30 August, 2010

156th YEAR - THE AMERICAN NEWSPAPER WRITTEN IN THE GERMAN LANGUAGE

Stand vom Montag

1 US $ = 0,7895  Euro

1 Euro = 1,2666  US $

Contact Us

Home/Start

Store

Newsstands

 

Sections

Ads/Anzeigen

Archives/Archiv

National Ad Rates

 

Deutsche

Churches/Kirchen

Clubs/Vereine

Radiostationen

 

Fußball

Links

 

Services

Internship/Praktikum

Subscribe

Purchase 150th Anniversary Issue

Address Change

 

 

Homoehe im katholischen Argentinien

 

Argentiniens katholische Kirche lief Sturm gegen die Homoehe, doch das Parlament in Buenos Aires hat für die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe gestimmt.

Von Jan-Uwe Ronneburger

Buenos Aires (dpa) - Das katholische Argentinien hat jetzt die Homoehe erlaubt und ist damit in dieser Frage eines der fortschrittlichsten Länder weltweit. Nur in wenigen Ländern wie den Niederlanden, Belgien, Schweden, Norwegen, Kanada, Portugal oder Spanien sind homosexuelle Paare der traditionellen Verbindung zwischen Frau und Mann bereits gleichgestellt. Mit dem Abstimmungserfolg der Befürworter im Parlament haben nun Paare gleichen Geschlechts in Argentinien sogar mehr Rechte als solche in Deutschland. Und das, obwohl die traditionell sehr konservative katholische Kirche des südamerikanischen Landes eine bizarre Kampagne gegen das Gesetzesprojekt geführt hatte.

Die Homoehe sei ein «Schachzug des Teufels», hatte der Erzbischof von Buenos Aires, Kardinal Jorge Mario Bergoglio, gewettert. Der «natürlichen» Familie mit Vater, Mutter und Kindern drohe nun der Tod. Und gegen Tod und Teufel rief der Kirchenmann gar zu einem «Gotteskrieg» auf. Nur einen Tag vor der entscheidenden Abstimmung im Senat hatten die Katholiken und andere kleinere Glaubensgruppen Zehntausende Menschen mobilisiert. Unter dem Motto «Die Kinder haben ein Recht auf eine Mutter und einen Vater» demonstrierten sie vor dem Parlamentsgebäude.

Wer sich bei der Kundgebung als Befürworter der Homoehe zu erkennen gab, wurde von katholischen Demonstranten in hitzige Diskussionen verwickelt. Eine Deutsche berichtete, dass während einer Auseinandersetzung zwischen Befürwortern und Gegnern eine der Gegnerinnen der Homoehe murmelnd im Kreis um die Diskutanten schritt und sich dabei ständig bekreuzigte.

Die Zeitung «Clarín» berichtete, dass ein Kanadier ein Plakat in die Höhe gehalten habe mit der Aufschrift: «Ich bin Gay und trotzdem ein guter Vater». Daraufhin habe ihm eine Frau angeboten, sie könne ihm seine «schmutzigen Gedanken» austreiben.

Die katholische Kirche hat in Argentinien immer noch viel Gewicht. Aber ihr Einfluss schwindet auch unter dem Eindruck der vielen Skandale um Kindesmissbrauch durch Priester und in katholischen Einrichtungen weltweit. Zwar bekennen sich 92 Prozent aller Argentinier zum katholischen Glauben, aber nur etwa 20 Prozent nehmen aktiv am Gemeindeleben teil.

Die Leitung der katholischen Kirche hatte schon zu den Menschenrechtsverbrechen während der Militärdiktatur (1976-1983) weitgehend geschwiegen. Zum Teil waren sogar Priester in den Folterkellern anwesend. Nach der Diktatur machte sie Front gegen eine allzu tiefschürfende Aufarbeitung der Diktaturverbrechen. Und 1987 lief sie Sturm gegen die Einführung eines Scheidungsgesetzes.

Der oppositionelle Senator Alfredo Martínez, der für die gleichgeschlechtliche Ehe stimmte, sprach vermutlich vielen aus dem Herzen, als im Parlament sagte: «Ich bin Katholik, nicht praktizierend. Aber ich habe geheiratet, habe Kinder und die sind getauft. Und ich schäme mich wegen der Worte dessen, der mein Hirte sein sollte. Monseñor Bergoglio hätte nicht sagen dürfen, dass der Teufel diesem Gesetz innewohnt.»

Eine ganz andere Sicht hatte der Priester Nicolás Alessio aus der Provinz Córdoba geäußert:

‚Die Homosexualität sei ebenso wie jede andere Form der Liebe ein «Geschenk Gottes»‘. Ihm wurde sofort die Erlaubnis zur Lesung der Messe entzogen, und es wurde ein Kirchenverfahren eröffnet.

 

 

Last modified on:07/26/2010

Search past and current articles for:

 

GACCMI

           
About us Affiliations   Webmaster  

`

© 1996-2010 Nordamerikanische Wochen-Post. All rights reserved.