|
Bayerisches Museum birgt altpreußische Schätze
Von Kathrin Zeilmann
Kulmbach (dpa) - Die Nachwelt kennt den Preußenkönig - Friedrich der
Große - als philosophisch interessierten und schöngeistigen Herrscher - aber
auch als erfolgreichen Kriegsherrn. Mit dem effektivsten Heer Europas zog er
in den Krieg und begründete Preußens Ausnahmestellung.
Doch wer sich für Details zu den Truppen Friedrichs interessiert, sollte
nach Kulmbach in Oberfranken reisen. Hinter den Mauern der beeindruckenden
Plassenburg ist die größte Ausstellung altpreußischer
Militaria aus der Zeit zwischen 1700 und
1806 zu sehen, wie die Bayerische Schlösserverwaltung betont. Einige der
Exponate werden auch bei der Jubiläumsschau «Friederisiko» ab Ende April in
Potsdam zu sehen sein.
Der Historiker Bernd Windsheimer hat all die Degen, Gewehre, Uniformen, aber
auch Dokumente, Gemälde und Alltagsgegenstände der Soldaten in mehr als vier
Jahrzehnten gesammelt. Bereits als Teenager interessierte er sich für
historische Militärgegenstände. Zunächst war Windsheimers Sammlung auf
Schloss Ortenburg in Niederbayern untergebracht, doch Ende der 1990er Jahre
waren die Räume zu klein. Auf der Suche nach einer neuen Ausstellungsstätte
wurde er in Kulmbach fündig - die Plassenburg ist die bedeutendste
Hohenzollern-Festung in Bayern. Dort entstand das «Armeemuseum Friedrich der
Große».
Windsheimer kennt sich aus in der Szene - und ist mit seiner Sammlung
bekannt. Er weiß, welche Antiquitätenhändler Militaria anbieten, welche
Schätze in privaten Sammlungen schlummern. Von einem speziellen
Trompeterdegen, so weiß er, sind nur noch zehn Exemplare bekannt. Zehn Jahre
mühte sich Windsheimer darum, einen dieser Degen zu bekommen. Geklappt hat
es schließlich für einen fünfstelligen Betrag.
Oder eine Hinterglasmalerei mit Szenen aus der Zeit Friedrich des Großen.
Ein Bekannter machte ihn darauf aufmerksam, dass das Kunstwerk bei einem
Hausabbruch in Norddeutschland zufällig entdeckt worden sei. «Ich könnte zu
jedem Exponat eine fantastische Geschichte erzählen», sagt Windsheimer. 850
Ausstellungsstücke hat er bisher.
Die Schau beginnt mit der Zeit von Friedrich Wilhelm I., Friedrichs Vater.
Er schrieb dem preußischen Heer erstmals zentral die Ausrüstung vor und
richtete eine Gewehrmanufaktur in Potsdam ein. Dann geht es um die
verschiedenen Teile der Streitkräfte: Dragoner, Husare, Infanterie, Jäger,
Kürassiere. Letztere waren die Elite-Soldaten des Heeres, ein Kürassier
musste mindestens 1,80 Meter groß sein. Sie trugen Stiefel mit drei
Schichten Leder, damit keine Gewehrkugel hindurchdringen konnte.
«Preußen war die stärkste Armee im 18. Jahrhundert», sagt Windsheimer. Zwei
Vitrinen sind auch den Gegnern gewidmet, nämlich Frankreich und Österreich.
Kaiserin Maria Theresia war Friedrichs große Gegenspielerin.
Windsheimers Schau verherrlicht das preußische Militär nicht, es wird auch
das harte Lagerleben der Soldaten gezeigt. Eine Amputiersäge etwa weist auf
die medizinische Versorgung hin - «und da lag einiges im Argen», sagt
Windsheimer. Viele Soldaten seien nicht in der Schlacht umgekommen, sondern
später am Wundbrand gestorben. Große Kasernen gab es zur Zeit Friedrichs
auch noch nicht - Bürger mussten die Soldaten aufnehmen, ihnen Räume zur
Verfügung stellen und erdulden, dass sie ihre Gewehre mit Urin reinigten.
Legendär auch der Drill im preußischen Heer: Dokumente zeugen von strengen
Strafen bei Fehlverhalten. Auch das Reglement in Buchform stellt Windsheimer
aus.
Eine Deutung der Herrschaftszeit des «Alten Fritz» sucht man im Museum indes
vergeblich. Der Sammler will das bewusst nicht. «Hier steht die
Dokumentation im Vordergrund.» |