05 January, 2009

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Autofahrer sehen rot: 80 Jahre Ampelgesetz - und keine Alternative

Die Ampel am Potsdamer Platz in Berlin. Hier stand im Jahre 1924 die erste Ampel Deutschlands. Sie hatte fünf Ecken, waagerecht montierte Lampen und ersetzte zehn Polizisten. Die moderne Ampel machte schnell Schule in anderen Städten. Am 1. Oktober 1926 verfügte der Reichsminister per Gesetz ihre rechtliche Gleichwertigkeit mit Handzeichen.

Berlin (dpa) - Punkte in der Flensburger Sünderkartei, bis zu 200 Euro Bußgeld und einen Monat ohne Führerschein: Das Rasen über eine rote Ampel kann viel Stress mit sich bringen. Seit genau 80 Jahren gibt es in Deutschland einen Bußgeldkatalog, der Verkehrsrowdys an Ampelkreuzungen zur Räson bringen soll. Denn am 1. Oktober 1926 beglückte die damalige Hauptstadt Berlin den Rest Deutschlands mit dem ersten Ampel-Gesetz samt Bußregister. Es war eine Grundlage der modernen Verkehrsregelung. Auch in Zukunft werden Autofahrer an der Ampel nicht vorbeikommen, sagt der Berliner Verkehrsforscher Kai Nagel. Es gebe auf engem Raum keine Alternative.

Die erste deutsche Ampel stand 1924 am Potsdamer Platz in Berlin. Sie hatte fünf Ecken, waagegerecht montierte Lampen und ersetze 10 Polizisten. Sie hatten sich bis dahin mit Hupen und Klingeln über die Verkehrsregelung verständigt. Die moderne Ampel machte schnell Schule in anderen Städten. Am 1. Oktober 1926 verfügte der Reichsverkehrsminister per Gesetz ihre rechtliche Gleichwertigkeit mit Handzeichen. Nur die äußere Form der Signalanlagen war noch nicht festgelegt. Es gab sogar Ampeln mit Zeigern.

Heute ist die Ampel lange genormt und auch die heiße Debatte um ost- oder westdeutsche Ampelmännchen ist 15 Jahre nach der Deutschen Einheit abgekühlt. Die Figuren sind mehr ein Marketing-Gag auf T-Shirts oder Handtüchern. An einer glänzenden Zukunft der modernen Signalanlagen zweifelt Kai Nagel, Verkehrsforscher an der Technischen Universität Berlin, aber auch nach 80 Jahren nicht. Ampeln werden noch intelligenter werden", erläutert er. Mittelfristig wird es neben Video-Kameras auch Satelliten geben, die den Verkehrsfluss messen und die Anlagen steuern", ergänzt er. Zur Fußball- Weltmeisterschaft wurden Ampeln bereits mit Daten gesteuert, die ein Zeppelin aus der Luft lieferte.

Im Vergleich zur ersten Ampel am Potsdamer Platz ist das ein großer Fortschritt. Im Signalturm hatte noch ein Polizist gesessen, der die Zeit mit einer Stoppuhr maß, Schalthebel umlegte und Lampen aufleuchten ließ. Die heutige Technik setzt neben intelligenten" Ampeln auch auf Fahrerassistenz-Systeme im Auto. Sie könnten bald auch Ampeln erkennen und ein Auto ausbremsen, wenn es der Fahrer versäumt, erläutert Experte Nagel. Die DEKRA fordert bereits heute, gängige Assistenzsysteme nicht nur in die Luxusklasse einzubauen.

Deutschland verfüge im Vergleich mit den USA über ein ausgefeiltes Ampelsystem, sagt der Berliner Verkehrsforscher. In den engen europäischen Innenstädten mit ihren alten, verwinkelten Stadtkernen gibt es für ihn auch keine andere Lösung. Die Ampel wird bleiben", ergänzt er.

Die Ampel ist keine deutsche Erfindung. Bereits 1868 waren am Londoner Trafalgar Square versuchsweise Signalarme mit roten und grünen Gaslaternen montiert worden. Doch die Konstruktion explodierte. Die Idee der mechanischen Verkehrsregelung lag auf Eis, bis 1914 in Cleveland im US-Bundesstaat Ohio die erste elektrische Ampel in Betrieb ging.

Heute ist Berlin anderen Großstädten schon wieder ein Nasenlänge voraus. In diesem Jahr hat die hoch verschuldete Hauptstadt ihre Ampelanlagen privatisiert, um Kosten zu sparen. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ist mit dieser Regelung bisher zufrieden. Ein Tochterunternehmen des holländischen Energiekonzerns Nuon hat die Wartung, den Betrieb und den künftigen Neubau aller städtischen Ampelanlagen übernommen und bekommt dafür in den nächsten zehn Jahren 126 Millionen Euro vom Senat. Das Land Berlin, hat die Verwaltung errechnet, kann dadurch eine Million Euro im Jahr einsparen.

Seine erste Ampel am Potsdamer Platz hat Berlin voller Stolz rekonstruiert. Sie steht hier wieder zwischen den Hochhäusern der Moderne und unterirdischen Bahnhöfen - als Denkmal.

 

 

Last modified on:08/27/2007

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