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Tübingen (dpa) - Trotz völlig
intakter Ohren haben zwei bis drei Prozent der Deutschen große
Schwierigkeiten, Gesagtes zu verstehen. Bei diesen Menschen ist die
Signalverarbeitung im Gehirn gestört", sagte der Tübinger Psychologe Harry
de Maddalena.
Besonders betroffen sind zum einen Kinder, deren Gehirne sich nicht optimal
entwickelt haben, zum anderen Ältere, etwa nach einem Schlaganfall." Die
Schwerhörigkeit trotz normal funktionierender Ohren lässt sich nach
Maddalenas Angaben bislang vor allem durch Therapien von Psychologen,
Pädagogen und Logopäden behandeln. Unter anderem geht es darum, den
Betroffenen beizubringen, sich besser auf Stimmen zu konzentrieren und
weniger auf Störgeräusche zu achten", sagte der Mediziner. Durch größeres
sprachliches Wissen lasse sich die Verarbeitung des Gehörten erleichtern.
Eine große Hilfe für die Patienten sei es zudem, wenn Gesprächspartner nicht
nur langsam artikulierten, sondern auch Blickkontakt aufnähmen. Die
Entwicklung von Medikamenten steckt hingegen noch in den Kinderschuhen."
Hintergrund der so genannten auditiven Verarbeitungsstörung" ist die
fehlende Zusammenarbeit von verschiedenen Gehirnregionen, etwa der für das
Hören verantwortlichen mit der für das Erleben zuständigen. Die Ursachen
dafür seien noch unklar, sagte Maddalena. Die Störung lasse sich meist auch
nicht mit bildgebenden Verfahren - wie einer Aufnahme des Gehirns per
Positronen-Emissions-Tomographie - sehen. Teilweise ist der Defekt wohl auf
Erbanlagen zurückzuführen, eine genauso große Rolle spielen aber die Umwelt
und Sozialisation in den verschiedenen Entwicklungsphasen eines Kindes",
sagte er. Bei ersten Misserfolgserlebnissen kommt dann oft eine psychische
Blockade dazu." |