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Von Jan-Uwe Ronneburger
Buenos Aires
(dpa) - Das katholische Argentinien hat jetzt die Homoehe erlaubt und ist
damit in dieser Frage eines der fortschrittlichsten Länder weltweit. Nur in
wenigen Ländern wie den Niederlanden, Belgien, Schweden, Norwegen, Kanada,
Portugal oder Spanien sind homosexuelle Paare der traditionellen Verbindung
zwischen Frau und Mann bereits gleichgestellt. Mit dem Abstimmungserfolg der
Befürworter im Parlament haben nun Paare gleichen Geschlechts in Argentinien
sogar mehr Rechte als solche in Deutschland. Und das, obwohl die
traditionell sehr konservative katholische Kirche des südamerikanischen
Landes eine bizarre Kampagne gegen das Gesetzesprojekt geführt hatte.
Die Homoehe sei ein «Schachzug des
Teufels», hatte der Erzbischof von Buenos Aires, Kardinal Jorge Mario
Bergoglio, gewettert. Der «natürlichen» Familie mit Vater, Mutter und
Kindern drohe nun der Tod. Und gegen Tod und Teufel rief der Kirchenmann gar
zu einem «Gotteskrieg» auf. Nur einen Tag vor der entscheidenden Abstimmung
im Senat hatten die Katholiken und andere kleinere Glaubensgruppen
Zehntausende Menschen mobilisiert. Unter dem Motto «Die Kinder haben ein
Recht auf eine Mutter und einen Vater» demonstrierten sie vor dem
Parlamentsgebäude.
Wer sich bei der Kundgebung
als Befürworter der Homoehe zu erkennen gab, wurde von katholischen
Demonstranten in hitzige Diskussionen verwickelt. Eine Deutsche berichtete,
dass während einer Auseinandersetzung zwischen Befürwortern und Gegnern eine
der Gegnerinnen der Homoehe murmelnd im Kreis um die Diskutanten schritt und
sich dabei ständig bekreuzigte.
Die Zeitung «Clarín» berichtete, dass
ein Kanadier ein Plakat in die Höhe gehalten habe mit der Aufschrift: «Ich
bin Gay und trotzdem ein guter Vater». Daraufhin habe ihm eine Frau
angeboten, sie könne ihm seine «schmutzigen Gedanken» austreiben.
Die katholische Kirche hat in
Argentinien immer noch viel Gewicht. Aber ihr Einfluss schwindet auch unter
dem Eindruck der vielen Skandale um Kindesmissbrauch durch Priester und in
katholischen Einrichtungen weltweit. Zwar bekennen sich 92 Prozent aller
Argentinier zum katholischen Glauben, aber nur etwa 20 Prozent nehmen aktiv
am Gemeindeleben teil.
Die Leitung der katholischen Kirche
hatte schon zu den Menschenrechtsverbrechen während der Militärdiktatur
(1976-1983) weitgehend geschwiegen. Zum Teil waren sogar Priester in den
Folterkellern anwesend. Nach der Diktatur machte sie Front gegen eine allzu
tiefschürfende Aufarbeitung der Diktaturverbrechen. Und 1987 lief sie Sturm
gegen die Einführung eines Scheidungsgesetzes.
Der oppositionelle Senator Alfredo
Martínez, der für die gleichgeschlechtliche Ehe stimmte, sprach vermutlich
vielen aus dem Herzen, als im Parlament sagte: «Ich bin Katholik, nicht
praktizierend. Aber ich habe geheiratet, habe Kinder und die sind getauft.
Und ich schäme mich wegen der Worte dessen, der mein Hirte sein sollte.
Monseñor Bergoglio hätte nicht sagen dürfen, dass der Teufel diesem Gesetz
innewohnt.»
Eine ganz andere Sicht hatte der
Priester Nicolás Alessio aus der Provinz Córdoba geäußert:
‚Die Homosexualität sei ebenso wie jede
andere Form der Liebe ein «Geschenk Gottes»‘. Ihm wurde sofort die Erlaubnis
zur Lesung der Messe entzogen, und es wurde ein Kirchenverfahren eröffnet. |