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umstandsloser zur Sache. Über die
Papst-Meldung haben die Blattmacher ein Foto des jungen liebestollen
Prinzen Hakenkreuz" Harry gestellt, der seiner Freundin für den
Hüttenurlaub jede Menge Liebe verspricht, und illustrieren so genau das,
was Ratzinger in seiner Predigt zum Relativismus der Moderne" ausgeführt
hat.
Der Daily Mirror" findet Geschmack
an der optischen Vermischung von Panzerkardinal" und Hitlerjunge" und
Nazi-sympathisanten" auf einer Doppelseite. Er berichtet aus einem
Weimar-Inferno-Deutschland, dass die TV-Anstalten ihre
Nachrichtensendungen freigeräumt hätten von Aufständen über
Arbeitslosigkeit und Verbrechen", um über diese Wahl zu berichten.
Natürlich trottet der hässliche
Deutsche als Rottweiler auch hier durch die Seiten, und die segnend
erhobenen Arme des Papstes lassen viel Spielraum für Deutungen und
Assoziationen zu.
Mit Ratzingers Theologie setzt sich
kaum einer auseinander. Bis auf den Independent". Die Zeitung,
Hitlerjunge auf dem Titel, tut es gleich über die ersten fünf Seiten mit
einem nicht abreißenden Sündenregister. Er schildert Ratzingers
Inthronisierung als geschickt eingefädelten macchia-velistischen Coup
nach Muster der Kreml-Nachfolgen. Ratzinger habe die Tagesordnungen des
Konklaves bestimmt", er habe Kontakte zur Presse eingeschränkt" und die
entscheidenden Predigten gehalten - ein kalt orchestriertes Machtmanöver
durch den Deutschen".
Viele, so der Independent", der
sonst nicht gerade besessen ist von religiösen Fragen, hätten die
Verkündung des neuen Papstes als Schlag in die Magengrube" empfunden.
Stellvertretend schlägt er nun zurück.
Nicht immer wird da standsicher
argumentiert. Was die Kapitalismus-Kritik der katholischen Kirche angeht,
ist sie offenbar für Linke sehr verwirrend. So tut der Independent", was
viele kirchenferne Kritiker in diesen Tagen tun: Er kontrastiert den
Reaktionär Ratzinger am polnischen Vorgänger, der plötzlich weit nach
links außen rückt.
Ratzingers Kampf gegen den
Marxismus, so der Independent", sei weit über den von Papst Johannes
Paul II. hinausgegangen, der als Pole doch Sympathie gehabt" habe. Das
allerdings ist neu: Dass Papst Paul Johannes II. Sympathie für den
Marxismus gehabt hätte, weil er den Kapitalismus so sehr verachtete? So
etwas können nur Leute schreiben, die sich erst seit vorgestern in die
katholische Materie einlesen mussten.
Ratzinger, heißt es, habe die
Befreiungstheologie ausgerottet". Dieses Trauer-Tremolo über die
Befreiungstheologie, die von Rom fertiggemacht worden sei, ist der
letzte Schrei auf dem gegenwärtigen Theorie-Markt. Knapp 20 Jahre
nachdem auch die letzten Intellektuellen den Marxismus als
blutig-totalitären Irrweg der Aufklärung abgehalftert haben, wird er von
liberalen Kommentatoren wie im Independent" sympathisierend wieder
entdeckt - weil ihn Ratzinger und die katholische Amtskirche verdammt
haben.
Zum Thema Kirchenkritik, findet die
Londoner Times", könne man einer katholischen Kirche, die nicht an ihrer
Selbstabschaffung arbeitet, kaum verdenken, dass sie einem ihrer
Theologen die Lehrerlaubnis entzieht, der im Prinzip sagt, alle
Religionen meinten das Gleiche. Jeder Karnickelzüchter-verein hat seine
Statuten und schließt nun mal diejenigen aus, die nur noch über
Wellensittiche reden wollen.
Der Kommentator der Times" hatte
nach einem Gespräch mit dem Amtskirchenkritiker Hans Küng über Ratzinger
den Eindruck, dass es Küng war, der der Versuchung erlag, alles besser
zu wissen", während sich Ratzinger der Autorität der katholischen Kirche
beugte. Die Times" ist es dann auch, als einzige, die in Ratzinger einen
interessanten Neuanfang sieht. Er sei der beste Mann für den Job".
Das Papsttum, schreibt Kommentator
Daniel Johnson, sei die älteste und erfolgreichste Institution der Erde.
Und sie sei es, weil sie sich nicht dem Zeitgeist gebeugt habe. Sie sei
ein notwendiges Bollwerk gegen den Ausverkauf im Jahrmarkt der schnell
wechselnden Moden und Heilslehren.
Auch der Times"-Leitartikler kommt
auf Ratzingers Jugend zu sprechen. Aber anders. Er sieht sie nicht als
dunkle Bürde, sondern als Vorteil: Ratzinger wurde in die Weimarer
Republik hineingeboren, die zusammenbrach, weil sie ihren moralischen
Relativismus extrem auslebte und schließlich vor den säkularen
Ideologien von rechts und links kapitulierte."
Er wuchs auf im Dritten Reich, und
hat so die mörderischen und zersetzenden Wirkungen einer politischen
Religion kennen gelernt. Kurz: Ratzinger ist nicht trotz, sondern wegen
seiner deutschen Biografie geeignet als Wächter und Verkünder des
Glaubens.
Das ist, auf der Insel, an diesem
Tag eine interessante und überraschend sympathisierende Lesart dieser
Biografie und dieser Wahl. Dieses Ereignisses eines deutschen Papstes.
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