06 October, 2008

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Nach fast 3000 Jahren: Mediziner wollen Moorleiche ein Gesicht geben

Hamburg (dpa) - Etwa 2650 Jahre Jahre nach ihrem Tod im Uchter Moor wollen Hamburger Rechtsmediziner der niedersächsischen Moorleiche Moora" ein Gesicht geben. Das ist unser Hamburger Ötzi- Fall", sagte Professor Klaus Püschel am Freitag. Erste Untersuchungen am Institut für Rechtmedizin des Universitätskrankenhauses Hamburg- Eppendorf (UKE) ergaben, dass das zierliche Mädchen etwa 1,50 Meter groß war. Der Zustand der Knochen deute darauf hin, dass es zwischen 16 und 19 Jahre alt war, als es im Uchter Moor versank. In ihrem kurzen Leben hatte Moora" mehrere Hungersnöte durchlitten.

Die Moorleiche war beim Torfabbau im Kreis Nienburg entdeckt worden. Als vor Jahren erste Knochenteile gefunden wurden, war die Polizei zunächst von einem Verbrechen ausgegangen. Die Staatsanwaltschaft hatte die Hamburger Rechtsmediziner beauftragt zu untersuchen, ob es sich bei der Toten um eine seit etwa 30 Jahren in der Gegend vermisste 16-Jährige handelt. Das war für die Gerichtsmedizin der Super-Gau, dass es dann eine fast 3000 Jahre alte Leiche war", meinte Püschel.

Zur Todesursache des Mädchens aus dem Moor könne man noch keine Angaben machen, das wäre reine Spekulation". Allerdings habe man in seinem Institut jeden Knochen einzeln in die Hand genommen" und geröntgt, ohne äußerliche Verletzungen festzustellen. Püschel: Gewalteinwirkung gab es nur durch die Torfstichmaschine." Dass keine Reste von Mooras" Bekleidung gefunden wurde, könne daran liegen, dass das Leinengewebe im Moor komplett verrottet ist.

Für insgesamt zwei Wochen sollen Mooras" Überreste in Hamburg untersucht werden. An diesem Montag soll die Moorleiche im Rahmen eines internationalen Kongresses am UKE Rechtmedizinern aus aller Welt präsentiert werden. Wir erhoffen uns von den Kollegen Vorschläge für weitere Spezialunter-suchungen", meinte der Professor. Noch im September reist die Leiche zurück nach Niedersachsen. Erst nach der Auswertung zahlreicher weiterer Untersuchungsdaten könne frühestens im kommenden Jahr mit der plastischen Rekonstruktion des Kopfes begonnen werden, sagte Püschel. Wir wollen dem Mädchen ein Gesicht geben."

Niedersachsens Landesarchäologe Henning Haußmann sagte am Freitag in Hamburg, mit der unglaublich gut erhaltenen Leiche" sei eine Zeitkapsel" ausgegraben worden. Da in der vorrömischen Eisenzeit Feuerbestattungen üblich waren, biete der Fund die Chance zu einem einzigartigen Blick in die Zeit um 650 vor Christus. Die Moorleiche soll später wahrscheinlich im Niedersächsischen Landesmuseum in Hannover ausgestellt werden. Moora" soll dann neben dem Roten Franz" liegen, einem Moor-Mann aus dem Emsland.

Ötzi" wird eine mehr als 5000 Jahre alte Gletschermumie genannt, die im Ötztal gefunden wurde und heute in einem Museum in Bozen (Italien) die Besucher fasziniert.

 

Journalisten schauen sich in Hamburg die 2650 Jahre alten sterblichen Überreste eines Mädchens an, das im Uchter Moor in Niedersachsen gefunden wurde. Hamburger Rechtsmediziner wollen der niedersächsischen Moorleiche Moora" ein Gesicht geben.

 

 

Last modified on:09/19/2005

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