30 June, 2008

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Geschwächte SPD kann eventuell dank Dänen-Partei weiter regieren

Nach Wahlkrimi im Norden jetzt spannende Regierungsbildung

Von Wolfgang Schmidt

Kiel (dpa) - Konfettiregen beim Verlierer SPD, Ernüchterung beim Sieger CDU - die Landtagswahl in Schleswig-Holstein wurde zu einem Wechselbad der Gefühle. So sah sich auch Ministerpräsidentin Heide Simonis im Auf und Ab der Stimmungswellen mehrfach zwischen heißem Saunagang und kalter Dusche, wie sie nach der dramatischen Wahl bekannte. Erst kurz vor Mitternacht war mit dem Endergebnis klar, dass CDU/FDP doch ein Mandat fehlt. Dem Thriller vom Sonntag wird eine der spannendsten Regierungsbildungen auf Länderebene folgen. Rot-Grün kann mit 33 Mandaten nicht mehr allein regieren. Für Schwarz-Gelb reicht es mit 34 Sitzen auch nicht, da noch der Südschleswigsche Wählerverband (SSW) mit 2 Abgeordneten dabei ist.

Eine rot-grüne Minderheitsregierung, toleriert vom SSW, erschien am Montag als Option Nr. 1, nachdem Simonis sich mit den anderen Spitzenkandidatinnen Anne Lütkes (Grüne) und Anke Spoorendonk (SSW) auf Gespräche verständigt hatte. CDU-Spitzenkandidat Peter Harry Carstensen, der Deutschlands einzige Ministerpräsidentin überraschend auf der Zielgeraden überholt hatte, hielt als Wahlsieger dagegen und bekräftigte seinen Regierungsanspruch. „Wir müssen sehen, dass wir eine Mehrheit bekommen, die Schleswig-Holstein nach vorne bringt“, sagte Carstensen im NDR-Hörfunk. Eine von zwei SSW-Abgeordneten abhängige rot-grüne Minderheitsregierung wäre nach seinen Worten völlig absurd. „Das kann nicht laufen“, meinte Carstensen. Der Wählerwillen würde damit auf den Kopf gestellt.

Aber für die CDU kann es aller Voraussicht nach nur zu einer großen Koalition reichen. Dafür gebe es auch in den wirtschaftsnahen Kreisen der SPD Sympathien, doch dies wäre das Ende der Ära Simonis.

Eine „Ampel“-Regierung aus SPD, FDP und Grünen gilt im Norden als unwahrscheinlich, auch mit einem Zusammengehen von Schwarz-Gelb mit dem SSW rechnet kaum jemand. 745 Stimmen hätte die FDP nach Angaben des Landeswahlleiters Dietmar Lutz mehr holen müssen, dann hätte es für CDU/FDP gereicht. Bei fast 2,2 Millionen Wahlberechtigten ist das ein „Klacks“. Um so bitterer fällt dies für den selbstbewussten FDP- Vormann Wolfgang Kubicki aus, der „10 Prozent plus“ angekündigt hatte, mit 6,6 Prozent um einen ganzen Punkt unter dem Ergebnis von 2000 blieb und so erstmals bei einer Wahl „abbaute“.

Für die SPD, die 1988 die Macht erobert hatte und seit 1996 mit den Grünen regierte, ist die unerwartet harte Niederlage nach guten Umfragewerten ein Rätsel, wie ihre Spitzen am Wahlabend bekannten. „Die Partei hat hoch motiviert Wahlkampf gemacht“, blickte deren „Zugpferd“ Simonis zurück. Dass sie für rund fünf Prozentpunkte mehr gut ist als die SPD im Bund, hat die 61-Jährige trotz der Niederlage auch diesmal bewiesen. Niedrige Wahlbeteiligung, Arbeitslosigkeit, Hartz IV werden als mögliche Gründe für den Verlust der Mehrheit genannt. „Es lag auf keinen Fall an Heide Simonis“, betonte der Landesvorsitzende Claus Möller. Doch auch sie schaffte es im Jahr vor der Bundestagswahl nicht, Rot-Grün wieder auf die Siegerstraße zu bringen. In drei Monaten steht in Nordrhein-Westfalen die letzte rot- grüne Koalition auf Länderebene auf dem Prüfstand.

 

Der CDU-Spitzenkandidat der Landtagswahl in Schleswig-Holstein, Peter Harry Carstensen, steht am Montag in Berlin bei einer Pressekonferenz neben dem Schriftzug CDU. Foto: Andreas Altwein dpa

 

Anke Spoorendonk, Spitzenkan-didatin der Partei der dänischen und friesischen Minderheit (SSW, Südschleswigscher Wählerverband). Spoorendonk gilt als Königsmacherin für die künftige Regierung im nördlichsten Bundesland.  Foto: Wulf Pfeiffer dpa

 

Mit einem strahlenden Lachen steht die Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein, Heide Simonis,  in Berlin auf dem Podium. Trotz Stimmenverlusten könnte sie nach den bisherigen Ergebnissen mit Hilfe des SSW‘s in einer rot-grünen Koalition weiterregieren. Foto: Wolfgang Kumm

 

Last modified on:02/22/2005

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