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Bremen (dpa) - Mit dem ersten
Dreierpack seiner Länderspiel- Karriere hat Lukas Podolski den Abwärtstrend
der deutschen Fußball- Nationalmannschaft gestoppt und Erinnerungen an die
Torflut beim Confederations Cup geweckt. Der erstmals in dieser Saison von
Beginn an spielende Kölner war am Mittwoch beim 4:2 (1:1) gegen Südafrika in
Bremen die überragende Figur im deutschen Team, das in der Offensive an alte
Zeiten erinnerte, jedoch in der Defensive noch keine Fortschritte nachwies.
Vor 28100 Zuschauern im Weserstadion traf außer dem überragenden Podolski
(12./48./55.) auch noch der Bremer Tim Borowski (47.) zu seinem ersten
Länderspiel-Tor. Shaun Bartlett (26.-Foulelfmeter) und Benedict McCarthy
(49.) bestraften Nachlässigkeiten der deutschen Abwehr erneut mit zwei
Gegentoren.
Für Jürgen Klinsmann war die Partie wieder ein Schritt in die richtige
Richtung: Wir sind sehr zufrieden mit der Mannschaft. Marcell Jansen war
schon in der Slowakei ordentlich, heute hat er noch einen draufgesetzt.
Lukas Podolski hat eine Galavorstellung abgeliefert", hob der Bundestrainer
zwei Spieler besonders hervor. Die Mannschaft hat eine gute Reaktion gezeigt.
Im Spiel hat es wieder den einen oder anderen Rückschlag gegeben, aber wir
haben dagegen gehalten", lobte Kapitän Michael Ballack seine Kollegen.
Das erste Heimspiel seit dem Confederations Cup brachte nach verkrampfter
erster Halbzeit mit vielen Unsicherheiten die erhoffte Rückkehr des
Spaßfußballs mit Toren fast im Minutentakt. Das war vor allem ein Verdienst
von Podolski, der im Zusammenspiel mit seinem Lieblingspartner Bastian
Schweinsteiger regelrecht aufblühte, seine Länderspiel-Treffer acht bis zehn
markierte und Borowski das Tor zum 2:1 mustergültig auflegte. Besonders
sehenswert war der Treffer des 20-jährigen Kölners zum 4:2, als er ein
Zuspiel Schweinsteigers aus dem Stand verwertete. Bei seiner Auswechslung 13
Minuten vor Schluss wurde der Matchwinner mit Ovationen verabschiedet.
Bis zur Pause hatte sich die durch den Einbau von vier Youngstern radikal
verjüngte deutsche Elf mit einem Durchschnittsalter von 24,1 Jahren
allerdings vergeblich um Wiedergutmachung für die schwachen Auftritte in
Rotterdam und Bratislava bemüht und ließ es in kritischen Situationen an
Sicherheit und vor allem Reife fehlen. Der Mangel an Erfahrung wurde vor
allem nach dem Ausgleich deutlich, als phasenweise jede Ordnung verloren
ging.
Die Abwehr, schon in der Slowakei die größte Problemzone im deutschen Spiel,
bestand gleich ihre erste Prüfung nicht und wies auch in veränderter
Zusammensetzung Lücken auf. Per Merte-sacker verschuldete erneut einen
Elfmeter und auch seine Nebenleute waren nicht immer im Bilde. Dabei
hinterließ der Kölner Lukas Sinkiewicz, mit nur sieben Bundesliga-Einsätzen
ins DFB-Trikot berufen, mit seiner ruhigen, abgeklärten Art noch den besten
Eindruck. Der Gladbacher Marcell Jansen, ebenfalls zum ersten Mal in der
Startelf, hatte vielversprechende Aktionen nach vorne, aber auch große
Mängel in der Defensivarbeit.
