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Von Hans-Rüdiger Bein,
dpa
Berlin (dpa) - Am Anfang
setzte es eine kräftige Ohrfeige für den Berliner Hausherrn. Doch schon bald
begann im Zoo Berlin zwischen der Ex-Münchnerin Gianna und Eisbärstar Knut
(beide 3) ein heißer Flirt. Die Medien und Fans aus der ganzen Welt waren
entzückt, filmten und fotografierten die neckischen Spiele der beiden großen
Weißen unablässig und wünschten sich in Internet-Chats sehnsüchtig viele
«Knutinchen». Alles schien mehr als ein Jahr nach dem tragischen Tod von
Knut-Ziehvater Thomas Dörflein ein gutes Ende zu nehmen. Doch die
Gefühlswellen in der riesigen Fan-Gemeinde drohen nun fast überzuschwappen -
denn Gianna muss nach München zurück.
Die Love-Story auf dem Bären-Felsen und
im Wassergraben beim täglichen zärtlichen Planschen ist mit zwei
Schock-Nachrichten in dieser Woche vorbei, bevor sie richtig beginnen kann.
Immerhin: Knut hat Glück und wird nicht kastriert, wie es die
Tierrechtsorganisation Peta am Dienstag verlangt hatte. Peta befürchtete
Inzucht, weil der Berliner Publikumsliebling wie Gianna den Eisbär Olaf zum
Opa hat und beide damit genetisch verwandt sind. Aber Gianna muss bald
«Servus» sagen. Denn der Münchner Tierpark Hellabrunn hat alle Spekulationen
um das turtelnde Berliner Eisbärpaar beendet. «Die beiden können kein Paar
werden, Gianna muss allein im Herbst nach München zurück. Da gibt es kein
Reden und kein gar nix», sagte Sprecherin Doris Schwarzer am Mittwoch der
Deutschen Presse-Agentur dpa.
«Es ist und bleibt so, wie es ist»,
sagte Schwarzer und verwies auf die Vereinbarung mit dem Zoologischen Garten
der Hauptstadt. Danach ist Gianna wegen des Umbaus der Bärenanlage in
Hellabrunn nur für rund 9 Monate nach Berlin ausgeliehen. Im Streit mit dem
Tierpark Neumünster, von dem Knuts Vater Lars stammt, hatte sich der Zoo
Berlin mit der Zahlung von 430 000 Euro die alleinigen Rechte an Knut nach
einem Gerichtsverfahren sichern können. Doch ein ähnlicher Freikauf ist im
Münchner Fall nach Lage der Dinge nicht möglich. Die Münchner brauchen
«ihre» Gianna für eine eigene Zucht auf dem im September völlig neuen
Eisbär-Paradies in Hellabrunn.
Nicht zum Zuge kommt damit auch die
Tierrechtsorganisation Peta. Schon kurz vor dem ersten Auftritt des damals
kleinen und plüschigen Knut am 23. März 2007 hatten Tierfreunde mit Empörung
reagiert, als Tierschützer Frank Albrecht (Gerlingen) die Todesspritze für
den von seiner Mutter Tosca verstoßenen Knut in die Schlagzeilen brachte.
Die Handaufzucht widerspreche der Natur, argumentierte damals Albrecht, der
am Mittwoch betonte, dass er sich zu dem Zeitpunkt «als Privatperson»
äußerte. Er habe nach eigenen Angaben Konsequenzen aus dem Fall des im
Leipziger Zoo eingeschläferten Lippenbären gefordert. Albrecht repräsentiert
als deren Zoo-Experte seit 2008 die Peta- Organisation.
«Knut darf leben» hielt der Zoo im Jahr
2007 dagegen, und damit begann eine in dieser Dimension bisher einmalige
Bären-Story, die um die Welt ging. Nach etwas mehr als drei Jahren steuern
Knut und der Zoo Berlin einen historischen Rekord an: 2010 wird am
Knut-Felsen der 10-millionste Besucher erwartet.
Gianna wird also nur noch bis zum
Spätsommer an Knuts Seite das Liebesleben üben dürfen. Der Zoo muss für
seinen Star eine neue, im vierten Lebensjahr dann auch geschlechtsreife
Partnerin finden. Falls übrigens vor Giannas Rückkehr nach Bayern in einer
lauen Hauptstadt- Nacht doch noch einmal etwas «passieren» sollte, hat
Katarina Jewgenow vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in der
«Süddeutschen Zeitung» anstelle der Kastration eine milde Methode empfohlen:
«Es würde zur Verhütung ausreichen, Gianna einmal im Jahr die Pille danach
zu geben.»
Internet:
www.zoo-berlin.de
www.peta.de |