05 August, 2008

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Die Welt im Walzertakt

Von Irmgard Schmidmaier, dpa

Wien (dpa) - Einen Botschafter des Dreivierteltakts" nannte ihn ein Kritiker, doch die musikalische Bandbreite des Robert Stolz reichte viel weiter. Er verhalf der Operette etwa mit Das weiße Rössl" zu einem neuen Aufschwung, er setzte mit Filmmusiken wie Mein Herz ruft nach Dir" Maßstäbe. Vor allem schrieb er Schlager, die in ihrer gekonnten Balance von Heile-Welt-Stimmung und leiser Melancholie auch heute noch berühren. Der Schöpfer der Melodien Ungeküsst sollst Du nicht schlafen gehn" oder Die ganze Welt ist himmelblau" wurde vor 125 Jahren, am 25. August 1880, in Graz geboren.

Einem Bonmot zufolge wurde der Musiker nur versehentlich im steirischen Graz geboren und nicht in der Walzer- und Heurigen-hauptstadt Wien. Das zwölfte Kind eines Musikdirektors erhielt vom Vater eine solide musikalische Ausbildung. Als Siebenjähriger spielte er dem Komponisten Johannes Brahms am Klavier vor. Mit elf Jahren veröffentlichte er seine erste Komposition, in Wien absolvierte er das Staatskonservatorium als Schüler von Engelbert Humperdinck.

Dass er sein Handwerk meisterhaft beherrschte, schützte ihn nicht vor einigen kargen Jahren, in denen er sich als Korrepetitor und in Berlin sogar als Zirkus-kapellmeister durchschlug. Dann aber startete er eine rasante Karriere als Dirigent, die Stolz an die Opernhäuser in Berlin und Prag führte. Als Kapellmeister am Theater an der Wien prägte er zwölf Jahre lang den Stil des Hauses entscheidend mit und leitete wichtige Uraufführungen von Operetten wie Die lustige Witwe", Der Graf von Luxemburg" oder Walzertraum".

Operetten standen auch am Beginn seines eigenen musikalischen Schaffens. Mit 29 Jahren begann Stolz zu komponieren und landete mit seiner ersten Operette Glücksmädel" gleich einen Erfolg. Es folgten neben der Oper Die Rosen der Madonna" und zahlreichen Orchesterstücken mehr als 50 Operetten, etwa Himmelblaue Träume" oder Das weisse Rössl". Beliebt machten Stolz auch seine rund 100 Filmmusiken und seine fast 2000 Schlager, von denen zahlreiche wie Im Prater blühn wieder die Bäume" oder Ob blond, ob braun, ich liebe alle Frauen" zu Evergreens wurden.

Während der NS-Zeit wurde ihm zwar Deutschblütigkeit" bescheinigt. Dennoch ging Stolz ins Exil - aus Solidarität mit seinen jüdischen Kollegen und Freunden. Vorher noch riskierte er Kopf und Kragen, indem er in seinem eigenen Auto Freunden zur Flucht aus Berlin verhalf. Angeblich war es seine damals schon große Popularität, die dazu beitrug, dass die Zöllner mitunter ein Auge zudrückten.

Das freiwillige Exil stürzte den Musiker, der im Freundeskreis als lebensfroh und optimistisch galt, in tiefe Depressionen und Heimweh. Als Glücksfall bezeichnete er später, dass er in den ersten Monaten in Paris Yvonne Luise Ulrich, genannt Einzi", kennen lernte, die seine fünfte Frau wurde. Trotz rascher Erfolge in Paris und später in Hollywood zog es ihn nach Kriegsende bereits 1946 wieder nach Wien zurück.

Bis ins hohe Alter blieb Stolz produktiv, leitete Aufführungen seiner eigenen Bühnenwerke und war in Österreich wie in Deutschland als Dirigent begehrt. Er starb am 27. Juni 1975 im Alter von fast 95 Jahren in Berlin an Herzversagen.

Der Wiener Kritiker Hans Weigel würdigte den Musiker mit dem Urteil: Er hat den letzten Walzer geschrieben und den ersten zentraleuropäischen Tonfilmschlager. Er besitzt die Doppelbürgerschaft in der alten und in der neuen Unterhaltungsmusik.

Komponist und Dirigent Robert Stolz

 

 

Last modified on:09/06/2005

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