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Bremerhaven/Wiesbaden (dpa) -
Äußerlich ist die neue Pride of America" der Norwegian Cruise Line (NCL) ein
Kreuzfahrtschiff wie viele andere.
Ihr hoher Aufbau weist sie als Kreuzfahrtschiff moderner Bauart aus, bei der
Effizienz vor Eleganz rangiert. Eingesetzt werden soll sie künftig in den
Gewässern rund um Hawaii. Ungewöhnlicher schon erscheint die US-amerikanische
Beflaggung. Mit diesem Hoheitszeichen ist seit 50 Jahren kein Neubau mehr in
See gestochen. Doch das Ungewöhnlichste an ihr ist dem Blick entzogen: die
verwickelte Entstehungsgeschichte.
Zeitplan
und Kostenrahmen hoffnungslos überschritten
Selten war der Bau eines Kreuzfahrtschiffes von solchen Rückschlägen
begleitet wie bei der Pride of America". Ursprünglich hatte sie die Reederei
American Classic Voyages im Jahr 1999 bei einer Werft am Mississippi auf
Kiel legen lassen. Doch schon bald waren Zeitplan und Kostenrahmen
hoffnungslos überschritten.
Als die Anschläge des 11. September 2001 den Tourismus in den USA
vorübergehend lahm legten, waren die Reederei-Reserven erschöpft. Sie musste
Konkurs anmelden. Die NCL erwarb den Rohbau und beauftragte die Lloyd Werft
in Bremerhaven mit der Fertigstellung. Die ist zwar mangels eigener
Stahlproduktion daran gewöhnt, sich Rümpfe zuliefern zu lassen. Da wir aber
mit der ursprünglichen Planung nichts zu tun hatten, war die Pride of
America" das schwierigste Projekt, das wir je übernommen haben", sagt Werner
Lüken, Geschäftsführer der Werft.
Auf Grund
gelaufen
Es
sollte noch schwieriger werden: In der Nacht zum 14. Januar 2004 sank das
Schiff während eines Orkans an der Ausrüstungspier - ein Unfall, der auch
wegen seiner Symbolkraft Aufsehen erregte. Schließlich handelte es sich um
die Pride of America" - und die deutsch-amerikanischen Beziehungen waren
schon während des Irakkrieges auf Grund gelaufen. Für die Lloyd Werft hatte
die Havarie dramatische Folgen: Sie musste wegen des nicht mehr
einzuhaltenden Ablieferungstermins Insolvenz anmelden.
Doch Werft, Reederei und Versicherer einigten sich, das Schiff weiterzubauen.
Nun ist die Pride of America" fertig, Lloyd sieht einem Neustart nach dem
Abschluss des Insolvenzverfahrens entgegen. Doch die Pannengeschichte ist
damit noch nicht zu Ende. Eigentlich sollte das neue Schiff am 4. und 5.
Juni in Bremerhaven und später noch einmal in Dover einigen hundert
geladenen Gästen vorgestellt werden. Beide Termine wurden jedoch gestrichen.
Das Schiff werde nun direkt nach New York überführt, wo es am 15. Juni
ankommen soll, heißt es bei NCL mit Sitz in Wiesbaden.
Alles
Material, jeder Mensch wird überprüft"
Die Gründe für die Absage sind komplex. Zum einen hinkte wohl die Reederei
ein wenig hinter dem Zeitplan hinterher. Zum anderen fordert die
amerikanische Beflaggung des Schiffes ihren Tribut. Sie erlaubt es NCL, rund
um die hawaiianischen Inseln zu kreuzen, ohne einen Abstecher in einen
ausländischen Hafen einzulegen.
Andererseits muss auch amerikanisches Personal eingesetzt werden. Dem fehlt
es mangels Kreuzfahrt-Tradition an Erfahrung, was zusätzliche
Trainingseinheiten in der Nordsee erforderlich macht. Hinzu kommen
Sicherheitsauflagen der US-amerikanischen Behörden. Alles Material, jeder
Mensch wird überprüft", stöhnt Werftchef Lüken, und das schon seit Wochen."
Am
23. Juli lief die Pride of America" zur ersten Kreuzfahrt in nach Hawaii aus
und bescherte bis zu 2146 Passagieren sorgenfreie Tage - auch wenn sie
selbst ein rechtes Sorgenkind war. |