19 August, 2008

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Slowenien: Schöne Tochter der Berge

Naturfreunde entdecken Sloweniens Alpen

Ljubljana (dpa) - Tochter der Berge" nennen die Slowenen ihren grün-weiß sprudelnden Wildbach Soca, der im Nordwesten des Landes in den Julischen Alpen entspringt und bei Triest in die Adria mündet.

An seinem Oberlauf liegt mit einem Fast-Dreitausender der Nationalpark Triglav, für den die rauschende Naturschönheit zum Aushängeschild wurde. Manch einer hat schon gehört, wo die Oberkrainer zu Hause sind oder Ernest Hemingway seinen Roman In einem anderen Land" spielen ließ. Als Urlaubsziel wird die Ecke jedoch gerade erst entdeckt.

Vieles erinnert an den nördlichen Nachbarn Österreich: Steile schneebedeckte Gipfel, weite dunkelgrüne Wälder und üppige Wiesen voller Wildblumen. Die Natur ist nah, der Urlaub noch erschwinglich, und die Menschen sind überall gastfreundlich. Nur die vielen alten Alpen-Höfe mit ihren umlaufenden Holzveranden sucht man vergebens. Kriege haben hier oft den aufwendigen Wiederaufbau vereitelt.

 

Erstes-Weltkriegs-Museum und Partisanen-Lazarett

Immer wieder haben in der bewegten Geschichte fremde Mächte ihre Besitz ergreifende Hand nach diesem Land ausgestreckt und teuer dafür bezahlen müssen. Das Erste-Weltkriegs-Museum in Kobarid behandelt diesen für das Verständnis der Gegend so wichtigen Punkt. Es mahnt zum Frieden - ganz im Einklang mit Romanautor Hemingway, der in seinem Buch A Farewell to Arms" einen Abschied von den Waffen" forderte. Allerdings stand er für die Slowenen auf der anderen Seite und wird daher nur mit einem Porträt im Treppenhaus erwähnt.

Das im Zweiten Weltkrieg betriebene und unentdeckt gebliebene Partisanen-Lazarett Franja in der Pasice-Schlucht kann ebenfalls besichtigt werden. Dadurch wird den Urlaubern der geschichtliche Hintergrund deutlich. Doch die meisten suchen Bewegung in der freien Natur - erkennbar an den Kanuanzügen und Wanderanoraks. Manche sind die 800 Kilometer von Frankfurt/Main nach Bovec an der Soca in einem Stück gefahren und bleiben oft zwei Wochen im gemieteten Camper über Nacht. Gerne würden ihnen Hoteliers auch Halbpension anbieten, aber dann wäre es nicht mehr so zünftig.

 

Rafter und Kanuten wollen nicht Schlappmachen

In den Einkaufsläden versteht das Personal auch deutsch. Außerhalb der Hochsaison leben 80 Prozent der Touristen von der Selbstverpflegung. Sloweniens Alpen werden eben vor allem von Naturfreunden bevölkert. Und von Sportbegeisterten: Rafter schleppen zentnerschwere Gummiboote wie ein Hausdach über dem Kopf zur Einsatzstelle, Kanuten suchen die Herausforderung im Nervenkitzel des weißen Schwalls. Nicht immer gänzlich unbeschadet: Ein Mädchen steht nach einem ordentlichen Schluck Gebirgsbachwasser während einer überlangen Eskimorolle noch ganz verdutzt im flachen Kiesbett und ringt nach Luft, ein Floßfahrer greift nach seinem schmerzenden Rücken. Ans Schlappmachen aber denkt keiner.

Die Landbevölkerung hängt derweil das Heu zum Trocknen auf große Gestelle, die so genannten Heuharfen. Mit den roten Kopftüchern der Frauen ergibt das ein Bild, wie für den Bauernmaler Pieter Brueghel den Älteren geschaffen. Feriengäste fühlen sich in eine ferne Zeit versetzt.

 

Acht Stunden bis zum Gipfel

Über die ruhigen Wasser des Bohinj-Sees fährt ein Linienboot zur altehrwürdigen Kapelle Johannes des Täufers vor der steilen Kulisse der Julischen Alpen. Wer dort den Triglav, den mit 2864 Metern höchsten Berg Sloweniens, besteigen möchte, sollte ein erfahrener Bergsteiger sein. Bis zum Gipfel sind es insgesamt etwa acht Stunden.

Nicht so lange dauern Ausflüge auf Island-Ponys oder Mountain-bikes. Im Sennereimuseum in Stara Fuzina lohnt immer eine längere Rast. In der alten Dorfkäserei entpuppt sich das vermeintlich romantische Landleben vergangener Zeiten als Plackerei. Ein Heer von Sennern und Sennerinnen war hier beschäftigt, bis im Jahre 1873 die aufkommenden Genossenschaften die intensive Milchwirtschaft auf die Käseherstellung nach Schweizer Art umstellten. Nicht weit vom Museum hält in Bohinjska Bistrica eine alte Museumsbahn, mit der man bis Most na Soci im Tolminer Gebiet fahren kann.

 

Wo Tito seine Staatsgäste empfing

Der begehrteste Ferienort Sloweniens und das Portal zum Triglav-Nationalpark bleibt Bled, ein altes Kurbad aus königlich-kaiserlicher Zeit ganz in der Nähe der Fernreiseroute Österreich - Adria. Ein Maler könnte sich keine schönere Kulisse wünschen: ein von Gondeln befahrener klarer See, eine mächtige Burg auf steilem Ufer und eine markante Kircheninsel. Nicht umsonst empfing hier einst Präsident Tito seine Staatsgäste. Allerdings sollen auch die Preise heute noch fürstlich sein.

Horst Brix, dpa - Fotos: gms

Über die ruhigen Wasser des Bohinj-Sees fährt ein Linienboot zur altehrwürdigen Kapelle Johannes des Täufers

 

 

Last modified on:06/22/2005

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