30 June, 2008

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Der Leidensweg der Pride of America

Bremerhaven/Wiesbaden (dpa) - Äußerlich ist die neue Pride of America" der Norwegian Cruise Line (NCL) ein Kreuzfahrtschiff wie viele andere.

Ihr hoher Aufbau weist sie als Kreuzfahrtschiff moderner Bauart aus, bei der Effizienz vor Eleganz rangiert. Eingesetzt werden soll sie künftig in den Gewässern rund um Hawaii. Ungewöhnlicher schon erscheint die US-amerikanische Beflaggung. Mit diesem Hoheitszeichen ist seit 50 Jahren kein Neubau mehr in See gestochen. Doch das Ungewöhnlichste an ihr ist dem Blick entzogen: die verwickelte Entstehungsgeschichte.

 

Zeitplan und Kostenrahmen hoffnungslos überschritten

Selten war der Bau eines Kreuzfahrtschiffes von solchen Rückschlägen begleitet wie bei der Pride of America". Ursprünglich hatte sie die Reederei American Classic Voyages im Jahr 1999 bei einer Werft am Mississippi auf Kiel legen lassen. Doch schon bald waren Zeitplan und Kostenrahmen hoffnungslos überschritten.

Als die Anschläge des 11. September 2001 den Tourismus in den USA vorübergehend lahm legten, waren die Reederei-Reserven erschöpft. Sie musste Konkurs anmelden. Die NCL erwarb den Rohbau und beauftragte die Lloyd Werft in Bremerhaven mit der Fertigstellung. Die ist zwar mangels eigener Stahlproduktion daran gewöhnt, sich Rümpfe zuliefern zu lassen. Da wir aber mit der ursprünglichen Planung nichts zu tun hatten, war die Pride of America" das schwierigste Projekt, das wir je übernommen haben", sagt Werner Lüken, Geschäftsführer der Werft.

 

Auf Grund gelaufen

Es sollte noch schwieriger werden: In der Nacht zum 14. Januar 2004 sank das Schiff während eines Orkans an der Ausrüstungspier - ein Unfall, der auch wegen seiner Symbolkraft Aufsehen erregte. Schließlich handelte es sich um die Pride of America" - und die deutsch-amerikanischen Beziehungen waren schon während des Irakkrieges auf Grund gelaufen. Für die Lloyd Werft hatte die Havarie dramatische Folgen: Sie musste wegen des nicht mehr einzuhaltenden Ablieferungstermins Insolvenz anmelden.

Doch Werft, Reederei und Versicherer einigten sich, das Schiff weiterzubauen. Nun ist die Pride of America" fertig, Lloyd sieht einem Neustart nach dem Abschluss des Insolvenzverfahrens entgegen. Doch die Pannengeschichte ist damit noch nicht zu Ende. Eigentlich sollte das neue Schiff am 4. und 5. Juni in Bremerhaven und später noch einmal in Dover einigen hundert geladenen Gästen vorgestellt werden. Beide Termine wurden jedoch gestrichen. Das Schiff werde nun direkt nach New York überführt, wo es am 15. Juni ankommen soll, heißt es bei NCL mit Sitz in Wiesbaden.

 

Alles Material, jeder Mensch wird überprüft"

Die Gründe für die Absage sind komplex. Zum einen hinkte wohl die Reederei ein wenig hinter dem Zeitplan hinterher. Zum anderen fordert die amerikanische Beflaggung des Schiffes ihren Tribut. Sie erlaubt es NCL, rund um die hawaiianischen Inseln zu kreuzen, ohne einen Abstecher in einen ausländischen Hafen einzulegen.

Andererseits muss auch amerikanisches Personal eingesetzt werden. Dem fehlt es mangels Kreuzfahrt-Tradition an Erfahrung, was zusätzliche Trainingseinheiten in der Nordsee erforderlich macht. Hinzu kommen Sicherheitsauflagen der US-amerikanischen Behörden. Alles Material, jeder Mensch wird überprüft", stöhnt Werftchef Lüken, und das schon seit Wochen."

Am 23. Juli lief die Pride of America" zur ersten Kreuzfahrt in nach Hawaii aus und bescherte bis zu 2146 Passagieren sorgenfreie Tage - auch wenn sie selbst ein rechtes Sorgenkind war.

Probefahrt vor Bremerhaven im Mai 2005.

 

 

Last modified on:07/27/2005

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