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Düsseldorf (dpa) -
Gedemütigt, geschlagen und manche sexuell missbraucht: Für die sechs Frauen
und ihre vier Kinder ist das internationale Frauenhaus der Arbeiterwohlfahrt
(AWO) in Düsseldorf die letzte Zuflucht.
Sie alle kommen aus dem Ausland und -
sind Opfer von häuslicher Gewalt. Nadia folgte vor wenigen Jahren ihrem
Ehemann aus Nigeria nach Deutschland, der als freier Journalist Arbeit fand.
«Ich musste immer zu Hause bleiben. Nie durfte ich raus. Ich durfte nie den
Deutschkurs besuchen», berichtet die zweifache Mutter. Es war schlimm für
sie, hinter geschlossenen Türen zu leben. Wenn er nach Hause kam, nörgelte
er rum. Und eines Tages schlug er sie. Kurze Zeit nach der Geburt der ersten
Tochter wurde sie wieder schwanger. Die Ehe mit dem Mann wurde unerträglich
- sie trennten sich. Er sah die Kinder dennoch weiterhin und eines Tages
geschah es: «Er hat meine Tochter entführt.» In Afrika sei die Kleine, mehr
wisse sie nicht.
Laut der Organisation Terre des Femmes
fliehen jährlich 45 000 Frauen in Deutschland vor ihren gewalttätigen
Männern in Frauenhäuser. In Nordrhein-Westfalen ist die Zahl der Opfer von
häuslicher Gewalt, Frauen sowie Männer, im Jahr 2008 auf 22 568 Fälle
gestiegen, das sind rund zehn Prozent mehr als im Jahr zuvor.
Körperverletzungen führen die Statistik an. Die Frauenhäuser stehen vor
einer immensen Herausforderung. Ein Vertrauensverhältnis aufzubauen ist
schwierig, wenn Fachpersonal einge-spart werden muss. Im Jahr 2009 wurden
die öffentlichen Zuschüsse in NRW um 30 Prozent gekürzt. Laut
Frauenministerium werden die insgesamt 62 Frauenhäuser zwischen Rhein und
Weser mit über 5,4 Millionen Euro gefördert.
«Das Bestehen des Schutz- und
Hilfeangebotes für betroffene Frauen und Kinder ist stark gefährdet»,
beklagt die Geschäftsführerin des Dachverbandes Frauenhauskoordinierung in
Frankfurt, Viktoria Nawrath. Die Kommunen könnten die Kürzungen auf
Landesebene nicht vollständig abfedern. Die Folge also: Weniger Personal,
Mehrbelastung und steigender Eigenanteil bei der Finanzierung der
Frauenhäuser. Mittelfristig sei beabsichtigt, die Förderung zu erhöhen,
sagte eine Sprecherin des Frauenministeriums.
Für die Frauen im Frauenhaus ist das
kein Trost. Es gebe zwar heute mehr rechtlichen Schutz, wie das
Gewaltschutzgesetz von 2002 und einen Stalking-Paragrafen. Die Erfahrung
zeige aber, dass sich die Gewaltbereitschaft allgemein erhöht habe, weiß die
Leiterin des Düsseldorfer AWO-Frauenhauses, Silvia Röck.
Mit Tränen in den Augen berichtet
Wing-Tsun, wie sie ein Martyrium von Demütigungen und Sexzwang erleiden
musste. Die Situation zu Hause war ohnehin schwierig: Der deutsche Ehemann
war arbeitslos und Hartz-IV-Empfänger. Die junge Chinesin wurde immer
bestraft, wenn sie ihrem Ehemann nicht jeden Wunsch erfüllte. Er sperrte
seine junge Frau dann einfach nachts aus, im Winter, in Eiseskälte. Seit
vier Monaten lebt Wing-Tsun mit der Tochter hier im Frauenhaus. «Das ist so
etwas wie eine Familie», sagt sie.
Die Sozialhelferinnen der AWO begleiten
die Frauen bei allen Behördengängen: Ob zur Polizei, zum Sozialamt oder zur
Bank. Oft sind Dolmetscher nötig. Auch zu Anwältinnen und Ärztinnen bringen
sie die verschüchterten Frauen, die nach ihren Traumata keinen Männern mehr
trauen.
In vielen Fällen kommen die Frauen von
einem Tag auf den anderen nach Deutschland. Sie kennen keinen, sind abhängig
von den Ehemännern, die schon in Deutschland leben, oder sie heiraten sogar
einen Deutschen. Hinzu kommt, dass die Frauen aufgrund ihrer kulturellen
Prägung eine Trennung vom Mann als «Scheitern» werten. Zwar bleiben die
ausländischen Frauen im Frauenhaus durchschnittlich länger als die
Deutschen, berichtet die Sozialpädagogin Röck. Sie kehren aber auch eher
wieder zu ihren Männern zurück, ins «Gewaltmilieu». Ein Teufelskreis also.
«Die Frauen befürchten, wenn sie
verlassen werden, im Heimatland als Ausgestoßene behandelt zu werden», weiß
Röck. «Die Frauen sind dort wie Freiwild.» Wing-Tsun und Nadia haben es
geschafft ein weitgehend selbstständiges Leben zu beginnen. «Ich möchte
wieder studieren», sagt Wing-Tsun strahlend. Und Nadia hat mittlerweile eine
eigene Wohnung. Sie lernt Deutsch in einem Integrationskurs und wünscht sich
jetzt nur noch: «Ein ruhiges Leben zu führen.»
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Frauenhäuser der Arbeiterwohlfahrt: dpaq.de/awo
Menschenrechte für die Frau:
www.frauenrechte.de/fahnenaktion |