30 June, 2008

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Nachtgedanken" - Der lange Schatten einer Diva

 

Nachtgedanken" von Marlene Dietrich - Tochter stellt Gedichte vor

Berlin (dpa) ­ In den schlaflosen, einsamen Nächten schrieb sie. Wenn weder Tabletten noch Scotch und Champagner sie müde machten, erinnerte sich Marlene Dietrich in kleinen Gedichten an ihre Liebhaber und Kollegen. Maria Riva veröffentlicht Gedichte ihrer übermächtigen Mutter Marlene Dietrich.

Dietrich-Tochter Maria Riva (81) hat die Texte 13 Jahre nach dem Tod der Diva unter dem Titel Nachtgedanken" (Verlag C. Bertelsmann) zur Veröffentlichung freigegeben.

Bis heute habe die 1992 gestorbene Schauspielerin, die ihr nie eine richtige Mutter gewesen sei, Macht über sie, sagte Riva bei der Buchvorstellung in Berlin. Sie schimpft mich immer noch aus!". Dietrich lebte die letzten 16 Jahre ihres Lebens zurückgezogen in Paris und verließ ihre Wohnung kaum noch.

Sie hatte es satt, 24 Stunden am Tag die Dietrich zu sein", so Riva. Die Nachtgedanken" über Jean Gabin, Erich Maria Remarque, Judy Garland, Maximilian Schell, Hildegard Knef oder Ernest Hemingway seien ursprünglich nicht für fremde Augen bestimmt gewesen, erzählt die aus Palm Springs angereiste Dietrich-Tochter.

Doch schon Ende der 80er Jahre hatte Marlene ihren Enkel Peter aufgefordert, daraus ein Buch zu machen: Ich brauche Geld!", so die Schauspielerin. Es war für Alkohol und Telefonrechnungen", erinnert sich Riva. Ihrer Familie erschienen Marlenes Aufzeichnungen damals aber zu unübersichtlich, jetzt hat Riva die Texte gesichtet und geordnet.

Die meist auf Englisch verfassten und von Reiner Pfleiderer sorgsam übersetzten Gedichte und Gedankengänge sind sehnsüchtige und schwärmerische Zeilen, in denen immer wieder Marlenes Einsamkeit und Melancholie zu spüren ist. Geh schlafen, damit dein rastloser Verstand nicht wieder Überstunden macht. Geh einfach schlafen, nimm Tabletten, nimm Liebe, wenn du welche kriegen kannst...", schreibt sie.

Die große Tragödie von Marlene Dietrich ist, dass sie nicht wusste, was richtige Liebe ist", sagt Riva. Bei Maximilian Schell entschuldigt sich Marlene, dass sie sich ihm gegenüber wie ein Miststück" verhalten hat. Hemingway ist für die liebeshungrige, nach Geborgenheit suchende Frau ihr persönlicher Fels von Gibraltar".

Zu lesen sind auch sehr besitzergreifende Texte über ihre Tochter Maria, die sie nach den Worten Rivas stets als ihr persönliches Eigentum angesehen hat. Sie hat gesagt: Ich habe dich gemacht. Dein Haar habe ich nicht so gut gemacht, es ist zu dünn, aber die Augen sind ganz gut!"", erzählt Riva. Meine Mutter war keine Mutter, ich hatte keine Mutter", sagt sie. Ich hatte eine Königin, einen Boss, einen Star - es gab Tausende von Dietrichs."

Der lange Schatten von Marlene fällt auch heute noch auf ihre Tochter:Ich gehöre ihr immer noch", sagt Riva halb amüsiert, halb nachdenklich. Ich glaube nicht, dass sie je tot sein wird." Tatsächlich denkt Riva bereits an ein weiteres Marlene-Dietrich Projekt: Ein Kochbuch, mit Originalrezepten der pflichtbewussten Preußin, die unter anderem Freunde wie Clark Gable, James Stewart und Jean Gabin mit Selbstgekochtem verwöhnte.

 

 

Last modified on:11/21/2005

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