas zu sehen außer einer
Waschmaschine, die vorbeitrieb", erinnert sich Brümmer, der an diesem
brütend heißen Mittag im Innenhof eines Kairoer Hotels unter dem
Sonnenschirm sitzt und beim Bier neue Crewmitglieder empfängt. Einen
Tiefpunkt hatte die Stimmung auf dem Schiff erreicht, als die Crew den Jemen
passierte. Kurz zuvor hatten Räuber vor der Küste zwei ausländische Segler
getötet.
Beim
anschließenden Stopp in der Hafenstadt Salalah feilschte Axel Brümmer
deshalb drei Stunden lang um die Hafengebühr. Ich habe gedacht, wenn ich
wegen zehn Euro so einen Zoff mache, dann denkt jeder Dieb, der die
Hafenarbeiter ausfragt, dass es bei uns an Bord ohnehin nichts zu holen gibt",
erklärt er seine Strategie. Andernorts hatte sich die stets wechselnde Crew
schon mit anderen Tricks zu helfen gewusst. Um den Eindruck zu erwecken, das
Schiff habe eine große Besatzung, musste jeder mehrfach unter Deck gehen und
jeweils mit anderen Kleidern wieder auftauchen. Ein anderes Mal versuchten
sie, Piraten abzuschrecken, indem sie Bambusrohre schulterten, in der
Hoffnung diese könnten aus der Entfernung aussehen wie Panzerfäuste.
Die Geschichte von
Kublai's Kahn II" ist genauso wechselvoll wie die der beiden Abenteurer
selbst, die nach dem Fall der Mauer 1990 zu einer fünfjährigen Weltumradlung
aufgebrochen waren, weil uns das Ende der DDR auch noch etwas anderes
bringen sollte als nur Videorekorder und Mikrowellen". Als ihre erste
Dschunke im Mai 2003 auf dem Weg von Indien nach Hongkong sank und die Crew
mit Rettungsinseln aus Seenot gerettet werden musste, sprangen Fans, Familie
und Freunde ein. Mit ihrer Hilfe konnte die indonesische Pinisi wieder fit
gemacht werden. Da die Indonesier glaubten, auf dem Schiff liege ein Fluch,
musste vor der Abreise aber erst eine Teufelsaustreiberin das Schiff
reinigen". Ein Indonesier ist immer noch an Bord und inzwischen ein guter
Freund der Schiffsbesitzer. Er wollte nach Mekka, da ist er halt mitgekommen",
sagt Brümmer.
Der 38 Jahre alte
ehemalige Lehrer hat das Fernweh zum Beruf gemacht. Abenteurer, das ist auch
ein Job", sagt er. Wenn er von einer Kajak-Tour am Amazonas oder einer
Radtour über Tausende von Kilometern nach Deutschland zurückkommt, hält er
Diavorträge. Zusammen mit Peter Glöckner schreibt er über seine Reisen. Die
größte Unterstützung erhält Brümmer bei den Reisen von seiner Großmutter -
die ist auch schon mal mitgeradelt und segelt mit 83 Jahren immer noch".
Nachdem das erste Schiff ihres Enkels gesunken war, hatte sie für den Kauf
des zweiten auch tief in den Sparstrumpf gegriffen, deshalb steht sie heute
auch als Sponsorin auf der Fahne. |