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St. Louis will Spitzenstandort für Agrar-Biotechnologie werden

Von Christiane Oelrich

St. Louis (dpa) - Als Charles Lindbergh mit dem ersten Transatlantikflug Luftfahrtgeschichte schrieb, rieben sich die Geschäftsleute von St. Louis in Missouri die Hände. Die Handelskammer sponserte den Flugpionier mit 15 000 Dollar, der nannte sein Flugzeug dafür Spirit of St. Louis", flog damit 1927 von New York nach Paris und bescherte der Stadt weltweit Reklame. Aus Lindberghs Versprechen, St. Louis zum Knotenpunkt der internationalen Luftfahrt zu machen, wurde zwar nichts, doch zeigt der Deal den Geschäftssinn der Louisianer. Inzwischen sind sie auf einem neuen Trip: St. Louis ist auf bestem Weg, ein Spitzenzentrum der Agrar- Biotechnologie zu werden.

Direkt am Mississippi steht das Wahrzeichen der Stadt: Ein 192 Meter hoher Bogen, mit dem St. Louis sich vor 40 Jahren als Tor zum Westen" ein Denkmal setzte und die Abenteurer Lewis und Clark feierte, die 1804 von hier zu ihrer legendären Entdeckungsreise in den Wilden Westen aufbrachen. 200 Jahre später sieht sich St. Louis gern als Technologie-Tor zum 21. Jahrhundert".

Wir haben das Potenzial, weltweit die Nummer eins zu werden", sagt Dick Fleming, Präsident des Handelskammernachfolgers RCGA. Innerhalb eines Jahres sind 3 600 neue Jobs im Bio-Tech-Bereich geschaffen worden, ein Zuwachs von 56 Prozent Prozent. 187 Firmen gehören zur Branche, darunter an erster Stelle Monsanto, der zweitgrößte Biotech-Konzern der Welt. Das Unternehmen wurde vor 104 Jahren als Chemieher-steller gegründet. Inzwischen konzentriert es sich auf Herbizide und genetisch veränderte Nutzpflanzen wie Mais-, Soya- und Baumwollsorten. Das Unternehmen machte im vergangenen Geschäftsjahr mit weltweit fast 14 000 Mitarbeitern einen Umsatz von 5,5 Milliarden Dollar.

Die Biotech-Spezialisierung ist kein Zufallsprodukt", sagt Fleming. Die Handelskammer lenkt die Entwicklung nach Jahren des wirtschaftlichen Niedergangs seit einigen Jahren systematisch. Mangels Konkurrenzfähigkeit gegen die großen Bio-Tech-Zentren Boston und San Francisco setzt sie bewusst auf die Nische Agro-Tech. Die Stadt besann sich auf ihren weltberühmten botanischen Garten mit Spitzenforschung in tropischer Botanik und die landesweit als Forscherschmiede anerkannte Washington-Universität. St. Louis erfand sich neu als Bio-Belt" (Bio-Gürtel), komplett mit Markenschutz und eigener Webseite.

Die ortsansässige Danforth-Stiftung hob Ende der 90er Jahre ein Pflanzenforschungszentrum aus der Taufe. Zwei Brutkästen" wurden gegründet: Das Nidus-Zentrum, von Monsanto finanziert, und das Zentrum für aufstrebende Technologien" an der Universität. Junge Unternehmer können hier zu günstigen Bedingungen Labors mieten und ihre Ideen austüfteln. Die Plätze sind ausgebucht.

Die Danforth-Stiftung stellte gerade 50 Millionen Dollar neue Forschungsgelder für ihr Institut bereit. Monsanto investiert in seinen Labors und Gewächshäusern im Jahr das zehnfache. Wir unterstützen alles, was St. Louis zum Wissenschaftszentrum macht", sagt Monsantos Wissenschaftsdirektor Harvey Glick.

Wirtschaftsberater warnten uns, dass wir junge Unternehmer ohne lokales Risikokapital kaum hier halten können", sagt Fleming. Also sicherte er sich die Expertise eines der erfolgreichsten Spezialisten für solche Fonds, Peter Brooke. St. Louis hat alle Rohstoffe, um eine großartige Region für risikofreudige Investoren zu werden", befand der.

Mit Brookes Hilfe wurden 2004 lokal 200 Millionen Dollar aufgebracht. 120 Millionen Dollar wurden in 19 junge Unternehmen investiert.

In der Stadt mit ihren 2,6 Millionen Einwohnern stehen heute alle Zeichen auf Renaissance. Auch das durch ein hässliches Schnellstras-sengewirr verschandelte Mississippi-Ufer, an dem die Autos bis zur Wasserkante parken, soll demnächst völlig neu angelegt werden.

Der 192 Meter hohe Bogen am Mississippi-Ufer ist das Wahrzeichen von St. Louis. Foto: Christiane Oelrich dpa - Bildfunk

 

 

Last modified on:07/13/2005

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