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Warren Weisst Du noch, damals, im
Konfirmandenunterricht mit Pastor Teutsch?
Oh, wie haben wir uns damals benommen..."
Dies ist ein typisches Gespräch zweier St. Peter's Veteranen.
Beide sind ein wenig älter und ein wenig grauer. Beide haben ihr Schäfchen
im Trockenen, beide führen sie den American way of life, ihre Kinder
selber sprechen kein Deutsch mehr oder nur noch ein wenig.
Es
sind Immigranten der ersten Generation. Sie kamen einst aus Siebenbürgen
über viele Umwege in die neue Welt und halfen mit, dort, wo alles neu war,
ein Stück Vertrautheit zu schaffen. Ein Stück geistliche Heimat. Einen Ort,
in dem in ihrer Muttersprache Gottesdienst gefeiert wird. Dieser Ort hiess
St. Petrus Kirche und war zunächst in der Glennfield St.
Ihre Umgebung sprach Englisch, aber dort, in St. Petrus, wurde auf Deutsch
gesungen, auf Deutsch gepredigt, auf Deutsch unterrichtet - St. Petrus war
die heimatliche Oase in der Fremde.
Und die Oase wuchs, sie wuchs an zu einer stattlichen ethnischen Kirche, die
im mittleren Westen Nordamerikas ihresgleichen suchte.
St. Petrus florierte, an Mitgliedern und Nachwuchs herrschte kein Mangel,
die Sonntagsschule bestand phasenweise aus über siebzig Kindern.
St. Peter's verkraftete den Wechsel von ihrem Gründerpastor Teutsch zu
seinem Nachfolger Wünsche, sie hielt den Riots der sechziger Jahre
stand wie ein Fels in der Brandung der Geschichte der USA.
Ein Schock für St. Petrus war der plötzliche Tod ihres dritten Pastors
Hohnsbein nach nicht einmal drei Tagen Amtszeit. Aber St. Petrus gab nicht
auf und erfuhr neue Impulse durch Pastor Gögginger.
Am
Ende der Zeit von Gögginger musste festgestellt werden, dass viele
Mitglieder von St. Petrus, oder St. Peter's, wie der Name schließlich
verenglischt wurde, nicht mehr in der Umgebung von Glennfield wohnten,
sondern in die Vororte Warren und Sterling Heights abgewandert waren.
Was also tun?
Die Kirche sollte bei den Menschen sein. Soviel war klar.
Nach vielem Hin und Her wurde schließlich (mittlerweile hatte mit dem
Schwaben Pastor Mueller der erste Nicht-Siebenbürgener die geistlichen
Geschicke der Gemeinde übernommen) das Gebäude der ehemaligen St. Lucas
Kirche mit einem herrlichen großen Grundstück erworben und die St. Peter's
Kirche wechselte den Standort. Nun war die Kirche zum sonntäglichen
Gottesdienst wieder gut zu erreichen und das Haus stets gut gefüllt.
Das Grundstück bot hervorragende Möglichkeiten, das traditionelle
Kirchenpicknick mit Bratwurst, Sauerkraut und - typisch Deutsch - dem
unvermeintlichen Gerstensaft auszugestalten.
Die Erwachsenen genossen den Tag auf ihre Weise, und auch die Kinder konnten
nach Herzenslust herumtoben - Platz gab es genug. Die Kinder. Nun, sie
wurden natürlich größer. Und sie wurden erwachsen. Und sie zogen häufig weg.
Und ihre Eltern? Sie blieben zurück.
Die Jugendarbeit wurde immer kleiner. Mittlerweile war Pastor Dr. Kopka
Pastor Müller nachgefolgt. Er versuchte während seiner Zeit intellektuelle
Akzente zu setzen, unvergessen sind die von ihm veranstalteten
Bildungsreisen auf den Spuren Luthers nach Deutschland.
Nach seinem Weggang kam mit Pastor Gross der erste Pastor ins Amt, der kein
Deutsch sprach.
Während seiner fünfjährigen Amtszeit, setzte er alles daran, dass St.
Peter's, basierend auf seine lebendige Vergangenheit neue Formen des Wirkens
am Wort Gottes zu entdecken, indem er der Gemeinde half, die unmittelbare
Umgebung als Missions- und Aktionsfeld für sich zu entdecken.
Weisst Du noch, damals...?" Ein wenig wehmütig blicken die beiden Veteranen
auf ihre Kirche, als sie kurz vor dem Nachhausefahren auf einen kleinen
Plausch vor ihren Autos stehen bleiben." Ja, damals..."
St. Peter's ist ein Ort, in dem deutsche und amerikanische Geschichte höchst
lebendig erfahren und gestaltet wurde. Es ist ein Ort, der vielen Heimat
bedeutet, ein Ort, indem vielerlei Freud und Leid geteilt wurde und wird.
Hier wurde sich über Geburten gefreut - und getauft. Hier wurde sich über
neue Partnerschaften gefreut - und geheiratet. Hier wurde über Verstorbene
getrauert - und beerdigt. Leider wird heutzutage überwiegend beerdigt.
Weißt Du noch, damals...?"
Der jetzige Pastor ist wieder ein Deutscher, heißt Haiko Behrens und ist mit
fünfunddreißig Jahren der jüngste Geistliche in der fünfundsiebzigjährigen
Geschichte von St. Peter's.
Behrens hört viel über damals, er hört Geschichten aus Zeiten, in denen noch
nicht einmal seine Eltern geboren waren.
Er
ist fasziniert von dieser Geschichte. Doch ihn interessiert die Gegenwart
und die Erhaltung dieses unverzichtbaren Stückes deutsch-amerikanischer
Kirchengeschichte, damit dieses Damals" bewahrt- und weitergetragen werden
kann.
Es
ist Zeit für einen zweiten Frühling", meint er.
Eine Gruppe engagierter Mitglieder arbeitet gemeinsam mit ihm an neuen Ideen
für ein neues St. Peter's auf bewährtem Fundament.
Jetzt gilt es jedoch zunächst darum, diese 75 Jahre gebührend zu feiern. Am
19. Juni ist es soweit. Weißt Du noch, damals...?" wird an diesem Tage oft
zu hören sein.
Die Jubiläumsfeier beginnt am 19. Juni um 10:00 mit einem zweisprachigen
Festgottesdienst mit viel Musik, in dem als Bischofsvertreter Pastor Jack
Eggleston die Predigt halten wird.
Es
folgt ein Dinner in der Carpathia Halle an Utica Road, ein Shuttle
Service wird eingerichtet.
Die St. Peter's Gemeinde hofft auf regen Besuch vieler Ehemaliger". Es wird
ein Fest der Begegnung werden.
Weisst Du noch damals?" St. Peter's wird 75.
Herzlichen Glückwunsch und Gott befohlen! |