26 July, 2010

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Das internationale Frauenhaus als letztes Refugium

Düsseldorf (dpa) - Gedemütigt, geschlagen und manche sexuell missbraucht: Für die sechs Frauen und ihre vier Kinder ist das internationale Frauenhaus der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Düsseldorf die letzte Zuflucht.

Sie alle kommen aus dem Ausland und - sind Opfer von häuslicher Gewalt. Nadia folgte vor wenigen Jahren ihrem Ehemann aus Nigeria nach Deutschland, der als freier Journalist Arbeit fand. «Ich musste immer zu Hause bleiben. Nie durfte ich raus. Ich durfte nie den Deutschkurs besuchen», berichtet die zweifache Mutter. Es war schlimm für sie, hinter geschlossenen Türen zu leben. Wenn er nach Hause kam, nörgelte er rum. Und eines Tages schlug er sie. Kurze Zeit nach der Geburt der ersten Tochter wurde sie wieder schwanger. Die Ehe mit dem Mann wurde unerträglich - sie trennten sich. Er sah die Kinder dennoch weiterhin und eines Tages geschah es: «Er hat meine Tochter entführt.» In Afrika sei die Kleine, mehr wisse sie nicht.

Laut der Organisation Terre des Femmes fliehen jährlich 45 000 Frauen in Deutschland vor ihren gewalttätigen Männern in Frauenhäuser. In Nordrhein-Westfalen ist die Zahl der Opfer von häuslicher Gewalt, Frauen sowie Männer, im Jahr 2008 auf 22 568 Fälle gestiegen, das sind rund zehn Prozent mehr als im Jahr zuvor. Körperverletzungen führen die Statistik an. Die Frauenhäuser stehen vor einer immensen Herausforderung. Ein Vertrauensverhältnis aufzubauen ist schwierig, wenn Fachpersonal einge-spart werden muss. Im Jahr 2009 wurden die öffentlichen Zuschüsse in NRW um 30 Prozent gekürzt. Laut Frauenministerium werden die insgesamt 62 Frauenhäuser zwischen Rhein und Weser mit über 5,4 Millionen Euro gefördert.

«Das Bestehen des Schutz- und Hilfeangebotes für betroffene Frauen und Kinder ist stark gefährdet», beklagt die Geschäftsführerin des Dachverbandes Frauenhauskoordinierung in Frankfurt, Viktoria Nawrath. Die Kommunen könnten die Kürzungen auf Landesebene nicht vollständig abfedern. Die Folge also: Weniger Personal, Mehrbelastung und steigender Eigenanteil bei der Finanzierung der Frauenhäuser. Mittelfristig sei beabsichtigt, die Förderung zu erhöhen, sagte eine Sprecherin des Frauenministeriums.

Für die Frauen im Frauenhaus ist das kein Trost. Es gebe zwar heute mehr rechtlichen Schutz, wie das Gewaltschutzgesetz von 2002 und einen Stalking-Paragrafen. Die Erfahrung zeige aber, dass sich die Gewaltbereitschaft allgemein erhöht habe, weiß die Leiterin des Düsseldorfer AWO-Frauenhauses, Silvia Röck.

Mit Tränen in den Augen berichtet Wing-Tsun, wie sie ein Martyrium von Demütigungen und Sexzwang erleiden musste. Die Situation zu Hause war ohnehin schwierig: Der deutsche Ehemann war arbeitslos und Hartz-IV-Empfänger. Die junge Chinesin wurde immer bestraft, wenn sie ihrem Ehemann nicht jeden Wunsch erfüllte. Er sperrte seine junge Frau dann einfach nachts aus, im Winter, in Eiseskälte. Seit vier Monaten lebt Wing-Tsun mit der Tochter hier im Frauenhaus. «Das ist so etwas wie eine Familie», sagt sie.

Die Sozialhelferinnen der AWO begleiten die Frauen bei allen Behördengängen: Ob zur Polizei, zum Sozialamt oder zur Bank. Oft sind Dolmetscher nötig. Auch zu Anwältinnen und Ärztinnen bringen sie die verschüchterten Frauen, die nach ihren Traumata keinen Männern mehr trauen.

In vielen Fällen kommen die Frauen von einem Tag auf den anderen nach Deutschland. Sie kennen keinen, sind abhängig von den Ehemännern, die schon in Deutschland leben, oder sie heiraten sogar einen Deutschen. Hinzu kommt, dass die Frauen aufgrund ihrer kulturellen Prägung eine Trennung vom Mann als «Scheitern» werten. Zwar bleiben die ausländischen Frauen im Frauenhaus durchschnittlich länger als die Deutschen, berichtet die Sozialpädagogin Röck. Sie kehren aber auch eher wieder zu ihren Männern zurück, ins «Gewaltmilieu». Ein Teufelskreis also.

«Die Frauen befürchten, wenn sie verlassen werden, im Heimatland als Ausgestoßene behandelt zu werden», weiß Röck. «Die Frauen sind dort wie Freiwild.» Wing-Tsun und Nadia haben es geschafft ein weitgehend selbstständiges Leben zu beginnen. «Ich möchte wieder studieren», sagt Wing-Tsun strahlend. Und Nadia hat mittlerweile eine eigene Wohnung. Sie lernt Deutsch in einem Integrationskurs und wünscht sich jetzt nur noch: «Ein ruhiges Leben zu führen.»

  * Frauenhäuser der Arbeiterwohlfahrt: dpaq.de/awo

Menschenrechte für die Frau: www.frauenrechte.de/fahnenaktion

 

 

Last modified on:02/02/2010

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