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Von Veronika Seidel
Köln (dpa) - Pelz feiert ein kleines Comeback. Vor allem junge Leute
tragen ihn diesen Winter gerne als Accessoire: an Ohrenschützern, Kapuzen
oder Handschuhen. Ein Trend, der Tierschützern Sorgen macht.
„Ich sag’ immer: ganz oder gar nicht”, erklärt der junge Mann mit dem
Dreitagebart und der grossen Hornbrille. Er fasst an die Kapuze seines
Parkas. „Kunstfell käme für mich deshalb auch nicht infrage. Das hier ist
Waschbärpelz. Den hat mir eine Kürschnerin drangenäht.” Neben ihm steht
seine Freundin. Auch ihr Kragen ist mit echtem Pelz verziert. „Vom Kaninchen”,
sagt sie. „Das sieht irgendwie edler aus und ist schön kuschelig warm.”
So wie die beiden tragen viele Leute Pelz an ihren Winterklamotten - an den
Schuhen, der Mütze und vor allem der Kapuze. Nicht immer ist er echt - aber
immer öfter.
„Echten Pelz sieht man jetzt sogar in den kleineren Städten, nicht nur in
den Metropolen”, sagt Petra Malinowski von der Modeschule Mönchengladbach.
Auch die Zielgruppe habe sich gewandelt: „Früher hat man Pelz ja immer nur
mit der älteren, etwas gesetzteren Dame in Verbindung gebracht. Jetzt tragen
ihn auch die jüngeren Leute um die 20”, sagt die Bekleidungsingenieurin.
„Ein Pelz hält 50, teilweise 100 Jahre. Man kann ihn wunderbar recyceln und
in eine ganz neue modische Form bringen”, erklärt der Kürschner - also
Pelzverarbeiter - Guido Adrian aus Köln. Viele seiner Kunden ließen sich
momentan alte Pelze umschneidern, zum Beispiel zu Kragen oder Schals. „Pelz
taucht eher an Accessoires auf bei jungen Leuten. Er darf heute nicht mehr
schwer und steif sein, sondern er muss lässig und leicht sein. So wie die
aktuelle Mode”, sagt Adrian.
Und darin wird derzeit so viel Pelz verarbeitet, wie schon lange nicht mehr.
Die Rede ist hier nicht nur von Edelmarken wie Gucci oder Prada. Auch
beispielsweise Woolrich, Hallhuber und das Jeans-Label LTB verzieren ihre
Winterkollektion mit Fuchs, Coyote und Co.
Der Style bei Jacken gehe „ganz klar in Richtung Skandinavien und Richtung
Alaska, und da ist Pelz halt gang und gäbe”, sagt Ralf Meier,
Kreativdirektor bei LTB-Jeans. Das Unternehmen hat zurzeit zwei Parka mit
Fuchsfell am Kragen im Programm. Der Bedarf sei einfach vorhanden gewesen,
der Handel habe nach Jacken mit Pelz verlangt. „Daran konnten wir nicht
vorbeigehen.” Dennoch: Bei künftigen Kollektionen wolle LTB keinen Pelz mehr
einsetzen - vor allem aus moralischen Bedenken, wie Meier sagt.
Einer, den diese Entscheidung besonders freuen
wird, ist Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes in Bonn.
Ihm bereitet die neue Lust am Pelz Sorgen. „Wenn ich mir die Bambi-Verleihung
anschaue oder die Goldene Kamera: Dort sehe ich der Reihe nach die
Prominenten, die für viele Fans Vorbild sein müssen, mit einer Pelz-Stola
oder auch Schuhen, die mit Pelz besetzt sind. Das ist keine Vorbild-Funktion,
das ist eine Schande”, findet er. Auch wenn es nur ein klitzekleiner Besatz
an der Kleidung sei: „Pelz tötet und die Tiere werden in der Haltung
schrecklich gequält.” |