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Von Michael Becker
St. Moritz
(dpa) - Den Glücksgefühlen nach dem langersehnten Abfahrtssieg über Lindsey
Vonn folgte die Schrecksekunde im Super-G: Einen Tag nach ihrem ersten
Schussfahrt-Erfolg seit über drei Jahren ist Maria Riesch im letzten
Weltcup-Rennen vor den Winterspielen nur um Haaresbreite einem Sturz
entgangen. «Ich bin mit der Skispitze direkt auf eine Torstange gefahren.
Bei 100
Stundenkilometern geht einem da ein richtiger Adrenalinschock durch den
Körper. Ich bin froh, dass ich auf beiden Beinen gesund im Ziel stehe»,
beschrieb Riesch am Sonntag ihre nervliche Achterbahnfahrt in St. Moritz. «Aber
es war trotzdem das absolute Highlight, die Abfahrt gestern so souverän mit
großem Vorsprung zu gewinnen.» Einen starken Konter setzte unbeeindruckt
ihre Konkurrentin Vonn: In der Abfahrt nach zuvor sechs Siegen nur Fünfte,
gewann die Amerikanerin den Super-G und sicherte sich damit vorzeitig die
Disziplin-Wertung.
Für Maria Riesch war Platz elf im
Super-G dagegen «total zweitrangig», als sie den ersten Schock verarbeitet
hatte. «Es wäre Wahnsinn gewesen, wenn ich mir im letzten Rennen vor Olympia
noch wehgetan hätte», sagte sie. Dass es dazu nicht gekommen war, hatte die
Partenkirchenerin ihrer hervorragenden Skitechnik zu verdanken. «Das hat sie
gut hingebracht. Ich bin wirklich froh, dass nichts passiert ist», lobte der
deutsche Alpin-Direktor Wolfgang Maier Rieschs akrobatische Rettungsaktion
auf einem Ski.
Maiers sportliche Bilanz der letzten
Standortbestimmung vor den Winterspielen fiel nach Rieschs Prestige-Erfolg
am Samstag, als sie vor Ingrid Jacquemod (Frankreich) und Fabienne Suter
(Schweiz) den dritten Schussfahrt-Erfolg ihrer Karriere eingefahren hatte,
positiv aus. «Das war unser erster Abfahrtssieg seit Dezember 2006. Das war
mehr als wir erwartet haben», sagte Maier. Für Freude im deutschen
Damen-Lager hatte auch Gina Stechert (Oberstdorf) mit ihrer
Olympia-Qualifikation in der Kombination am Freitag gesorgt, die sie in der
Abfahrt als Elfte bestätigte. Viktoria Rebensburg und Kathrin Hölzl feilten
ohne Top-Platzierungen an ihrer Olympia-Form. Maria Riesch war beim
Kombi-Sieg von Anja Pärson (Schweden) ausgeschieden.
Doch mit dem 13. Weltcup-Erfolg im
Rücken sieht sich die 25-jährige Riesch gut gerüstet für die bevorstehende
Medaillenjagd in Kanada. «Es sind hier sicher auch Wermutstropfen dabei,
aber die Abfahrt war vielleicht einer meiner schönsten Erfolge überhaupt.
Das überdeckt die Enttäuschungen und hat mir viel Selbstvertrauen gegeben»,
sagte Riesch. «Lindsey ist schon noch die Topfavoritin in Abfahrt und
Super-G, so viele Siege wie sie diesen Winter schon hat. Aber Olympia hat
eigene Gesetze. Und ich bin gesund, gut in Form und hoffe, dass ich eine
Medaille gewinnen kann.»
Für Vonn
wäre eine solche Zielsetzung wohl eine Untertreibung.
Immerhin hat die
Doppel-Weltmeisterin die Super-G-Kugel nun schon in der Tasche und führt
neben den Saison-Klassements in Abfahrt und Kombination an. Im
Gesamtklassement baute sie mit nun 1311 Punkten ihrer Führung vor Riesch
(1174) wieder auf 137 Zähler aus. «Es war mir wichtig, mit einem starken
letzten Rennen nach Vancouver zu reisen», sagte die 25-jährige Vonn. |