05 August, 2008

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Der Schwarzwald und seine Wanderer

Pforzheim (dpa) - Der 170 Kilometer lange und bis zu 50 Kilometer breite Schwarzwald eine der beliebtesten Wanderregionen Deutschlands. Möglich gemacht hat dies nicht zuletzt der Schwarzwaldverein in Freiburg. Dessen mehr als 90 000 Mitglieder schufen mit den Kommunen und Tourismusverbänden ein Netz von 23 000 Kilometern Wanderwegen. So gesehen könnten die Rucksacktouristen zwischen Pforzheim und der Schweiz einmal um die halbe Welt marschieren, ohne zwei Mal dieselbe Strecke zu passieren. Die Ortsgruppen des 1864 gegründeten Vereins pflegen auch die Pfade und sind für deren Beschilderung zuständig.

Auf diesem Gebiet erlebt der Schwarzwald seit Jahren geradezu eine Revolution. Fast umsturzartig wurden und werden die in Jahrzehnten liebe- und mühevoll an Bänken, Bäumen und Masten befestigten Wanderzeichen demontiert und nach dem Muster der Schweiz, einem Hauptkonkurrenten im Wandertourismus, durch Einheitsschilder ersetzt.

Im Kern ist von den Hunderten von Zeichen nur noch eines übrig: die Gelbe Raute, die das Basiswegenetz markiert. Die Kreuzungspunkte dieser markierten Wege sind die Knoten, dort stehen auch die neuen Wegweiser, die über die Ziele der abgehenden Strecken informieren. Alles in allem ist das Knotensystem zweifellos einfacher und übersichtlicher und lässt sich daher auch besser verwalten", urteilt der Natursoziologe Rainer Brämer aus Marburg über die Reform. Vorteile für den Wanderer seien: Es gibt keine Mehrfachmarkierungen, alle Nah- und Mittelziele werden ausgewiesen, und Spontan-Wanderer können sich an jedem Knoten für eine neue Richtung entscheiden.

Allerdings haben sich die ältesten, längsten und reizvollsten Wanderrouten durch den Schwarzwald zusätzlich ihre mehr als 100 Jahre alten Markierungen - Rauten in verschiedenen Farbkombinationen - bewahrt: der Westweg

von Pforzheim nach Basel über 280 Kilometer, der Mittelweg von Pforzheim nach Waldshut (230 Kilometer) und der Ostweg von Pforzheim nach Schaffhausen (240 Kilometer). Diese 3 sind die bekanntesten der insgesamt 16 Schwarzwald-Fernwanderwege.

Der Westweg wurde im Jahr 1900 angelegt, die beiden anderen drei Jahre später. Wie viele Menschen einzelne der zehn oder elf Etappen oder die gesamte Strecke dieser Marathon-Routen im Jahr absolvieren, wird nicht erfasst. Es wandern aber wieder immer mehr junge Menschen", sagt Walter Sittig, Schwarzwaldvereins-Geschäftsführer.

Der Westweg führt von Pforzheim aus durch die Täler von Nagold, Enz und Murg auf den höchsten Punkt im Nordschwarzwald, die 1164 Meter hohe Hornisgrinde. Moore, Felsen sowie Karseen wie der Mummel- und Wildsee begleiten den Wanderer. Über den Rücken zwischen Wolf-, Rench- und Harmersbachtal führt der Weg ins Kinzigtal nach Hausach und dann steil hinauf zur Martinskapelle und der Kalten Herberge, der Wasserscheide zwischen Rhein und Donau. Die tiefen Täler im Westen und die flachen Hochtäler im Osten bilden reizvolle Gegensätze.

Vom Titisee führt der Westweg dann hinauf auf den höchsten Schwarzwald-Gipfel, den 1493 Meter hohen Feldberg. Die waldfreie subalpine Insel" ist die Heimat vieler eiszeitliche Pflanzen. Am Feldberger Hof gabelt sich der Westweg: Die westliche Strecke bietet auf dem Weg zum Belchen Fernblicke ins Elsaß und die Schweiz. Über den Blauen geht es entlang des Kandertals ins Wiesental und nach Basel. Der östliche Weg ist nicht minder reizvoll, er führt über das Herzogenhorn und den Weißenbachsattel zur Hohen Möhr. Hier geht es über den Dinkelberg mit dem Eichener See ins Rheintal nach Basel.

Der Mittelweg führt von Pforzheim nach Freudenstadt und erschließt die bäuerliche Kulturlandschaft. Über den Hochfirst geht es durch Felsentäler an den Hochrhein nach Waldshut. Der Ostweg schließlich führt den Wanderer von Pforzheim aus durch das Würmtal. Am Ostrand des Schwarzwaldes wird die Grenze zwischen Buntsandstein und Muschelkalk passiert und das Donautal gequert. Über die bewaldeten Höhen der 921 Meter hohen Länge, des höchsten Punktes des Ostweges, geht es ins Wutachtal und über den Randen bis nach Schaffhausen.

Roger Heidt, Geschäftsführer des Tourismus-Marketing Baden-Württemberg, verweist auf eine erstklassige wandertouristische Infrastruktur, die viele Menschen begeistert". Es gebe im Schwarzwald Unterkünfte für jeden Geschmack und Geldbeutel, von der Vesperwirtschaft bis hin zum Gourmettempel. Das Schlaraffenland" in dieser Hinsicht ist zweifellos Baiersbronn. Mehr Schwarzwald gibt's nirgends" lautet der Slogan der Gemeinde, die mit insgesamt sechs Michelin-Sternen in drei Häusern vor allem die Feinschmecker anzieht.

Informationen:

Schwarzwald Tourismus

www.schwarzwald-tourist-info.de www.schwarzwaldverein.de

23 000 Kilometer Wegenetz. (Bild: Touristik Nördlicher Schwarzwald/dpa/gms)

 

 

Last modified on:05/17/2005

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