|
Göppingen (dpa) - Das Storchenbein"
hat beim größten Kunstraub in der Geschichte des Blechspielzeugs seine
hintere Achse eingebüßt. Doch die erste Lokomotive der Modellbahngeschichte
ist zumindest zurück im Märklin-Museum in Göppingen (Baden-Württemberg) -
und mit ihr der Großteil der historischen Exponate. Auch die Diebesbande ist
gefasst. Von diesem Mittwoch an können die Besucher die 180
Ausstellungsstücke im Wert von 1,5 Millionen Euro wieder sehen - mit allen
ihren Schäden. Wie wir Menschen muss jetzt auch jedes Stück die Narben
seines Lebens mit sich tragen", sagte Märklin-Vorsitzender Paul Adams am
Dienstag bei der Enthüllung der Exponate.
Extrem beschädigte Miniaturen will das Unternehmen nach und nach
restaurieren. Das ist aber auch eine Frage des Geldes", erläutert
Märklin-Pressesprecher Roland Gaugele. Nach ersten Schätzungen werden die
Schäden an den Modellen Hunderttausende Euro kosten. Fast alle Autos,
Schiffe, Dampfmaschinen und Züge, die in Diebeshand waren, haben tiefe
Kratzer und Lackschäden. Bei einigen Exponaten sind Bauteile angebrochen -
wenn sie nicht ganz fehlen.
Den Einbruch hatten die Diebe sorgsam vorbereitet. Über Tage spähten sie das
Museum aus, besprühten Bewegungsmelder mit Bauschaum und setzten
Alarmsysteme außer Betrieb. Wie Gaugele weiter erklärt, fanden die
Einbrecher an der Fluchttür einen Schwachpunkt und räumten am Morgen des 18.
Januar seelenruhig den halben Ausstellungsraum in einen Lastwagen. Das
Unternehmen hat nun ein hochwertigeres Schutzsystem eingerichtet.
Der Hausmeister hatte die 20 ausgeräumten Museums-Vitrinen als erster
entdeckt. Akribische Spurensicherung und ein Aufruf in der Fernseh-Sendung
Aktenzeichen XY" halfen wenig. Statt Fahndungserfolgen brachte die
Öffentlichkeitsarbeit zunächst nur Anteilnahme. Zahlreiche Briefe gingen bei
der Unternehmensleitung ein, ein Märklin-Fan spendete sogar 30 Euro. Als
Beitrag zum Wiederaufbau der Ausstellung", erinnert sich Adams.
Eine erste Spur fand das österreichische Bundeskriminalamt im März. In Wien
wurde eine wertvolle Modellbau-Sammlung angeboten", erzählt Gaugele. Der
Rest war wie im Drehbuch". Telefonischer Kontakt, ein schwarzer Mercedes
fuhr vor, fingierte Geldübergabe, die Falle schnappte zu. Verhängnis der
Verbrecher war, dass sie viele handgefertigte Einzelstücke eingepackt hatten.
Die waren leicht zu identifizieren."
Wählerisch waren die Einbrecher bei ihrem Raubzug nicht gewesen. Nur wenige
Meter neben den aufgebrochenen Vitrinen stand eine mit Rubinen verzierte
Lokomotive aus Platin und Gold in der Auslage. Daneben: ein Paar weißer
Handschuhe. Weder am Ausstellungsstück noch an dem Stoff, der Spuren hätte
vermeiden können, waren die Diebe interessiert. Dafür packten sie einen
Spur-Null-Zug von Henschel- Wegmann ein. Das etwa ein Meter lange Gespann
aus Lok und drei Waggons hatte alleine einen Wert von 250000 Euro. Dem
sorglosen Umgang mit der Beute nach zu urteilen waren die Diebe jedoch keine
Kenner.
Zwei der sieben mutmaßlichen Verbrecher flüchteten mit etwa 40 gestohlenen
Modellen nach Italien. Doch bei dem Versuch, nach Slowenien zu entkommen,
seien auch sie von der Polizei festgenommen worden, sagt Gaugele. Vor allem
Schiffsmodelle aus dem Göppinger Museum hatte das Duo im Gepäck. Nur die
Auslieferung von Italien nach Deutschland gestalte sich noch etwas schwierig.
Bis ein Richter geklärt hat, ob das Diebesgut auch wirklich Märklin gehört,
weigerten sich die Italiener die Miniaturen auszuliefern. Wir haben bis zur
letzten Minute auf die Modelle gehofft", sagt der Märklin- Vorsitzende. Aber
in Italien mahlen die Mühlen des Gesetzes immer noch." |