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Von Arnold Schmitt
Im letzten Jahr
wurde der 500. Jahrestag zur Kirchweih der Dreifaltigkeitskirche in Neustadt
gefeiert. Pfarrer Richard Simon von der St. Thomas of Canterbury Parish zu
Chicago besuchte anlässlich dieses Festes die Stadt seiner Vorfahren. Er
wirkte dort bei der Festmesse mit und hielt die Festpredigt. Mit seiner
herzlichen Rede hatte er die Besucher im Nu gewonnen. Als er die Stadt
wieder verließ, sprach er eine Einladung aus, ihn doch in Chicago zu
besuchen. Diese Einladung wurde gerne angenommen.
Vom 13. bis zum
25. Juni 2005 ist eine Gruppe aus Deutschland in den USA, um auf den Spuren
der Auswanderer das Gebiet und die Menschen an den Great Lakes kennen zu
lernen.
Ab den 1830er
Jahren verließen die ersten Auswanderer aus Neustadt und der Nachbarstadt
Stadtallendorf ihre Heimat. Es waren junge Leute, ledige Männer und Frauen
und auch junge Familien mit kleinen Kindern, die damals diese beschwerliche
Reise auf sich nahmen, um ein besseres Leben, eine bessere Zukunft zu finden.
Sie fuhren ab Bremerhaven mit den Segelschiffen nach New York, den Hudson
hinauf, durch den Eriekanal nach Buffalo und weiter über den Eriesee bis
nach Detroit. Die Stadt hatte damals nur etwa 2.200 Einwohner und war noch
französisch geprägt.
Die Ankömmlinge,
welche als Bauern kamen, siedelten anfangs etwa sieben Kilometer außerhalb
der Stadt, an der sogenannten Hessischen Straße. Immer mehr wurden aber in
Detroit selbst sesshaft und betrieben dort Geschäfte aller Art. In 1840
begann man in Detroit die Deutschen Katholiken zu organisieren und in 1843
wurde eine eigene Kirche, die St. Marien Kirche, eingeweiht.
In den folgenden
Jahrzehnten folgten den Einwanderern, wie aus ganz Deutschland und Europa,
immer mehr Menschen aus Neustadt. Man geht davon aus, dass aus Neustadt,
etwa 170 Einzelpersonen und Familien auswanderten. Das mag nicht viel
erscheinen. Aber wenn man bedenkt, dass Neustadt nur ein kleines
Landstädtchen war, so ist das doch beträchtlich. In der 1902 in Detroit
erschienenen Festschrift wird festgestellt: Wenn man die Kinder der
eingewanderten Neustädter, die sich schon wieder verheiratet und Familie
haben, mitrechnet, dann ist die Einwohnerzahl der Neustädter in Detroit
beinahe größer, als in Neustadt selbst. Tatsächlich ist jede Neustädter
Familie dort vertreten."
Im Jahre 1930
konnte man den 100. Jahrestag der organisierten Ankunft der ersten
Neustädter in Detroit feiern. Es wurde eine noch umfangreichere Festschrift
erstellt und wieder die Geschichte der Einwanderer, die Kirchengeschichte
und auch die 400. Kirmes beschrieben.
Natürlich kamen
nicht nur Neustädter Bürger, sondern auch viele aus den umliegenden Orten,
wie auch aus der Nachbarstadt Stadtallendorf. Sie wählten Detroit als Ziel
oder nahmen sie als Zwischenstation auf dem weiteren Weg nach Westen.
Als die
Besiedelung weiter nach Westen vorrückte, zogen auch Bauern aus diesen Orten
nach Westen. Ebenfalls in den 1830er Jahren waren die ersten Westphalen nach
Zentral-Michigan gezogen und siedelten nördlich von Lansing. Die ersten
Stadtallendorfer folgten ihnen und man gründete den Ort Westphalia. Dort und
in Fowler siedelten in den Folge-Jahren noch etliche Stadtallendorfer Bauern.
Und so kommt es,
dass die Reisegruppe nicht nur Pfarrer Simon in Chicago besuchen möchte,
sondern das Land der Grossen Seen. Die ersten Tage will man in Chicago
verbringen und dann weiter durch Wisconsin bis Manitowoc reisen, mit der
Fähre über den Michigansee nach Ludington fahren. Dann geht es weiter über
Frankenmuth nach Niagara Falls. Ab dem 21. Juni will die Gruppe nach Detroit
kommen. Neben der Stadtbesichtigung und dortiger Kontakte möchte man auch
gerne den Weg, den die Siedler nach Westphalia gingen, nachvollziehen.
Die Reisegruppe
würde sich natürlich freuen, so viele Kontakte wie möglich zu bekommen. Man
reist zwar auf den Spuren der Auswanderer und ist so mit den Gedanken in der
Vergangenheit. Aber ebenso ist man doch sehr an dem Land, den Menschen von
heute interessiert. Gerade nach dem 11. September und den Ereignissen in
Nahost sind Gespräche zwischen den Völkern, zwischen den Menschen noch
wichtiger.
Wer mit der
Reisegruppe in Kontakt treten möchte, kann diese über das Pfarrhaus von
Father Richard Simon, St. Thomas of Canterbury Parish in Chicago unter Tel.:
773.878.5507 oder 773. 878.2114, erreichen.
Der Autor des
Artikels, Arnold Schmitt, ist Mitglied der Reisegruppe und kommt aus
Stadtallendorf, dem Nachbarort Neustadts in Hessen. |