Auffälligster Akteur in der Schaltzentrale war Schweinsteiger, der Ballack
klar an Wirkung übertraf. Während Lokalmatador Tim Borowski mit seiner
Zweikampfstärke zu überzeugen wusste, wirkte Sebastian Deisler, vier Tagen
zuvor einer der Aktivposten, ausgesprochen fahrig und leistete sich teils
haarsträubende Abspielfehler. Nach der Pause wurde der Münchner von Bernd
Schneider abgelöst.
Das dritte Länderspiel gegen die in der Qualifikation für die WM 2006
gescheiterten Südafrikaner stand von Beginn an im Zeichen der deutschen
Mannschaft, die sich gleich um druckvolles Spiel bemühte. Schon nach 12
Minuten war Podolski erfolgreich. Nach einem präzisen Pass seines
Sturmkollegen Miroslav Klose überwand der 20-Jährige Südafrikas Keeper Hans
Vonk mit einem gekonnten Heber. Doch schon nach 26 Minuten war die Hoffnung,
endlich wieder ein Länderspiel ohne Gegentor zu überstehen, geplatzt. Nach
einem Ballverlust von Jansen wusste sich Mertesacker gegen den in den
Strafraum eindringenden Bielefelder Sibusiso Zuma nur noch mit einem plumpen
Foul zu helfen. Bartlett verwandelte den Strafstoß unhaltbar zum Ausgleich.
Mit einem Doppelschlag zu Beginn der zweiten Halbzeit stellte die deutsche
Mannschaft dann die Weichen auf Sieg. Nach Zuspiel von Podolski traf
Borowski zum 2:1. Nur 60 Sekunden später setzte sich der kaum zu haltende
Kölner im Strafraum energisch durch und traf zum dritten Tor ins Schwarze.
Aber schon im Gegenzug nutzte McCarthy eine neuerliche Nachlässigkeit im
Deckungszentrum mit dem zweiten Gegentor. Mit dem dritten Treffer des Tages
erhöhte Podolski wenig später seine Ausbeute auf zehn Tore in den letzten
zehn Länderspielen.
Deutschland: Lehmann (FCArsenal/35/27)
- Owomoyela (Werder Bremen/25/8), Mertesacker (Hannover 96/20/15),
Sinkiewicz (1. FCKöln/19/2), Jansen (Borussia Mönchengladbach/19/2) -
Deisler (Bayern München/25/32 - 46. Schneider/Bayer Leverkusen/31/56),
Borowski (Werder Bremen/25/12), Ballack (Bayern München/28/60),
Schweinsteiger (Bayern München/21/20 - 68. Ernst/Schalke 04/26/23) - Klose (Werder
Bremen/27/49 - 77. Kuranyi/Schalke 04(23/32), Podolski (1. FCKöln/20/17 -
77. Asamoah/Schalke 04/26/36)
Südafrika: Vonk (Ajax
Amsterdam/35/41) - Lekgwathi (Orlando Pirates/29/14), Katza (SuperSport
United/27/10), Mokoena (Blackburn Rovers/24/53), Rammile (Mamelodi Sundowns/21/5
- 65. Mabizela/Valerenga Oslo/24/40) - Evans (SuperSport United/25/5),
Vilakazi (Orlando Pirates/23/22 - 79. Nkosi/Bloemfontein Celtic/24/4) - Zuma
(Arminia Bielefeld/30/47 - 86. Chabangu/Mamelodi Sundowns/20/5), Van Heerden
(FC Kopenhagen/22/12 - 90. Zwane/Kaizer Chiefs/32/8), Buckley (Borussia
Dortmund/27/60 - 79. Ndlela/SuperSport United/24/7) - Bartlett (Charlton
Athletic/32/73 - 46. McCarthy/FC Porto/27/62)
Schiedsrichter: Gilewski (Polen) -
Zuschauer: 28 100 Tore: 1:0 Podolski (12.), 1:1 Bartlett (26./Foulelfmeter),
2:1 Borowski (47.), 3:1 Podolski (48.), 3:2 McCarthy (49.), 4:2 Podolski
(55.) Gelbe Karten: - / Rammile Beste Spieler: Podolski,
Schweinsteiger / Zuma |