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München (dpa) - Trotz kühlen und
regnerischen Herbstwetters sind Hunderttausende Besucher am ersten
Wochenende auf das 172. Münchner Oktoberfest geströmt. Es ist sehr entspannt,
heiter und gut gelaunt - man feiert unverdrossen", sagte Festleiterin
Gabriele Weishäupl am Sonntag. Ein Wiesnwochenende der ruhigen Art." Rund
700000 Gäste aus aller Welt kamen nach Schätzungen der Festleitung auf die
Theresienwiese, im Vorjahr waren es eine Million. Viele trugen Dirndl und
Lederhose, aber auch zahlreiche Schirme und Regenjacken waren zu sehen.
Polizei und Rotes Kreuz berichteten von einem friedlichen Auftakt des
größten Volksfestes der Welt. Bis zum 3. Oktober werden sechs Millionen
Besucher erwartet. Die Wiesn dauert dieses Jahr einen Tag länger, da der Tag
der Deutschen Einheit am Montag ein zusätzlicher Wiesntag ist.
Wirte, Budenbesitzer und Schausteller zeigten sich trotz des Wetters
optimistisch. Das wird schon noch", hieß es bei vielen. Am ersten Tag
mussten einige der 14 Zelte schon kurz nach Öffnung der Türen wegen
Überfüllung geschlossen werden. Schon mittags tanzten einige Gäste auf den
Bänken. Erstmals haben sich die Wirte allerdings verpflichtet, bis 18.00 Uhr
die Stimmung nicht mit heißer" Musik anzuheizen und die Lautstärke unter 85
Dezibel zu halten. Dafür gibt es mehr bayerische Volksmusik. Vielleicht hat
auch das dazu beigetragen, dass es temperierter hergeht", sagte Weishäupl.
Die neue Auflage wird jedenfalls sehr gut angenommen." Für die Wahl des
Wiesn-Hits ist es zwar noch zu früh, bisher lagen aber die Klassiker
Fürstenfeld" und Sierra Madre" vorne in der Publikumsgunst.
An
den ersten beiden Tagen verspeisten die Besucher insgesamt neun Ochsen, zwei
weniger als im Vorjahr. Rund 450000 Maß Bier rannen in den voll besetzten
Zelten durch die Kehlen, gut 100000 Liter weniger als 2004. Die Maß ist in
diesem Jahr mit bis zu 7,25 Euro um rund 15 Cent teurer. Renner an den
Souvenirständen waren wetterbedingt Filzhüte und wärmende Kapuzen-Sweatshirts
mit Wiesn- Plakatmotiv. An den Buden gingen gebrannte Mandeln als Handwärmer
über die Theken.
Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) hatte die Wiesn am Samstag mit einem
neuen Rekord eröffnet: Als erster Oberbürgermeister in der Geschichte des
Volksfestes schaffte er es, das erste Fass mit nur zwei Schlägen anzuzapfen.
Mit Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) stieß er auf eine friedliche
Wiesn" an. Das ist für mich das Allerwichtigste." Als ältester Gast
verfolgte Johannes Heesters das Anzapfritual. In Lederhose und mit
Trachtenhut saß der 101 Jahre alte Schauspieler an der Seite seiner Frau
Simone Rethel.
Die erste Bierleiche" mussten die Helfer dreieinhalb Stunden nach der
Eröffnung behandeln. Eine 16-Jährige aus Unter-schleißheim bei München sei
in die Sanitätsstation gebracht worden, nachdem sie drei Maß Bier auf
nüchternen Magen getrunken hatte, berichtete das Bayerische Rote Kreuz (BRK).
Insgesamt wurden am ersten Wiesntag 40 Besucher auf Grund ihres
Alkoholkonsums behandelt. Wegen des kühlen Wetters mussten die
BRK-Mitarbeiter am Samstag aber nur knapp 500 Patienten mit meist
geringfügigen Problemen helfen, vor einem Jahr waren es mehr als 1100.
In
einem der größten Trachtenumzüge der Welt zogen am Sonntag in München rund
9000 Trachtler, Schützen und Musikanten zum Festgelände. Festlich
herausgeputzte Rösser zogen mit Blumengirlanden geschmückte Brauereiwagen.
In bunter Folge marschierten Spielmannszüge, Schützen mit Armbrust und
Jagdhornbläser. |