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Berlin (dpa) - Der Antibiotika-Einsatz in der Massentierhaltung in
Deutschland soll angesichts drohender Gesundheitsrisiken für den Menschen
deutlich eingedämmt werden.
Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) will dazu einen Gesetzentwurf
vorlegen, der die umstrittene Anwendung in Mastbetrieben auf ein Minimum
beschränken und Kontrollen verbessern soll. Über den Verzehr von
Lebensmitteln können auch Menschen zu viele Antibiotika einnehmen. Das kann
dazu führen, dass die Arznei bei Krankheiten nicht mehr wirkt.
Hähnchenfleisch aus dem Supermarkt ist laut einer Stichprobe des Bunds für
Umwelt und Naturschutz (BUND) vielfach mit solchen Antibiotika-resistenten
Keimen belastet.
Der Antibiotika-Einsatz in Ställen solle „auf das zur Behandlung von
Tierkrankheiten absolut notwendige Mindestmaß” beschränkt werden, sagte ein
Ministeriumssprecher jetzt in Berlin. Zudem sollten die Befugnisse der
zuständigen Überwachungsbehörden der Länder deutlich ausgeweitet werden.
Dies berichtete auch das „Hamburger Abendblatt”. Aigner will jetzt einen
Entwurf zur Änderung des Arzneimittelgesetzes vorlegen. Eckpunkte sehen
unter anderem vor, dass Tierärzte nicht mehr von Vorgaben der
Packungsbeilage bei der Anwendung abweichen dürfen. Der Antibiotika-Einsätze
soll in einer längeren Zeitspanne vor der Schlachtung dokumentiert werden
müssen.
Erlaubt sind Antibiotika schon bisher nur zur Behandlung kranker Tiere. Die
Länderbehörden sollten Kontrollmöglichkeiten aber auch ausnutzen, sagte ein
Ministeriumssprecher. „Wenn Antibiotika zum Beispiel illegal zur
Wachstumsförderung eingesetzt werden, ist das kein Kavaliersdelikt und muss
geahndet werden.” Eine Studie des Verbraucherministeriums in
Nordrhein-Westfalen hatte aber ergeben, dass 96 Prozent der
Hähnchenmastbestände damit behandelt werden.
In deutschen Supermärkten wurden nun in einer Stichprobe bei 11 von 20
untersuchten Hähnchenprodukten Antibiotika-resistente Erreger entdeckt, wie
der BUND mitteilte. Analysiert wurde für die nicht- repräsentative
Untersuchung Frischfleisch aus Geschäften in Berlin, Hamburg, Köln, Nürnberg
und der Region Stuttgart. In zehn Proben wurde ein Enzym gefunden, das
Antibiotika wie Penizillin unwirksam machen kann. Zweimal wurden Bakterien
entdeckt, die gegen wichtige Antibiotika unempfindlich sind. Ein Produkt
enthielt beide Stoffe.
„Die Hähnchenmast produziert Risiken, die bei den Verbrauchern landen”,
kritisierte BUND-Agrarexpertin Reinhild Benning. Die Organisation forderte
eine Halbierung des Antibiotika-Einsatzes in der Tierhaltung bis 2015. Der
Handel solle belastete Produkte aus den Sortimenten nehmen und auch seine
Lieferanten darauf hinweisen. Insgesamt sei eine Abkehr von der
industriellen Tierhaltung notwendig, forderte der BUND-Vorsitzende Hubert
Weiger.
Die Grünen im Bundestag schlugen vor, Antibiotika sollten teurer gemacht
werden. Für die Abnahme großer Mengen dürfe es keine Rabatte mehr geben.
Behandelt werden sollten damit auch nur einzelne Tiere, nicht aber komplette
Bestände, sagte die Fraktionsvize Bärbel Höhn. Die FDP-Agrarpolitikerin
Christel Happach-Kasan sagte, Antibiotika- Einsatz dürfe schlechtes
Management bei der Tierhaltung nicht überdecken. Die SPD nannte Aigners
Ankündigungen überfällig. |