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Silverstone - Rekordweltmeister
Michael Schumacher hat nach dem Flop von Silverstone die Titelverteidigung
abgehakt.
Der Ferrari- Star ist zum Opfer der in dieser Saison nur noch mittelmäßigen
Scuderia geworden.
Die WM ist sicherlich momentan in weite Ferne gerückt", räumte Schumacher
nach seinem ernüchternden sechsten Platz beim Großen Preis von
Großbritannien erstmals ein. Doch nicht die 34 Punkte Rückstand auf
Spitzenreiter Fernando Alonso beunruhigen den 36-Jährigen. Viel mehr gibt
Schumacher zu denken, dass im Rennen die Distanz der Roten" zu Renault und
McLaren-Mercedes trotz aller Anstrengungen gewachsen ist: Wir sind nicht auf
dem Niveau unserer Konkurrenten. Die anderen haben scheinbar besser
entwickelt als wir."
Wenn man sich Indianapolis, Magny-Cours und Silverstone anschaue, müsse man
ganz klar sagen, dass wir eher rückwärts als vorwärts gegangen sind", sagte
der siebenmalige Champion. Wie zuletzt in Frankreich auf Alonso wies
Schumacher auch in England weit über eine Minute Rückstand auf Sieger Juan
Pablo Montoya im McLaren-Mercedes auf.
Über die Gründe für den Klassenunterschied rätselt Schumacher: Wenn das so
einfach wäre, das unmittelbar nach dem Aussteigen zu wissen, dann würde ich
meinen Ingenieuren das sofort erklären." Ferrari-Direktor Jean Todt suchte
Trost in den kleinen Dingen. Der einzig zufrieden stellende Punkt ist unsere
Zuverlässigkeit", sagte der Franzose. Die schlechte Nachricht ist, sie waren
zuverlässig langsam", spottete die britische Times".
Schumacher erlebt nach seiner Dominanz mit fünf WM-Titeln in Serie die
schwierigste Zeit, seit er 1996 zu Ferrari kam. Das ist eine Phase, die man
durchlebt. Wir haben schon viel schlimmere Phasen durchleben müssen. Das ist
zwar nicht so schön wie die letzten Jahre, aber ich kann damit ganz gut
leben", behauptete er. Eine magere Saison löscht nicht die großen Triumphe
aus", tröstete die Gazzetta dello Sport", warnte jedoch auch: Ein
weggeworfenes Jahr verzeiht man, zwei schon schwerer."
Warum das Ferrari-Pferd in diesem Jahr lahmt, ist schwer zu erklären. Die
Scuderia und ihr Reifenlieferant Bridgestone hatten in der vergangenen
Saison nach den frühen Gewinnen des Konstrukteurs- und des Fahrertitels
genug Zeit, sich auf 2005 vorzubereiten. Diese nutzen sie nicht. Vor allem
Bridgestone schaffte es in dieser Saison nicht, konkurrenzfähige Pneus zu
liefern.
Vom ersten Rennen an fahren Schumacher und Barrichello erst im modifizierten
F2004, dann im F2005 mal mehr, mal weniger deutlich hinterher. Darüber
täuschen auch die jeweils vier Podiumsplätze der beiden Piloten nicht hinweg.
Der einzige Sieg kam zu Stande, weil beim Skandalrennen in Indianapolis die
vom Reifenhersteller Michelin belieferten sieben Teams aus
Sicherheitsgründen nicht starteten.
Millionen Euro hat Ferrari bei den Tests für die Suche nach der verlorenen
Zeit verpulvert. Wir sind eigentlich permanent am Testen", berichtete
Schumacher. Wir arbeiten schon gewissermaßen bis an die Grenzen und müssen
uns eingestehen, dass wir einfach nicht gut genug sind im Verhältnis zur
Konkurrenz."
In
den WM-Kampf kann Schumacher bei acht ausstehenden Rennen nicht mehr
eingreifen, obwohl er mit 43 Punkten noch Dritter der Fahrerwertung ist.
Alonso (77) baute seine Führung mit seinem zweiten Platz in Silverstone vor
seinem Rivalen Kimi Räikkönen (51) aus, der Dritter wurde, obwohl dieser zum
zweiten Mal hintereinander nach einem Motorschaden im Training von weit
hinten gestartet war. Im Duell zwischen dem Spanier und dem Finnen Alonso
geht es um mehr als den Titel. Sie kämpfen um Schumachers Erbe. |