06 October, 2008

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Ludwig Ganghofer - Poet der Idylle

Von Nikolaus Dominik, dpa

Kaufbeuren/Augsburg (dpa) - Ludwig Ganghofer, vor 150 Jahren in Kaufbeuren geboren, gilt als der Vorzeige-Heimatschriftsteller des bayerischen Alpenraums. Zwei Titel seiner millionenfach verkauften Werke sind noch immer Allgemeingut der Unterhaltungsliteratur: Das Schweigen im Walde" und Der Herrgottschnitzer vom Ammersee". Ganghofer gehört mit einer Gesamtauflage von fast 40 Millionen Büchern nach wie vor zu den meistgelesenen deutschen Schriftstellern. Den deutschen Heimatfilm gäbe es ohne Ganghofer nicht. Rund 50 derartiger Streifen wurden nach seinen Romanvorlagen gedreht.

Am 7. Juli 1855 wurde Ludwig Ganghofer als Sohn eines Försters in Kaufbeuren geboren. Dies ist für die Stadt Anlass für eine große Ganghofer-Ausstellung, die bis Anfang November zu sehen ist. Doch Ganghofer lebte nur fünf Jahre im Allgäu, bevor er mit seiner Familie nach Welden bei Augsburg zog. Ein biografisches Detail verbindet ihn mit Bert Brecht. Wegen des Besuches einer verbotenen Theateraufführung flog Ganghofer vom Augsburger Realgymnasium, derselben Schule, von der vier Jahrzehnte später auch Brecht verstoßen werden sollte. Dennoch konnte Ganghofer 1873 das Abitur machen, studierte Literaturgeschichte und Philosophie in München und Berlin. 1879 promovierte er in Leipzig.

Die beiden Ludwigs" werden oft in einem Zug genannt: Ludwig Thoma und Ludwig Ganghofer. Beide sind im Friedhof von Rottach-Egern beerdigt. Schon zu Lebzeiten hatten die Dichterfreunde ihre Grabstätten ausgesucht.

Ganghofer gilt bis heute als sentimentaler Heimatdichter, ganze Generationen wuchsen mit den Romanen Edelweißkönig", Schloss Hubertus", Waldrausch" oder Der Jäger von Fall" auf. Und wer die Bücher nicht gelesen hat, der kennt den einen oder anderen Heimatfilm mit der Verklärung des Försterberufs in einer idyllischen Alpenwelt.

Weit weniger bekannt ist, dass Ganghofer ein Förderer von Karl Valentin und Rainer Maria Rilke war, dass Hugo von Hofmannsthal, Frank Wedekind, Johannes Brahms und der Maler August Kaulbach zu seinem Freundeskreis zählten, und dass er Dramaturg am Wiener Ringtheater war. Kaiser Wilhelm II. bekannte sich öffentlich zu seinem Lieblingsschriftsteller" Ganghofer. Diese Nähe zum Herr-scherhaus schlug sich bei Ganghofer im Ersten Weltkrieg in einer befürwortenden Kriegsberichter-stattung nieder, die auf das Ansehen des Dichters einen Schatten wirft.

Ganghofer war leidenschaftlicher Jäger und zog sich häufig in sein Waldhaus im Gaistal am Wetterstein zurück. Er stand politisch dem preußischen Konservatismus nahe und war ein absoluter Verfechter eines monarchischen Staates. Obwohl es ihm in seinen Romanen immer wieder gelingt, das Schicksal einzelner kleiner Leute oder Bauern sensibel zu beschreiben, bleiben die Figuren stets der Ordnung und dem Obrigkeitsstaat verpflichtet.

Ganghofers Einstellung zur Religion war protestantisch geprägt, der katholischen Kirche stand er skeptisch gegenüber. Als Literat, Künstler, Journalist, Jäger und Naturfreund war er in seinem Leben und Werk stets ein Anwalt der bürgerlichen Idylle", der seine Kindheitsprägung im Forsthaus zu Welden zum Lebensinhalt machte. Am 24. Juli 1920 starb er am Tegernsee.

150 Jahre nach seiner Geburt gibt es nun eine Ehrung, die ihm sicherlich gefallen hätte: Eine Brauerei in Kaufbeuren bringt zu den Jubiläumsfeiern ein Ganghofer- Bier auf den Markt, das Ganghofer Zwickel dunkel".

Das Geburtshaus des Schriftstellers Ludwig Ganghofer in der Altstadt von Kaufbeuren/Ostallgäu

 

 

Last modified on:06/06/2005

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