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Von Irmgard Schmidmaier, dpa
Wien (dpa) - Einen Botschafter des
Dreivierteltakts" nannte ihn ein Kritiker, doch die musikalische Bandbreite
des Robert Stolz reichte viel weiter. Er verhalf der Operette etwa mit Das
weiße Rössl" zu einem neuen Aufschwung, er setzte mit Filmmusiken wie Mein
Herz ruft nach Dir" Maßstäbe. Vor allem schrieb er Schlager, die in ihrer
gekonnten Balance von Heile-Welt-Stimmung und leiser Melancholie auch heute
noch berühren. Der Schöpfer der Melodien Ungeküsst sollst Du nicht schlafen
gehn" oder Die ganze Welt ist himmelblau" wurde vor 125 Jahren, am 25.
August 1880, in Graz geboren.
Einem Bonmot zufolge wurde der Musiker nur versehentlich im steirischen Graz
geboren und nicht in der Walzer- und Heurigen-hauptstadt Wien. Das zwölfte
Kind eines Musikdirektors erhielt vom Vater eine solide musikalische
Ausbildung. Als Siebenjähriger spielte er dem Komponisten Johannes Brahms am
Klavier vor. Mit elf Jahren veröffentlichte er seine erste Komposition, in
Wien absolvierte er das Staatskonservatorium als Schüler von Engelbert
Humperdinck.
Dass er sein Handwerk meisterhaft beherrschte, schützte ihn nicht vor
einigen kargen Jahren, in denen er sich als Korrepetitor und in Berlin sogar
als Zirkus-kapellmeister durchschlug. Dann aber startete er eine rasante
Karriere als Dirigent, die Stolz an die Opernhäuser in Berlin und Prag
führte. Als Kapellmeister am Theater an der Wien prägte er zwölf Jahre lang
den Stil des Hauses entscheidend mit und leitete wichtige Uraufführungen von
Operetten wie Die lustige Witwe", Der Graf von Luxemburg" oder Walzertraum".
Operetten standen auch am Beginn seines eigenen musikalischen Schaffens. Mit
29 Jahren begann Stolz zu komponieren und landete mit seiner ersten Operette
Glücksmädel" gleich einen Erfolg. Es folgten neben der Oper Die Rosen der
Madonna" und zahlreichen Orchesterstücken mehr als 50 Operetten, etwa
Himmelblaue Träume" oder Das weisse Rössl". Beliebt machten Stolz auch seine
rund 100 Filmmusiken und seine fast 2000 Schlager, von denen zahlreiche wie
Im Prater blühn wieder die Bäume" oder Ob blond, ob braun, ich liebe alle
Frauen" zu Evergreens wurden.
Während der NS-Zeit wurde ihm zwar Deutschblütigkeit" bescheinigt. Dennoch
ging Stolz ins Exil - aus Solidarität mit seinen jüdischen Kollegen und
Freunden. Vorher noch riskierte er Kopf und Kragen, indem er in seinem
eigenen Auto Freunden zur Flucht aus Berlin verhalf. Angeblich war es seine
damals schon große Popularität, die dazu beitrug, dass die Zöllner mitunter
ein Auge zudrückten.
Das freiwillige Exil stürzte den Musiker, der im Freundeskreis als
lebensfroh und optimistisch galt, in tiefe Depressionen und Heimweh. Als
Glücksfall bezeichnete er später, dass er in den ersten Monaten in Paris
Yvonne Luise Ulrich, genannt Einzi", kennen lernte, die seine fünfte Frau
wurde. Trotz rascher Erfolge in Paris und später in Hollywood zog es ihn
nach Kriegsende bereits 1946 wieder nach Wien zurück.
Bis ins hohe Alter blieb Stolz produktiv, leitete Aufführungen seiner
eigenen Bühnenwerke und war in Österreich wie in Deutschland als Dirigent
begehrt. Er starb am 27. Juni 1975 im Alter von fast 95 Jahren in Berlin an
Herzversagen.
Der Wiener Kritiker Hans Weigel würdigte den Musiker mit dem Urteil: Er hat
den letzten Walzer geschrieben und den ersten zentraleuropäischen
Tonfilmschlager. Er besitzt die Doppelbürgerschaft in der alten und in der
neuen Unterhaltungsmusik. |