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Ein britischer Wissenschaftler behauptet: Der Arbeitsplatz ist der Spiegel
unserer Persönlichkeit. Wenn sich Sigmund Freud, der Vater der Psychoanalyse,
zum Arbeiten am Schreibtisch niederließ, atmete er den Duft der zarten
Blumen ein, die täglich frisch in einer Vase neben den Porträts seiner
Liebsten standen. Erst dann widmete er sich den wohl geordneten Papieren.
Ganz anders der charismatische russische Revolutionär Leo Trotzki: Seine
Arbeitsplatte war unter den unzähligen unordentlich ausgebreiteten
Zeitungsbögen oft nur zu ahnen. Das Chaos steigerte noch dadurch, dass er
sichtlich ungerührt mitten in dem Papierhaufen ein Buch aufschlug, um darin
zu lesen.
Und wie sieht es auf Ihrem Schreibtisch aus? Welchen Eindruck vermittelt der
Arbeitsplatz Ihnen selbst, Ihrem Chef oder einem neutralen Betrachter? Sie
glauben, ein Büroschreibtisch sei nichts weiter als ein belangloses
Möbelstück?
Schreibtisch als Teil der
Persönlichkeit
Da
ist der Psychologe Cary Cooper von der britischen Lancaster Universität
anderer Meinung. Man kann eine Menge Rückschlüsse auf die Person ziehen, die
hinter dem Schreibtisch sitzt, allein daraus, wie es auf dem Tisch aussieht.
Unsere Persönlichkeit spiegelt sich in unseren Büros und auf unseren
Arbeitsflächen", erklärt der Professor für Arbeitsplatz- und
Organisationspsychologie sowie Arbeitsmedizin. Cooper hatte sich von 2500
Beschäftigten aus ganz Europa Fotos von ihren Schreibtischen senden lassen.
Mit den Teilnehmern machte er einen Persönlichkeitstest. Er durchleuchtete
ihre Arbeitshaltung, ihr Privatleben und ihr Freizeitverhalten. Weil wir so
viel Zeit im Job verbringen oft weit mehr als zu Hause , ist der
Büroschreibtisch eine Ausweitung der Persönlichkeit. Allerdings sind sich
die wenigsten dieses Eigenlebens auf dem Schreibtisch bewusst", meint
Cooper.
Ordentliche und Chaoten halten sich die
Waage
Seiner Erfahrung nach gibt es ebenso häufig Ordnungsfanatiker wie Chaoten
unter den Schreibtischarbeitern: je etwa 25 Prozent. Rund 35 Prozent liegen
mit ihrem Ordnungssinn etwa in der Mitte, und weitere 15 Prozent sind so
kreativ, dass sie dem Schreibtisch eine eigene Note verpassen. Genau
hinsehen lohnt sich: Der kritische Blick auf den Arbeitsplatz eines anderen
liefert uns also wichtige Anhaltspunkte, wenn wir erstmals ein Büro betreten.
Wen haben wir vor uns? Einen Menschen, der lässig oder pingelig ist, der auf
Statussymbole achtet oder sich nicht in die Karten schauen lassen möchte?
Den eigenen Schreibtisch überprüfen
Prof. Cooper meint, dass sich auch eine kurze Überprüfung des eigenen
Arbeitsplatzes lohnt: Wer im Chaos versinkt, sollte sich fragen, in welchen
Bereichen er unstrukturiert ist. Ein Ordnungsfanatiker dagegen kann sich
bemühen, mehr kreativen Freiraum einzuplanen.
Manager bevorzugen aufgeräumte
Mitarbeiter
Nicht weniger spannend als die Analyse der Schreibtischarbeiter selbst fiel
die Befragung von 500 Führungskräften aus, die Rückschlüsse aus dem Zustand
der Schreibtische ihrer Untergebenen zogen. So bevorzugen 70 Prozent der
Manager Mitarbeiter, deren Arbeitsplätze ordentlich und aufgeräumt sind.
