30 June, 2008

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Märklin-Modelle wieder im Museum - Diebstahl-Krimi wie im Drehbuch

Göppingen (dpa) - Das Storchenbein" hat beim größten Kunstraub in der Geschichte des Blechspielzeugs seine hintere Achse eingebüßt. Doch die erste Lokomotive der Modellbahngeschichte ist zumindest zurück im Märklin-Museum in Göppingen (Baden-Württemberg) - und mit ihr der Großteil der historischen Exponate. Auch die Diebesbande ist gefasst. Von diesem Mittwoch an können die Besucher die 180 Ausstellungsstücke im Wert von 1,5 Millionen Euro wieder sehen - mit allen ihren Schäden. Wie wir Menschen muss jetzt auch jedes Stück die Narben seines Lebens mit sich tragen", sagte Märklin-Vorsitzender Paul Adams am Dienstag bei der Enthüllung der Exponate.

Extrem beschädigte Miniaturen will das Unternehmen nach und nach restaurieren. Das ist aber auch eine Frage des Geldes", erläutert Märklin-Pressesprecher Roland Gaugele. Nach ersten Schätzungen werden die Schäden an den Modellen Hunderttausende Euro kosten. Fast alle Autos, Schiffe, Dampfmaschinen und Züge, die in Diebeshand waren, haben tiefe Kratzer und Lackschäden. Bei einigen Exponaten sind Bauteile angebrochen - wenn sie nicht ganz fehlen.

Den Einbruch hatten die Diebe sorgsam vorbereitet. Über Tage spähten sie das Museum aus, besprühten Bewegungsmelder mit Bauschaum und setzten Alarmsysteme außer Betrieb. Wie Gaugele weiter erklärt, fanden die Einbrecher an der Fluchttür einen Schwachpunkt und räumten am Morgen des 18. Januar seelenruhig den halben Ausstellungsraum in einen Lastwagen. Das Unternehmen hat nun ein hochwertigeres Schutzsystem eingerichtet.

Der Hausmeister hatte die 20 ausgeräumten Museums-Vitrinen als erster entdeckt. Akribische Spurensicherung und ein Aufruf in der Fernseh-Sendung Aktenzeichen XY" halfen wenig. Statt Fahndungserfolgen brachte die Öffentlichkeitsarbeit zunächst nur Anteilnahme. Zahlreiche Briefe gingen bei der Unternehmensleitung ein, ein Märklin-Fan spendete sogar 30 Euro. Als Beitrag zum Wiederaufbau der Ausstellung", erinnert sich Adams.

Eine erste Spur fand das österreichische Bundeskriminalamt im März. In Wien wurde eine wertvolle Modellbau-Sammlung angeboten", erzählt Gaugele. Der Rest war wie im Drehbuch". Telefonischer Kontakt, ein schwarzer Mercedes fuhr vor, fingierte Geldübergabe, die Falle schnappte zu. Verhängnis der Verbrecher war, dass sie viele handgefertigte Einzelstücke eingepackt hatten. Die waren leicht zu identifizieren."

Wählerisch waren die Einbrecher bei ihrem Raubzug nicht gewesen. Nur wenige Meter neben den aufgebrochenen Vitrinen stand eine mit Rubinen verzierte Lokomotive aus Platin und Gold in der Auslage. Daneben: ein Paar weißer Handschuhe. Weder am Ausstellungsstück noch an dem Stoff, der Spuren hätte vermeiden können, waren die Diebe interessiert. Dafür packten sie einen Spur-Null-Zug von Henschel- Wegmann ein. Das etwa ein Meter lange Gespann aus Lok und drei Waggons hatte alleine einen Wert von 250000 Euro. Dem sorglosen Umgang mit der Beute nach zu urteilen waren die Diebe jedoch keine Kenner.

Zwei der sieben mutmaßlichen Verbrecher flüchteten mit etwa 40 gestohlenen Modellen nach Italien. Doch bei dem Versuch, nach Slowenien zu entkommen, seien auch sie von der Polizei festgenommen worden, sagt Gaugele. Vor allem Schiffsmodelle aus dem Göppinger Museum hatte das Duo im Gepäck. Nur die Auslieferung von Italien nach Deutschland gestalte sich noch etwas schwierig. Bis ein Richter geklärt hat, ob das Diebesgut auch wirklich Märklin gehört, weigerten sich die Italiener die Miniaturen auszuliefern. Wir haben bis zur letzten Minute auf die Modelle gehofft", sagt der Märklin- Vorsitzende. Aber in Italien mahlen die Mühlen des Gesetzes immer noch."

Ein Mitarbeiter des Modelleisenbahnherstellers Märklin betrachtet im Museum des Unternehmens in Göppingen das so genannte Storchenbein. Das Exponat wurde am 18. Januar mit anderen wertvollen Modellen im Wert von rund 1,5 Millionen Euro aus dem Museum gestohlen. Nach den Fahndungserfolgen der Polizei sind die Modelle wieder in dem Museum zu sehen.

 

 

Last modified on:06/01/2005

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