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Berlin
(dpa) In den schlaflosen, einsamen Nächten
schrieb sie. Wenn weder Tabletten noch Scotch und Champagner sie müde
machten, erinnerte sich Marlene Dietrich in kleinen Gedichten an ihre
Liebhaber und Kollegen. Maria Riva veröffentlicht Gedichte ihrer
übermächtigen Mutter Marlene Dietrich.
Dietrich-Tochter
Maria Riva (81) hat die Texte 13 Jahre nach dem Tod der Diva unter dem Titel
Nachtgedanken" (Verlag C. Bertelsmann) zur Veröffentlichung freigegeben.
Bis heute habe die
1992 gestorbene Schauspielerin, die ihr nie eine richtige Mutter gewesen sei,
Macht über sie, sagte Riva bei der Buchvorstellung in Berlin. Sie schimpft
mich immer noch aus!". Dietrich lebte die letzten 16 Jahre ihres Lebens
zurückgezogen in Paris und verließ ihre Wohnung kaum noch.
Sie hatte es satt,
24 Stunden am Tag die Dietrich zu sein", so Riva. Die Nachtgedanken" über
Jean Gabin, Erich Maria Remarque, Judy Garland, Maximilian Schell, Hildegard
Knef oder Ernest Hemingway seien ursprünglich nicht für fremde Augen
bestimmt gewesen, erzählt die aus Palm Springs angereiste Dietrich-Tochter.
Doch schon Ende
der 80er Jahre hatte Marlene ihren Enkel Peter aufgefordert, daraus ein Buch
zu machen: Ich brauche Geld!", so die Schauspielerin. Es war für Alkohol und
Telefonrechnungen", erinnert sich Riva. Ihrer Familie erschienen Marlenes
Aufzeichnungen damals aber zu unübersichtlich, jetzt hat Riva die Texte
gesichtet und geordnet.
Die meist auf
Englisch verfassten und von Reiner Pfleiderer sorgsam übersetzten Gedichte
und Gedankengänge sind sehnsüchtige und schwärmerische Zeilen, in denen
immer wieder Marlenes Einsamkeit und Melancholie zu spüren ist. Geh schlafen,
damit dein rastloser Verstand nicht wieder Überstunden macht. Geh einfach
schlafen, nimm Tabletten, nimm Liebe, wenn du welche kriegen kannst...",
schreibt sie.
Die große Tragödie
von Marlene Dietrich ist, dass sie nicht wusste, was richtige Liebe ist",
sagt Riva. Bei Maximilian Schell entschuldigt sich Marlene, dass sie sich
ihm gegenüber wie ein Miststück" verhalten hat. Hemingway ist für die
liebeshungrige, nach Geborgenheit suchende Frau ihr persönlicher Fels von
Gibraltar".
Zu lesen sind auch
sehr besitzergreifende Texte über ihre Tochter Maria, die sie nach den
Worten Rivas stets als ihr persönliches Eigentum angesehen hat. Sie hat
gesagt: Ich habe dich gemacht. Dein Haar habe ich nicht so gut gemacht, es
ist zu dünn, aber die Augen sind ganz gut!"", erzählt Riva. Meine Mutter war
keine Mutter, ich hatte keine Mutter", sagt sie. Ich hatte eine Königin,
einen Boss, einen Star - es gab Tausende von Dietrichs."
Der lange Schatten
von Marlene fällt auch heute noch auf ihre Tochter:Ich gehöre ihr immer noch",
sagt Riva halb amüsiert, halb nachdenklich. Ich glaube nicht, dass sie je
tot sein wird." Tatsächlich denkt Riva bereits an ein weiteres
Marlene-Dietrich Projekt: Ein Kochbuch, mit Originalrezepten der
pflichtbewussten Preußin, die unter anderem Freunde wie Clark Gable, James
Stewart und Jean Gabin mit Selbstgekochtem verwöhnte. |