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Von
Stephan Maurer und Manfred Präcklein
Bayreuth (dpa) - Gerade noch
rechtzeitig hat Wolfgang Wagner eingelenkt. Mit seinem Rücktritt zum 31.
August behält der 88-jährige Bayreuther Festspielchef das Heft des Handelns
in der Hand und sichert vermutlich die seit der Festspielgründung 1876
andauernde Wagner-Dynastie auf dem Grünen Hügel". Seine beiden Töchter Eva
Wagner-Pasquier (63) und Katharina Wagner (29) werden die weltweit
renommierten Richard-Wagner-Festspiele aller Voraussicht nach künftig als
Duo leiten.
Offiziell beginnt nun zunächst eine viermonatige Bewerbungsfrist für
Mitglieder der Familie Wagner. Auch Eva und Katharina, die bereits ein
Konzept erarbeitet haben, müssten sich offiziell bewerben, unterstrich jetzt
der bayerische Kunstminister Thomas Goppel (CSU). Am 1. September, wenige
Tage nach Abschluss der diesjährigen Festspielsaison, will der Stiftungsrat
wieder zusammenkommen und über die Bewerbungen beraten.
Die Ernennung der Halbschwestern dürfte dann aber nur noch eine Formsache
sein, denn sowohl der Bund als auch der Freistaat Bayern als die wichtigsten
Geldgeber haben sich bereits für das Tandem ausgesprochen. Wagner selbst ist
offensichtlich davon überzeugt, dass es zu dieser Lösung kommen wird, die er
nach den Worten seines Anwalts Stefan Müller für die beste und tragfähigste"
hält.
Nach wochenlangen Gesprächen hatte Wagner erst jetzt sein
Rücktrittsschreiben formuliert und damit auch einige Mitglieder des
Stiftungsrats überrascht. Das Schreiben war der Endpunkt von viel
Abstimmungsarbeit", sagte der Bayreuther Oberbürgermeister Michael Hohl (CSU),
der maßgeblich zu dem Durchbruch beigetragen hat. Kunstminister Goppel
sprach letztlich für alle Vertreter im Stiftungsrat: Wir sind dankbar, dass
Wolfgang Wagner uns das Signal zum Nachdenken gegeben hat." Offenbar sei die
Zusammenarbeit seiner beiden Töchter für ihn Anlass gewesen zu sagen: Jetzt
ist es genug."
Wagners Rücktritt nach 57-jähriger Regentschaft - davon 41 Jahre als
Alleinherrscher - ist eine tiefe Zäsur für die Bayreuther Festspiele. Seit
1951 stand er in der Verantwortung - zunächst mit seinem älteren Bruder
Wieland, mit dem er die durch die Nähe zum Nazi-Regime diskreditierten
Festspiele neu aufbaute und internationales Renommee zurückgewann.
Nach dem frühen Tod des genialen Regisseurs Wieland 1966 übernahm Wolfgang
Wagner die alleinige Macht im Festspielhaus. Er stellte die Festspiele auf
eine sichere finanzielle Basis und erneuerte kontinuierlich die bauliche
Substanz des Hauses. Rigoros drängte er zunächst die Wieland-Familie vom
Grünen Hügel", nach der Scheidung von seiner ersten Ehefrau Ellen auch seine
Tochter Eva, bis dahin seine wichtigste Helferin. In den 1980er Jahren
festigte er seine Alleinherrschaft mit einem lebenslangen Vertrag als
Festspielunternehmer".
Doch der als hartnäckig und stur bekannte Wagner versäumte es in den
vergangenen Jahren, mit dem Stiftungsrat zu einer einvernehmlichen Lösung in
der Nachfolgefrage zu kommen. Lange favorisierte er seine zweite Ehefrau
Gudrun, die mit Wagners fortschreitendem Alter zur heimlichen Herrin am
Hügel aufstieg. Doch sie war im Stiftungsrat nicht vermittelbar. Und die
gemeinsame Tochter Katharina, eine fähige Regisseurin, schien den Geldgebern
zu jung, um die Verantwortung zu übernehmen.
Als alles danach aussah, als könne erst der Tod des Patriarchen das Dilemma
lösen, sorgte ein dramatisches Ereignis von Richard Wagner'scher Dimension
für die Wende: Völlig überraschend starb Ende November 2007 Wolfgang Wagners
25 Jahre jüngere Ehefrau Gudrun. Wagner versöhnte sich mit Tochter Eva, und
die 63-Jährige Opernmanagerin stimmte zu, sich künftig mit ihrer
Halbschwester Katharina (29) die Festspielleitung zu teilen. Großzügig sah
Eva Wagner-Pasquier dabei über die Schmach aus dem Jahr 2001 hinweg. Damals
war sie schon einmal zur Festspielchefin gewählt worden, ihr Vater hatte sie
aber als unfähig bezeichnet und trat nicht zurück.
Letztlich hat auch die angespannte finanzielle Situation der Festspiele zu
Wagners Einlenken beigetragen. Damit hatten die Zuschussgeber Bund und Land
zumindest indirekt ein Druckmittel gegen den 88-Jährigen in der Hand. Denn
ohne höhere Zuschüsse können die Festspiele auf Dauer nicht überleben. Dies
hatten Wagner auch die ihm eng verbundenen Mäzene von der Gesellschaft der
Freunde von Bayreuth" signalisiert. |