30 June, 2008

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Schreibtisch entlarvt Typ

Ein britischer Wissenschaftler behauptet: Der Arbeitsplatz ist der Spiegel unserer Persönlichkeit. Wenn sich Sigmund Freud, der Vater der Psychoanalyse, zum Arbeiten am Schreibtisch niederließ, atmete er den Duft der zarten Blumen ein, die täglich frisch in einer Vase neben den Porträts seiner Liebsten standen. Erst dann widmete er sich den wohl geordneten Papieren.

Ganz anders der charismatische russische Revolutionär Leo Trotzki: Seine Arbeitsplatte war unter den unzähligen unordentlich ausgebreiteten Zeitungsbögen oft nur zu ahnen. Das Chaos steigerte noch dadurch, dass er sichtlich ungerührt mitten in dem Papierhaufen ein Buch aufschlug, um darin zu lesen.

Und wie sieht es auf Ihrem Schreibtisch aus? Welchen Eindruck vermittelt der Arbeitsplatz Ihnen selbst, Ihrem Chef oder einem neutralen Betrachter? Sie glauben, ein Büroschreibtisch sei nichts weiter als ein belangloses Möbelstück?

 

Schreibtisch als Teil der Persönlichkeit

Da ist der Psychologe Cary Cooper von der britischen Lancaster Universität anderer Meinung. Man kann eine Menge Rückschlüsse auf die Person ziehen, die hinter dem Schreibtisch sitzt, allein daraus, wie es auf dem Tisch aussieht. Unsere Persönlichkeit spiegelt sich in unseren Büros und auf unseren Arbeitsflächen", erklärt der Professor für Arbeitsplatz- und Organisationspsychologie sowie Arbeitsmedizin. Cooper hatte sich von 2500 Beschäftigten aus ganz Europa Fotos von ihren Schreibtischen senden lassen. Mit den Teilnehmern machte er einen Persönlichkeitstest. Er durchleuchtete ihre Arbeitshaltung, ihr Privatleben und ihr Freizeitverhalten. Weil wir so viel Zeit im Job verbringen ­ oft weit mehr als zu Hause ­, ist der Büroschreibtisch eine Ausweitung der Persönlichkeit. Allerdings sind sich die wenigsten dieses Eigenlebens auf dem Schreibtisch bewusst", meint Cooper.

 

Ordentliche und Chaoten halten sich die Waage

Seiner Erfahrung nach gibt es ebenso häufig Ordnungsfanatiker wie Chaoten unter den Schreibtischarbeitern: je etwa 25 Prozent. Rund 35 Prozent liegen mit ihrem Ordnungssinn etwa in der Mitte, und weitere 15 Prozent sind so kreativ, dass sie dem Schreibtisch eine eigene Note verpassen. Genau hinsehen lohnt sich: Der kritische Blick auf den Arbeitsplatz eines anderen liefert uns also wichtige Anhaltspunkte, wenn wir erstmals ein Büro betreten. Wen haben wir vor uns? Einen Menschen, der lässig oder pingelig ist, der auf Statussymbole achtet oder sich nicht in die Karten schauen lassen möchte?

 

Den eigenen Schreibtisch überprüfen

Prof. Cooper meint, dass sich auch eine kurze Überprüfung des eigenen Arbeitsplatzes lohnt: Wer im Chaos versinkt, sollte sich fragen, in welchen Bereichen er unstrukturiert ist. Ein Ordnungsfanatiker dagegen kann sich bemühen, mehr kreativen Freiraum einzuplanen.

 

Manager bevorzugen aufgeräumte Mitarbeiter

Nicht weniger spannend als die Analyse der Schreibtischarbeiter selbst fiel die Befragung von 500 Führungskräften aus, die Rückschlüsse aus dem Zustand der Schreibtische ihrer Untergebenen zogen. So bevorzugen 70 Prozent der Manager Mitarbeiter, deren Arbeitsplätze ordentlich und aufgeräumt sind. Mehr als die Hälfte (55 Prozent) der Vorgesetzten gab sogar an, dass sie einen chaotischen Schreibtisch mit einer unzuverlässigen, unprofessionellen und unaufmerksamen Arbeitsweise verbinden.

