06 October, 2008

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Der gepflegte Mann

Immer mehr Herren geben hohe Summen für die Gesichtspflege aus. Die Branche verbucht zweistellige Zuwachsraten.

Hamburg - Bin ich noch attraktiv? Die meisten Männer mögen sich diese Frage schon vor 20 Jahren beim morgendlichen Blick in den Spiegel gestellt haben. Doch während damals als Antwort allenfalls der Griff in die große, blaue Nivea-Dose folgte, helfen heute immer mehr Herren der Natur mit allerlei Anti-Falten-Cremes, Feuchtigkeitsgels oder einer speziellen Anti-Hautalterungspflege auf die Sprünge. Laut ACNielsen sind allein die Erlöse mit Gesichtspflegeprodukten im ersten Quartal dieses Jahres um 13 Prozent gestiegen, 2004 war es ein Plus von 7,2 Prozent. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 602 Millionen Euro mit Aftershaves, Deomitteln Shampoos und Cremes für Herren in Deutschland umgesetzt. Immer mehr Männer legen heute Wert auf ein gepflegtes Aussehen", sagt der Deutschland-Chef von L'Oréal Paris, Kenneth Campbell, dem Abendblatt. Das größte Potential eröffnet sich dabei in der Gesichtspflege." Aus diesem Grund hat der französische Kosmetikriese gerade eine neue Pflegeserie namens men expert" aufgelegt. Die Produkte von der Anti-Nachtfettung- über Anti-Müdigkeits- bis hin zur Anti-Mimik-Falten-Creme sind dabei bewußt sachlich gehalten und mit kleinen erklärenden Logos versehen, die auf den ersten Blick wie Kontrolllampen auf dem Armaturenbrett eines Autos wirken. Eine klare, lösungsorientierte Ansprache", nennt das L'Oréal-Paris-Chef Campbell. Im Vergleich zum deutschen Gesamtmarkt von 3,8 Milliarden Euro nimmt sich das Männergeschäft zwar noch recht bescheiden aus, doch was die Industrie begeistert, ist vor allem das Potential, das in der Herrenkosmetik steckt. Nach den Daten der Marktforschungsgesellschaft Euromonitor sind die globalen Umsätze für entsprechende Produkte seit dem Jahr 2000 um 21,7 Prozent auf 13,3 Milliarden Euro angewachsen. Prognostiziert werden bis 2008 jährliche Zuwachsraten von 19 Prozent. Im Beruf werden auch Männer heute immer stärker nach dem Aussehen beurteilt", sagt Wibke Fleischer, Trendforscherin im Hamburger Trendbüro. Sie machen die Erfahrung, daß schütteres Haar und tiefe Ringe unter den Augen in Vorstellungsgesprächen nicht unbedingt den besten Eindruck hinterlassen." Im Auftrag der ebenfalls zum L'Oréal-Konzern zählenden Marke Biotherm Homme hat Fleischer das aktuelle Pflegeverhalten des starken Geschlechts analysiert. Bedienten sich viele Herren früher auch schon mal bei den Cremes der Freundin oder Ehefrau, werden heute eigene Spezialprodukte gewünscht." Was der Kosmetikindustrie in die Hände spielt, ist die zunehmende Bedeutung des Sports in der Gesellschaft. Wer viel Sport treibt, achtet auch sonst stark auf sein Äußeres", so Fleischer. Den neuen Typ Mann beschreibt sie als den Cosmosportiven": sportlich, weltoffen, selbtbewußt männlich und gepflegt. Beispiele sind laut Studie Typen wie der Schwimmer Thomas Rupprath, Schauspieler Jude Law oder auch der Rennfahrer Kimi Räikkönen. Das neue Männerbild soll das des Metrosexuellen" ablösen, das vor einigen Jahren durch die Medien geisterte, sich laut Fleischer aber als Hirngespinst der Werber erwies. Der metrosexuelle Typ war selbst vielen Frauen zu weiblich und Fußballstar David Beckham, der immer wieder als Beispiel bemüht wurde, war eigentlich der einzige Vertreter." Die Herrenkosmetik als Wachstumsmarkt hat auch der Hamburger Nivea-Hersteller Beiersdorf für sich entdeckt. Fast die Hälfte aller Männer in Deutschland verwendet bereits heute Produkte aus der Serie Nivea for Men. Die gute Ausgangsposition nutzen die Hamburger, um Produkte wie die Gesichtscreme Q10 weiter bekannt zu machen, die eine Regeneration der Haut verspricht und diese vor Elastizitätsverlust schützen soll. Jeder, der aus der Pubertät raus ist, gehört praktisch schon zu unserer Zielgruppe", sagt Beiersdorf-Sprecher Klaus-Peter Nebel kürzlich. Nachdem spezielle Produkte für die Gesichtspflege 2002 eingeführt wurden, wuchs das Segment in darauffolgenden Jahr um 27 Prozent und 2004 nochmal um 13,5 Prozent. Weltweit liegt der Umsatz mit Männerprodukten von Beiersdorf bei 300 Millionen Euro, in Deutschland sind es 65 Millionen. Bei der Entwicklung ihrer Produkte achten die Firma wie Konkurrent L'Oréal peinlich auf ein praktisches Design. Männer wollen keinen Schnickschnack", sagt Nebel. Eine Cremedose müsse gut in der großen, starken Männerhand" liegen, sonst werde sie nicht akzeptiert. Trotz aller Bemühungen der Industrie gibt es allerdings Produkte, die wohl nie eine breite Akzeptanz bei Männern finden werden. Die Nichtverwenderquote von dekorativer Kosmetik wie Wimperntusche liegt derzeit bei 99 Prozent, ebenso die von Gesichtsmasken, die von Peeling-Produkten bei 96 Prozent. Und auch bei den Anti-Falten-Cremes ist sich Trendforscherin Fleischer nicht sicher, ob sich diese als Renner erweisen werden. Männer lieben ihre Falten einfach mehr als die Frauen." Bob Geisler

Produkte aus der Serie ,Nivea for Men'

 

 

Last modified on:06/28/2005

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