19 August, 2008

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Thüringer treffen auf Dschunken-Tour:  Piraten, Gauner und neue Freunde

Kairo (dpa) - Der Tourist, der an diesem warmen Junimorgen das mysteriöse Segelschiff vor der Küste des ägyptischen Badeortes Safaga am Roten Meer ansteuert, ist leicht übellaunig. Wann sticht das Piratenschiff denn endlich in See?", fragt er. Immerhin habe er am Vortag 150 Dollar für eine Schiffstour mit der ganzen Familie hingeblättert. Einmal an Bord muss der Urlauber feststellen, dass er einem cleveren ägyptischen Betrüger aufgesessen ist.

Denn die Kublai's Kahn II" ist kein Touristenschiff. Das 28 Meter lange indonesische Segelschiff, das einer chinesischen Dschunke ähnelt, haben sich zwei Abenteurer aus Thüringen für ihre Reise auf den Spuren des venezianischen Entdeckers Marco Polo (1254-1324) umgebaut. Im Dezember 2003 waren sie im indonesischen Sulawesi gestartet. Enden soll ihre Reise, die sie durch das südchinesische Meer und den Indischen Ozean geführt hat, und die sie noch nach Venedig führen soll, im kommenden Jahr in Rostock.

Dabei haben Axel Brümmer und Peter Glöckner aus Saalfeld gar nichts gegen Touristen. Im Sultanat Oman nahmen sie kürzlich gleich eine ganze Gruppe aufgeregter Thüringer an Bord, was zur Folge hatte, dass sie anschließend mit Engelszungen auf einen Vertreter der omanischen Küstenwache einreden mussten. Denn dieser war der Auffassung, die Urlauber seien durch ihren zweistündigen Aufenthalt auf dem deutschen Schiff offiziell ausgereist und müssten neue Einreisevisa beantragen.

Doch nicht immer geht es an Bord lustig zu. Im Südchinesischen Meer sind wir einmal drei Wochen lang gesegelt, ohne im Wasser irgendetwas zu sehen außer einer Waschmaschine, die vorbeitrieb", erinnert sich Brümmer, der an diesem brütend heißen Mittag im Innenhof eines Kairoer Hotels unter dem Sonnenschirm sitzt und beim Bier neue Crewmitglieder empfängt. Einen Tiefpunkt hatte die Stimmung auf dem Schiff erreicht, als die Crew den Jemen passierte. Kurz zuvor hatten Räuber vor der Küste zwei ausländische Segler getötet.

Beim anschließenden Stopp in der Hafenstadt Salalah feilschte Axel Brümmer deshalb drei Stunden lang um die Hafengebühr. Ich habe gedacht, wenn ich wegen zehn Euro so einen Zoff mache, dann denkt jeder Dieb, der die Hafenarbeiter ausfragt, dass es bei uns an Bord ohnehin nichts zu holen gibt", erklärt er seine Strategie. Andernorts hatte sich die stets wechselnde Crew schon mit anderen Tricks zu helfen gewusst. Um den Eindruck zu erwecken, das Schiff habe eine große Besatzung, musste jeder mehrfach unter Deck gehen und jeweils mit anderen Kleidern wieder auftauchen. Ein anderes Mal versuchten sie, Piraten abzuschrecken, indem sie Bambusrohre schulterten, in der Hoffnung diese könnten aus der Entfernung aussehen wie Panzerfäuste.

Die Geschichte von Kublai's Kahn II" ist genauso wechselvoll wie die der beiden Abenteurer selbst, die nach dem Fall der Mauer 1990 zu einer fünfjährigen Weltumradlung aufgebrochen waren, weil uns das Ende der DDR auch noch etwas anderes bringen sollte als nur Videorekorder und Mikrowellen". Als ihre erste Dschunke im Mai 2003 auf dem Weg von Indien nach Hongkong sank und die Crew mit Rettungsinseln aus Seenot gerettet werden musste, sprangen Fans, Familie und Freunde ein. Mit ihrer Hilfe konnte die indonesische Pinisi wieder fit gemacht werden. Da die Indonesier glaubten, auf dem Schiff liege ein Fluch, musste vor der Abreise aber erst eine Teufelsaustreiberin das Schiff reinigen". Ein Indonesier ist immer noch an Bord und inzwischen ein guter Freund der Schiffsbesitzer. Er wollte nach Mekka, da ist er halt mitgekommen", sagt Brümmer.

Der 38 Jahre alte ehemalige Lehrer hat das Fernweh zum Beruf gemacht. Abenteurer, das ist auch ein Job", sagt er. Wenn er von einer Kajak-Tour am Amazonas oder einer Radtour über Tausende von Kilometern nach Deutschland zurückkommt, hält er Diavorträge. Zusammen mit Peter Glöckner schreibt er über seine Reisen. Die größte Unterstützung erhält Brümmer bei den Reisen von seiner Großmutter - die ist auch schon mal mitgeradelt und segelt mit 83 Jahren immer noch". Nachdem das erste Schiff ihres Enkels gesunken war, hatte sie für den Kauf des zweiten auch tief in den Sparstrumpf gegriffen, deshalb steht sie heute auch als Sponsorin auf der Fahne.

Mitglieder der Crew an Bord der Kublai's Kahn II" vor der Küste Ägyptens.

 

 

Last modified on:06/22/2005

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