|
Innsbruck/Wien (dpa) - Ein
Zehenknochen und drei weitere Gewebeproben hatte Reinhold Messner im
Rucksack aus Pakistan nach Österreich geschmuggelt. Eine DNA-Untersuchung
des Gewebes sollte den Streit um den Tod von Günther Messner vor 35 Jahren
am Nanga Parbat ein für alle Mal beenden. Doch die Hoffnung Reinhold
Messners war wohl trügerisch: Der seit vier Jahren mit fast hemmungsloser
Schärfe ausgetragene, öffentliche Kleinkrieg zwischen ihm und seinen
ehemaligen Bergkameraden dürfte auch nach dem Gewebetest am
Gerichtsmedizinischen Institut in Innsbruck weitergehen.
Zwar wurde durch das am Freitag veröffentlichte Testergebnis bewiesen, dass
es sich bei der Gletscherleiche, die Pakistanis Mitte Juli auf rund 4600
Meter Höhe auf dem 8125 Meter hohen Schicksalsberg der Deutschen" fanden,
eindeutig um Messners Bruder handelt. Doch die genauen Umstände seines Todes
werden dadurch nicht geklärt.
Meine Geschichte ist endlich bewiesen", bekräftigte ein erleichterter
Reinhold Messner (61) auf einer Pressekonferenz in Innsbruck am Freitag.
Durch den Fundort am Fuß der Diamir-Wand werde seine Version bestätigt, dass
er nach der erfolgreichen Bezwingung des Gipfels im Juni 1970 auch gemeinsam
mit seinem Bruder abgestiegen sei. Doch seine ehemaligen Expeditionskollegen
und inzwischen erbitterten Gegner sehen das ganz anders. Die DNA-Untersuchung
macht keine Aussage über die Umstände des Todes (von Günther Messner)",
meinte etwa Gerhard Baur am Freitag. Damit ist nichts aus der Welt, die
Zusammenhänge sind zu komplex." Noch kritischer ist Ulrike Völkmann,
Lektorin von Messners Ex-Kameraden Hans Saler, der heute zu den schärfsten
Kritikern des erfolgreichen Extrembergsteigers gehört. Messners Äußerungen
seien unseriös und nicht haltbar", meint sie.
Der zu einem offenen Wortkrieg zwischen Messner und seinen Ex- Kameraden
ausgeartete Streit über den Tod Günthers wird seit vier Jahren mit einer für
außen stehende kaum verständlichen Verbitterung geführt. Immer wieder warf
Messner seinen Ex-Kollegen Rufmord" vor, weil sie seine Version des
Bergunfalls anzweifeln. Und die österreichische Illustrierte News" zitierte
ihn gar mit den Worten: Was sie mir angetan haben, ist wie das, was die
Deutschen den Juden während des Zweiten Weltkriegs angetan haben." Dazu Baur
am Freitag: Wer so was sagt, muss krank sein!"
Was Ende Juni wirklich auf dem Nanga Parbat zwischen Messner und seinem
damals 24-jährigen Bruder geschah, lässt sich von keiner Seite beweisen.
Sicher ist nur, dass Günther am 27. Juni dem allein zum Gipfel
aufgebrochenen Reinhold spontan nachstieg. Er holte ihn ein und beide
erreichten den Gipfel. Was danach geschah ist bisher durch Fakten nicht zu
belegen. Nach Messners Schilderung stiegen die Brüder wegen des schlechten
Gesundheitszustands Günthers über die weniger steile, aber unerforschte
Diamir-Seite des Bergs ab. Irgendwann auf dem Weg zurück wurde der hinter
ihm gehende Günther dann laut Bruder Reinhold wohl von einer Eislawine
getroffen und stürzte in den Tod. Messner trifft sechs Tage nach Beginn des
Aufstiegs wieder bei seiner Expedition ein. Kameraden werfen ihm allerdings
vor, den Bruder allein am Berg gelassen zu haben.
Schon bald nach dem Unfall kommt es zu schweren Auseinandersetzungen.
Messner wirft den Kollegen vor, ihm am Berg nicht zu Hilfe gekommen zu sein.
Es kommt zu 14 Prozessen, die Messner verliert. Doch 30 Jahre danach bricht
der Streit wieder auf, als Messner seine Vorwürfe bei der Vorstellung eines
Buchs Der nackte Berg" über die damalige Expedition wiederholt. Seine
Kollegen Hans Saler und Max von Kienlin kontern und veröffentlichen 2003
ihre Version der Ereignisse.
Messner vermutet hinter den Aussagen der anderen Expeditionsmitglieder Neid"
als Motiv: Wer die höchste Wand der Welt durchstiegen hat, muss als
Bergsteiger also die meiste Niedertracht ertragen", schreibt er. Er nennt
die Ex-Kameraden Rufmörder", die psychische Folter" ausübten. Er habe
seinerzeit unter Lebensgefahr versucht, seinen Bruder heil vom Berg zu holen.
Seine Expeditionskollegen wiederum bestreiten, Messner verunglimpft zu haben.
Gerhard Baur: Niemand hat ihm je einen Vorwurf gemacht. Wir waren damals
alle ehrgeizige, draufgängerische Bergsteiger." |