Mehr als die Hälfte (55 Prozent) der Vorgesetzten gab sogar an, dass sie
einen chaotischen Schreibtisch mit einer unzuverlässigen, unprofessionellen
und unaufmerksamen Arbeitsweise verbinden.
Prof. Cooper hat die fünf wichtigsten Typen bestimmt. Im Folgenden können
Sie lesen, welcher am ehesten auf Sie zutrifft.
Der Ordnungsfanatiker
Dieser Mensch liebt klare Strukturen. Die Bleistifte sind penibel gespitzt,
die Papiere blitzsauber geordnet. Er bevorzugt eine bürokratische Firma, in
der er genau weiß, was sein Job ist", sagt Cooper. Pünktlich kommt er zur
Arbeit, pünktlich nimmt er Termine wahr. Seine Aufgaben erledigt er
sorgfältig nacheinander. Mehrere auf einmal zu bewältigen fällt ihm schwer.
Einfallsreich und flexibel zu sein sind nicht seine Stärken, da ihm
Sicherheit wichtiger ist. In diese Kategorie gehört auch der Kollege, dessen
Arbeitsplatz extrem neutral gehalten ist. Sie wissen nicht, was für ein
Mensch das ist. Und das liegt daran, dass er Arbeits- und Privatleben strikt
trennt", sagt Cooper.
Der Chaot
Unordentliche Haufen kennzeichnen seinen Schreibtisch. Aber nicht nur dort
breitet der Chaot sich aus. Der Boden ist oft ebenfalls mit Papierstapeln
bedeckt, die kein erkennbares System zeigen. Auch der Tagesablauf scheint
nicht gut organisiert zu sein. Dieser Mensch liebt geradezu das
Durcheinander und lehnt Strukturen ab. Prioritäten gibt es bei seiner Arbeit
nicht. Und so halst er sich oft zu viel davon auf. Seine Fähigkeit, mehrere
Aufgaben gleichzeitig zu erledigen, ist jedoch ausgezeichnet. Leider
verschätzt er sich häufig bei Terminen, so dass er oft Überstunden schieben
muss.
Der Kreative
Ein Mensch, der eigene Ideen entwickelt, bringt diese auch an seinem
Arbeitsplatz ein. Er möchte sich von anderen abheben, legt viel Wert auf
Status und auf den Eindruck, den er bei anderen macht. Daher umgibt er sich
gern mit Kunst und ausgefallenen Einzelstücken. Besucher entdecken sie der
Wand und auf dem Schreibtisch meist so arrangiert, dass sie auffallen. Oft
herrscht auf der Arbeitsfläche eine lässige Unordnung. Allerdings sieht man
ihr an, dass dahinter eine persönliche Struktur steckt", ergänzt Cooper.
Der Familienmensch
Seinen übersichtlichen Schreibtisch schmückt ein Familienporträt. Fotos und
Erinnerungsstücke machen dem Vorgesetzten und den Kollegen deutlich, dass es
für diesen Mitarbeiter ein Leben außerhalb des Büros gibt. Abends räumt er
den Schreibtisch auf und teilt damit allen Kollegen mit, dass sein Tagwerk
beendet ist. Er arbeitet zielgerichtet, jedoch hält sich sein Arbeitseifer
manchmal in Grenzen.
Der Workaholic
Auch dieser Typ ist von Familienfotos und anderen persönlichen Dingen
umgeben, die ihn an ein Leben außerhalb seines Büros erinnern. Doch im
Gegensatz zum Familienmenschen verbringt er nur wenig Zeit mit seinen Lieben,
da er häufig von früh bis spät arbeitet. Tatsächlich sind solche Fotos oft
die indirekte Art, sich zu einer Familie zu bekennen, die man kaum zu
Gesicht bekommt", sagt Cooper.
Die Schreibtische vieler Vorgesetzter sind mit solchen Bildern geschmückt.
Apotheken Umschau/GesundheitPro
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