|
München (dpa) - Erneut schickt
Deutschland einen Film über die deutsche Nazi-Vergangenheit ins Rennen um
den begehrtesten Filmpreis der Welt. Das Kinodrama Sophie Scholl - Die
letzten Tage" von Marc Rothemund ist der deutsche Kandidat für eine Oscar-Nominierung
in der Kategorie Bester nicht-englischsprachiger Film. Das teilte German
Films, die Auslandsvertretung der deutschen Filmbranche, in München mit. Im
vergangenen Jahr war der Hitler-Film Der Untergang" benannt worden, davor
waren mit Aimée und Jaguar" und Nirgendwo in Afrika" zwei weitere Filme mit
NS-Thematik im Rennen. Von französischer Seite wurde die französisch-deutsche
Koproduktion Merry Christmas" von Christian Carion ins Oscar-Rennen
geschickt. zu Jahresbeginn werden aus rund 90 Filmen aus aller Welt fünf
nominiert, die Oscars werden dann am 5. März in Hollywood vergeben.
Sophie Scholl" sei ein Film von großer emotionaler Dichte, getragen von
herausragenden schauspielerischen Leistungen, begründete die von German
Films berufene Jury ihre Entscheidung für den diesjährigen Kandidaten. Seine
Bedeutung liege in der zeitlosen Thematik des selbstlosen Widerstands gegen
jede Form von Unterdrückung. Der Streifen hat bereits drei deutsche
Filmpreise bekommen, darunter den Friedenspreis des Deutschen Films und den
Gilde-Preis der deutschen Kinobetreiber.
Der Film wurde von den Produktionsfirmen Goldkind Film (Christoph Müller und
Sven Burgemeister) und Broth Film mit Regisseur Marc Rothemund und Autor
Fred Breinersdorfer hergestellt. Die Nachwuchsschauspielerin Julia Jentsch
wurde für ihre Titelrolle auf der Berlinale mit dem Silbernen Bären und beim
Deutschen Filmpreis als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet.
Wir können uns glücklich schätzen, dass wir ausgewählt wurden, es gab in
diesem Jahr viele sehr gute deutsche Filme", sagte Produzent Burgemeister,
und auch Regisseur Rothemund betont: Wir freuen uns, aber wir wissen, dass
es eine große Verantwortung ist. Da kommt viel Arbeit auf uns zu." Der Film
sei bereits in zahlreichen Ländern vorgestellt worden. Ob Nordamerika oder
Asien - die Geschichte von Sophie Scholl berührt, und die Darstellung von
Julia Jentsch wühlt auf", fasst Rothemund die Reaktionen zusammen. In vielen
Ländern wissen die Leute gar nicht, dass es Widerstand gab, dass normale
junge Leute aufgestanden sind und dafür ihr Leben gelassen haben." Er sei
froh, dass nach dem Untergang", der die Nazi-Schergen zeigte, nun ein Film
benannt sei, der die andere Seite beleuchte.
Es
gehe aber nicht nur um deutsche Geschichte. Sophie Scholl steht für
Zivilcourage und Aufstehen gegen Ungerechtigkeit - man merkt, dass das Thema
weltweit berührt." Auch zahlreiche Länder hätten in ihrer Geschichte
Diktaturen durchlebt. Einen Grund für den Boom" von für Oscars benannten
deutschen Filmen über die Nazi-Geschichte sieht er in der nachwachsenden
Generation von Filmemachern. Es gibt eine neue Generation, die mehr wissen
will, nachdem die Kriegsgeneration mit ihren Kindern nicht gesprochen hat."
Der Jury-Vorsitzende Antonio Exacoustos sieht vor allem den 60. Jahrestag
des Kriegsendes als Grund. Das Thema war sehr aktuell dadurch, deshalb sind
auch etliche gute Filme darüber entstanden", sagt Exacoustos. Und es ist ein
wichtiges deutsches Thema - es gab auch Jahre, in dem man sich filmisch
stark mit der RAF befasst hat."
Der Medizinstudent Hans Scholl und seine Schwester Sophie, die Biologie und
Philosophie studierte, waren 25 und 22 Jahre alt, als sie von den Nazis
hingerichtet wurden. Sie starben am 22. Februar 1943 auf dem Schafott -
zusammen mit ihrem Kommilitonen Christoph Probst (24). Die Mitglieder der
Widerstandsgruppe Weiße Rose" in München hatten in Flugblättern zum
Widerstand aufgerufen.
Der Film zeigt das letzte konspirative Treffen der Gruppe vor dem sechsten
Flugblatt, die Debatten der Studenten und die Verhaftungen am 18. Februar
1943. Er stellt die beklemmenden Verhöre dar, denen Sophie Scholl
stundenlang ausgesetzt ist. Sophie Scholl kämpft zunächst um die eigene
Freiheit und die ihres Bruders Hans, versucht dann aber mit ihrem Geständnis
andere Mitglieder der Weißen Rose" zu schützen. Auch als sie vielleicht das
eigene Leben retten könnte, schwört Sophie Scholl ihrem stark christlich
geprägten Überzeugungen nicht ab. |