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Von Sabine Komm, dpa
Bremen (dpa) - Die Bremer
Kunsthalle hat jetzt das Geheimnis um ein bisher ungekanntes Ölgemälde des
norwegischen Malers Edvard Munch (1863-1944) gelüftet. Das im Stil des
Symbolismus gemalte Bild vom Ende des 19. Jahrhunderts spiegelt auf
eindringliche Weise Ängste der Pubertät. Drei Männerköpfe bedrängen ein
nacktes Mädchen. Das Werk ist ein wunderbares neues Bild der Menschheit",
sagte Museumsdirektor Wulf Herzogenrath. Die überraschende Entdeckung des
Bildes unter dem bereits im Besitz der Kunsthalle befindlichen Munch-
Gemälde Die tote Mutter" sei eine Sensation.
Ein feistes orangefarbiges Gesicht und zwei weitere Männerköpfe tanzen wie
Masken vor dem schüchtern in sich zusammen gesunkenen Mädchen. Hände aus dem
Nichts bedrohen es. Nach Ansicht von Kunsthallen-Kuratorin Barbara Nierhoff
gibt es für die Interpretation zahlreiche Anhaltspunkte. Das Gemälde
Pubertät" von 1893 aus dem Besitz des Munch-Museum Oslo beispielsweise zeigt
ebenfalls, wie ein nacktes Mädchen von einer Schattengestalt bedrängt wird.
In
Munchs Werk Begierde" von 1898 beugen sich drei Fratzen über den nackten
Körper eines liegenden Mädchens. An der Echtheit des Bremer Munch-Werkes sei
somit weder inhaltlich noch stilistisch zu zweifeln, betonte Nierhoff. Das
90 mal 100 Zentimeter große Ölgemälde entstand nach Ansicht der Experten um
1898. Das namenlose Werk erhielt jetzt den Titel Mädchen und drei
Männerköpfe".
Anlässlich eines geplanten Werkverzeichnisses hatte das Munch- Museum Oslo
internationale Kollegen um Mithilfe gebeten. Aus diesem Anlass hatte eine
Restauratorin der Kunsthalle das hauseigene Gemälde Die tote Mutter"
ausgerahmt und die zweite bemalte Leinwand entdeckt. Ob der Norweger das
eine Bild dem anderen geopfert habe, weil er dringend einen Keilrahmen
brauchte oder weil ihn das Thema Pubertät" nicht weiter interessierte, sei
noch nicht erforscht, hieß es. Generell soll Munch aber mit seinen Werken
ziemlich roh" umgegangen sein.
Die Menschheit hat zwei Munch-Bilder verloren, die bis jetzt immer noch
nicht wieder aufgetaucht sind, und die Menschheit hat jetzt ein neues
Gemälde durch die wissenschaftliche Forschung der Museen gewonnen", sagte
Herzogenrath mit Blick auf den Überfall auf das Osloer Museum im August
2004. Damals wurde zwei Munch-Werke geraubt, darunter sein wohl berühmtestes,
Der Schrei". Vor diesem Hintergrund bezeichneten auch die Osloer Kollegen
den Bremer Zufallsfund als kleine Sensation". Besucher können das neue und
das alte Munch-Werk ab sofort drei Monate lang im Beckmann-Saal der
Kunsthalle Bremen besichtigen. |