Prof. Cooper hat die fünf wichtigsten Typen bestimmt. Im Folgenden können Sie lesen, welcher am ehesten auf Sie zutrifft.

 

Der Ordnungsfanatiker

Dieser Mensch liebt klare Strukturen. Die Bleistifte sind penibel gespitzt, die Papiere blitzsauber geordnet. Er bevorzugt eine bürokratische Firma, in der er genau weiß, was sein Job ist", sagt Cooper. Pünktlich kommt er zur Arbeit, pünktlich nimmt er Termine wahr. Seine Aufgaben erledigt er sorgfältig nacheinander. Mehrere auf einmal zu bewältigen fällt ihm schwer. Einfallsreich und flexibel zu sein sind nicht seine Stärken, da ihm Sicherheit wichtiger ist. In diese Kategorie gehört auch der Kollege, dessen Arbeitsplatz extrem neutral gehalten ist. Sie wissen nicht, was für ein Mensch das ist. Und das liegt daran, dass er Arbeits- und Privatleben strikt trennt", sagt Cooper.

 

Der Chaot

Unordentliche Haufen kennzeichnen seinen Schreibtisch. Aber nicht nur dort breitet der Chaot sich aus. Der Boden ist oft ebenfalls mit Papierstapeln bedeckt, die kein erkennbares System zeigen. Auch der Tagesablauf scheint nicht gut organisiert zu sein. Dieser Mensch liebt geradezu das Durcheinander und lehnt Strukturen ab. Prioritäten gibt es bei seiner Arbeit nicht. Und so halst er sich oft zu viel davon auf. Seine Fähigkeit, mehrere Aufgaben gleichzeitig zu erledigen, ist jedoch ausgezeichnet. Leider verschätzt er sich häufig bei Terminen, so dass er oft Überstunden schieben muss.

 

Der Kreative

Ein Mensch, der eigene Ideen entwickelt, bringt diese auch an seinem Arbeitsplatz ein. Er möchte sich von anderen abheben, legt viel Wert auf Status und auf den Eindruck, den er bei anderen macht. Daher umgibt er sich gern mit Kunst und ausgefallenen Einzelstücken. Besucher entdecken sie der Wand und auf dem Schreibtisch meist so arrangiert, dass sie auffallen. Oft herrscht auf der Arbeitsfläche eine lässige Unordnung. Allerdings sieht man ihr an, dass dahinter eine persönliche Struktur steckt", ergänzt Cooper.

 

Der Familienmensch

Seinen übersichtlichen Schreibtisch schmückt ein Familienporträt. Fotos und Erinnerungsstücke machen dem Vorgesetzten und den Kollegen deutlich, dass es für diesen Mitarbeiter ein Leben außerhalb des Büros gibt. Abends räumt er den Schreibtisch auf und teilt damit allen Kollegen mit, dass sein Tagwerk beendet ist. Er arbeitet zielgerichtet, jedoch hält sich sein Arbeitseifer manchmal in Grenzen.

 

Der Workaholic

Auch dieser Typ ist von Familienfotos und anderen persönlichen Dingen umgeben, die ihn an ein Leben außerhalb seines Büros erinnern. Doch im Gegensatz zum Familienmenschen verbringt er nur wenig Zeit mit seinen Lieben, da er häufig von früh bis spät arbeitet. Tatsächlich sind solche Fotos oft die indirekte Art, sich zu einer Familie zu bekennen, die man kaum zu Gesicht bekommt", sagt Cooper.

Die Schreibtische vieler Vorgesetzter sind mit solchen Bildern geschmückt.

Apotheken Umschau/GesundheitPro

Aufgeräumter Schreibtisch = sortierter Angestellter. Die Gleichung geht für viele Chefs auf.

Steckt hinter jedem chaotischen Schreibtisch ein kreativer Kopf?

 

 

Last modified on:09/13/2005

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