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Neubrandenburg (dpa) - Die
Neubrandenburger Kunstsammlung hat die lange vergessene norddeutsche Malerin
Anna Saur (1868-1940) wiederentdeckt. Dort wird erstmals das Gesamtwerk der
im mecklenburgischen Schönberg geborenen Malerin gezeigt.
Saur galt Anfang des 20. Jahrhunderts als gefragte Landschafts- und
Porträtmalerin, die in Berlin, Halle und Lübeck sowie zusammen mit Max
Liebermann (1847-1935) in Hannover ausstellte. Nach 1940 geriet ihr Werk in
Vergessenheit.
Es
ist uns sogar gelungen, das erste Werkverzeichnis zu erstellen", berichtet
die Kunsthistorikerin Elke Pretzel. Mehrere Monate hatte sich die 42-Jährige
auf die Spuren der inzwischen bundesweit verstreuten Familie der Malerin
begeben und zusammengetragen, was noch zu finden war. Das ist aber sicher
noch nicht alles", schätzt sie ein.
Als Tochter eines Amtsgerichtsrates im Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz,
das traditionell enge Beziehungen ins preußische Königshaus pflegte, wuchs
die Malerin vor allem in Neubrandenburg auf. Ihre Ausbildung erhielt sie in
Berlin bei den Malern Paul Schultze-Naumburg (1869-1949) und Leo Freiherr
von König (1871-1944) vom Kunstgewer-bemuseum. König erlaubte ihr auch, in
der Nationalgalerie zu kopieren. Sie blieb allein, lebte ganz für ihre Kunst,
musste vom Verkauf ihrer Bilder leben und gab später Gesangsunterricht",
berichtet Pretzel.
Hauptmotive des Saurschen Schaffens waren Städte und die mecklenburgische
Landschaft. So arbeitete Saur gern rings um Burg Stargard, Neubrandenburg,
Friedland, malte aber auch Güstrower Motive und bei Studienreisen auf
Hiddensee. Sie war mit der Inselmalerin Elisabeth Büchsel (1867-1957)",
erzählt die Mitarbeiterin der Kunstsammlung. 40 Grafiken und 40Ölgemälde
sind in der Ausstellung zu sehen. Es ist die erste seit 1929.
Sie wurde zu Unrecht so lange vergessen, es könnte den Kriegs- und
Nachkriegswirren Schuld daran sein", sagt Pretzel. Einige Grafiken seien in
der Stiftung Mecklenburg in Ratzeburg gefunden worden, das Gros stammt von
Nachkommen ihrer Verwandtschaft, die inzwischen in Nordrhein-Westfalen,
Niedersachsen und Hessen verstreut sind. Einige Bilder sind sicher auch noch
bei privaten Besitzern. Es wäre schön, wenn diese sich melden würden", hofft
man in der Kunstsammlung. Vor allem rings um Hannover und Lübeck, wo Anna
Saur mehrfach auch mit dem Impressionisten Max Slevogt (1868-1932)
ausstellte, könnten noch Gemälde oder Grafiken sein.
Experten schätzen vor allem die detailreiche Struktur und die figürliche
Genauigkeit der Malerin. Ihre weiblichen Akte und Porträts älterer Menschen
sind auch psychologische Bildnisse, die aus der Farbe heraus entwickelt
wurden", erklärt Pretzel. In Neubrandenburg erinnert seit kurzem wieder eine
Straße an die vergessene Malerin, die auch in der Stadt begraben wurde. Der
Friedhof existiert aber nicht mehr: Er fiel einem Plattenbaugebiet zu
DDR-Zeiten zum Opfer. |