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München
(dpa) - Große Ernüchterung 100 Tage vor dem WM-Start: Die deutsche
Nationalmannschaft hat im wichtigsten Test vor dem Turnier in Südafrika
gegen Argentinien eine verdiente 0:1 (0:1)-Pleite kassiert. Gonzalo Higuain
erzielte am Mittwoch in der 45. Minute den entscheidenden Treffer gegen eine
lange Zeit ohne Mut und Ideen auftretende DFB-Elf. Von der unsicheren Nummer
1 René Adler über die schwachen Verteidiger Jerome Boateng und Serdar Tasci
bis hin zur harmlosen Offensive zeigte sich keiner der deutschen Südafrika-
Kandidaten in WM-Form. Für Bundestrainer Joachim Löw bleiben nach der ersten
Niederlage nach zehn Spielen weiter viele Baustellen offen.
«In der ersten Halbzeit hätte uns
etwas mehr Mut gutgetan», sagte Löw nach dem letzten Test vor der
Nominierung seines WM-Kaders Anfang Mai. «Es ist uns nicht gelungen, Druck
aufzubauen, die Argentinier in Verlegenheit zu bringen und Chancen
herauszuarbeiten.»
Wie schon
vor vier Jahren nach dem ernüchternden 1:4 gegen Italien unter Jürgen
Klinsmann, der gegen die Argentinier unter den 65 152 Zuschauern im nicht
ganz ausverkauften Münchner Stadion saß, muss der Bundestrainer ganz auf die
unmittelbare Turniervorbereitung von Mitte Mai an setzen. «Es gibt noch die
eine oder andere Baustelle», räumte der 50-Jährige ein.
«Aber es gibt durchaus
Erkenntnisse aus diesem Spiel - und wir werden eine gute WM spielen.»
Symptomatisch
für den Auftritt der DFB-Auswahl: Der eingewechselte Cacau prüfte in der 76.
Minute erstmals den ansonsten beschäftigungslosen argentinischen Schlussmann
Sergio Romero. In den letzten Minuten feierten sogar die deutschen Fans
jeden Ballkontakt der spielstarken Argentinier unter ihrem exzentrischen
Trainer Diego Maradona. «Das ist die Mannschaft, die nach 24 Jahren wieder
Weltmeister werden kann», sagte der ehemalige Weltklasse-Spieler.
«Wir werden uns
noch weiter verbessern, das kann in Südafrika Früchte tragen.» Den
Weltfußballer Lionel Messi bedachte er mit einem Sonderlob: «Ich danke Gott,
dass Messi Argentinier ist.»
«Wir
haben zu wenig nach vorne riskiert, es haperte im Vorwärtsgang», sagte
DFB-Kapitän Michael Ballack. Leverkusens Schlussmann Adler, der beim
0:1 übermotiviert aus seinem Tor gestürmt war und von Real-Madrid-Angreifer
Higuain überlaufen wurde, gestand seinen Fehler ein. «Es war in dem Fall der
berühmte Schritt zu spät. Das nutzt ein Weltklasse-Stürmer aus», meinte der
25-Jährige. Eine Schrecksekunde gab es für Bayern-Trainer Louis van Gaal.
Verteidiger Martin Demichelis musste in der 57. Minute nach einem
Zusammenprall mit Ballack auf einer Trage vom Platz gebracht werden. Nach
einer ersten Diagnose erlitt der Münchner einen Jochbeinbruch.
Von
Beginn an war zu erkennen, dass das Duell der beiden internationalen
Schwergewichte ein Ergebnis-Spiel werden sollte.
Die Teams begegneten
sich mit großem Respekt. Zunächst scheuten auch die südamerikanischen
Kreativ-Künstler das letzte Risiko. Löw hatte seiner Elf im ersten
Länderspiel des Jahres und dem wichtigsten WM- Test eine extreme
Sicherheitstaktik mit 4-2-3-1 System verordnet.
Erstmals
durfte Bayern-Profi Bastian Schweinsteiger im zentralen Mittelfeld neben
Ballack ran. Auf der rechten Seite kam der 20 Jahre alte Münchner Thomas
Müller zum Debüt in der DFB-Auswahl. Chelsea- Profi Ballack musste viel
Defensiv-Arbeit verrichten. Die Kreativ- Abteilung um Schweinsteiger, Lukas
Podolski und den Bremer Mesut Özil blieb blass - was vor allem daran lag,
dass Özil noch immer der starken Form des vergangenen Jahres hinterherhinkt.
So hatten die Deutschen, die erstmals im neuen schwarzen «Auswärts-Trikot»
mit weißer Hose und schwarzen Stutzen aufliefen, kaum Chancen.
Im Gegensatz zu
den Gästen: Zunächst tanzte Angel di Maria Tasci und Boateng aus, traf
anschließend aber nur die Latte (38.).
Maradona
hatte seine aktuell stärkste Mannschaft auf den Rasen geschickt - und kurz
vor der Pause zahlte sich die Überlegenheit aus. Nach einem Stellungsfehler
des Bremers Per Mertesacker umkurvte Higuain Adler und schob zum 0:1 ein.
Auf der anderen Seite hätte drei Minuten zuvor ein unmotiviertes Foul von
Argentiniens Abwehrmann Nicolas Otamendi an Klose zu einem Elfmeterpfiff
führen können - der englische Referee Martin Atkinson ließ weiterspielen.
Das Bild
änderte sich nach der Pause nur wenig. Lange Zeit hatten die Argentinier das
Spiel souverän im Griff.
Erst mit den
Einwechslungen von Cacau (67. für Özil) und Toni Kroos (67. für Müller) kam
etwas mehr Schwung in die Offensive. Der Stuttgarter Cacau prüfte nach 76
Minuten erstmals den argentinischen Schlussmann Sergio Romero, nachdem zuvor
Ballack bei zwei schwachen Kopfball- Versuchen das Tor der Gäste nicht in
Gefahr bringen konnte. |