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Von Sara
Furtwängler
Troy -
Ganz schön grausam: Kinderfressende Hexen und mörderische Feen. Die Sprache
ist von Hänsel und Gretel und Dornröschen. Beides Grimm-Märchen. Jeder ist
damit aufgewachsen, jeder erzählt diese Geschichten seinen eigenen Kindern.
Dass, sich Kinder vor diesen Geschichten dennoch nicht fürchten, liegt wohl
daran, dass sie so bunt und phantasievoll erzählt sind und auch daran, dass
es meist ein moralisch gutes Ende gibt. Auch die Schüler der Deutschen
Schule Metro Detroit (DSMD) in Troy gestalten ihre Jahresabschlussfeier mit
einer bunten, phantasievollen und vor allem musikalischen Reise ins
Märchenland.
Die Stimmung im Multi-Purpose-Saal der Public School in Troy ist aufgeregt.
Da wird hier noch mal an einem Ritterhelm poliert und dort ein Reifrock
zurecht gerückt. Die 2-13-jährigen Deutschschüler sind professionell
verkleidet. Nachdem Christina Griesser, Mitgründerin der Schule all herzlich
willkommen geheißen hat, ist die Singgruppe „Musikmäuse” mit ihrem Auftritt
an der Reihe. Sie singen „Sterntaler”. Man merkt deutlich, dass das Konzept,
die Kleinen spielerisch an die deutsche Sprache heranzuführen, aufgeht. Mit
viel Elan wird da gesungen und alles in perfektem „Grimm-Deutsch”.
Als die Kindergartengruppe mit dem Lied Dornröschen auftritt, wird deutlich,
dass es sich um eine Deutschschule in den USA handelt. So singt die böse Fee
zu Dornröschen: „Donröschen schlafe hundert year!” Doch das bleibt
unbemerkt, denn Dornröschen versteht sowohl „Jahr” als auch „year” „Je
kleiner die Kinder sind, desto weniger haben sie Probleme unterschiedliche
Sprachen zu sprechen”, bestätigt Anke Klitschke, eine Lehrerin der Schule,
die sowohl Muttersprachler als auch German as Foreign Language (GFL)
unterrichtet.
Die Schüler an der DSMD lassen sich hautsächlich in zwei Gruppen
aufgliedern. Das sind zum einen Kinder von Familien, die schon in zweiter
und dritter Generation in den USA leben, deren Eltern möchten, dass sie die
deutsche Sprache nicht verlieren. Zum anderen gibt es aber auch Kinder von
so genannten deutschen „Expatriates”, bei denen die Familien oft gar nicht
wissen, wie lange sie noch in den USA leben werden. Durch den regelmäßigen
Deutschunterricht, soll gesichert werden, dass die Kinder zurück in der
Heimat im Schulsystem vor allem beim Lesen und Schreiben keine
Schwierigkeiten bekommen, erklärt Klitschke. Gerade der eigentlich
langweilige Grammatikunterricht wird auch von Olivia Bryant besonders
geschätzt. Sie ist mit ihren 13 Jahren eine der älteren Schülerinnen. „We
lived in Austria fo a couple of years when I was little”, erzählt sie.
“We
still have a lot of friends there. The grammar and conversation classes I
take at DSMD help me in communicating with them and help to stay in
contact.”
Sie gibt zu, dass es auch Zeiten gab in denen ihr der
Deutschunterricht zur Last wurde, heute sieht sie jedoch klar, was sie davon
hat und möchte auch an der High School Deutschunterricht nehmen. Anke
Klitschke hat viel Respekt vor ihren fleißigen Schülern. Sie weiß, dass es
manchmal schwierig ist, nach einem langen Schultag noch Energie für die
zusätzlichen Deutschstunden aufzubringen.
Jetzt soll der Fleiß der DSMD-Schüler bald mit einem offiziellen Zertifikat
belohnt werden. Schon im kommenden September werden Schüler ab der 7. Klasse
den AATG-Test machen können. Das ist eine national anerkannte
Zertifizierung, die von der American Assocation of Teachers of German
vergeben wird. „Ausgerichtet sind die Tests für Deutsch als Fremdsprache
oder Deutsch als Zweitsprache, wobei dies Kinder betrifft, die zuhause mit
den Eltern Deutsch sprechen.”, erklärt Regina Weiss, Stundenplanbeauftragte
der Schule. „Inhalte der Prüfung sind in erster Linie Konversation”, verrät
sie. Schon im September 2010 soll noch ein weiterer Test in den Lehrplan
aufgenommen werden: „Wir wollen auch das Zertifikat der Zentralstelle für
deutsches Auslandsschulrecht erhalten”, sagt Weis.
Da
kommt in den nächsten Monaten also noch viel auf die kleinen
Märchengestalten zu. Der 8-jährige Andreas Griesser genießt aber erstmal die
Spielpause, die sich nach dem gemeinsamen Abschlusslied auftut. Aufgeregt
rennt er in seiner scheppernden Ritterrüstung in den Schulgängen auf und ab.
„Eigentlich wollte er ja der Prinz vom Dornröschen werden. Doch als er
erfahren hat, dass man als Erzähler im Ritterkostüm gehen darf, war die
Entscheidung gefallen”, erzählt Mutter Christina.
Ehrengäste der Abschlussveranstaltung waren Professor Barbara Mabee PhD. von
der Oakland University und Professor Angelika Kraemer PhD. von der Michigan
State University.
Die DSMD bietet vom 20. - 24. Juli ein Summer Camp an,
für Muttersprachler sowie 2nd language elementary und middle-school Schüler.
Ebenfalls im Juli (13, 14, 17, 20 und 21.) findet ein German Summer
Musikmäuse Camp for Children (2-5 Jahre) statt. Dasselbe Programm wird auch
Ende Juli/August (13. Juli, 7. 14. und 21. August) nochmals angeboten (2-6
Jahre). Für nähere Informationen kontaktieren Sie bitte: Cindy Nolte
(nolte@prodigy.net), Monika Kitchen (mnolte2819@aol.com) oder Christina
Griesser (gnc3333@aol.com). |