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Von Andrea
Barthélémy, dpa
Berlin
(dpa) - Sei es der Streichelzoo im Seniorenheim oder der verspielte
Labrador, der regelmäßig die Kinder auf der Krebsstation eines Krankenhauses
besucht: In immer mehr sozialen Einrichtungen gehen Tiere ein und aus - mit
erstaunlich positiven Auswirkungen auf die Menschen. In vielen sozialen und
pflegerischen Arbeitsbereichen sind tiergestützte Therapieansätze nicht mehr
wegzudenken", sagt Prof. Dennis Turner, Präsident des Internationalen
Dachverbands für die Erforschung der Mensch-Tier-Beziehung, vor dem 2.
Mensch-Tier- Kongress". Mehr als 400 Fachleute trafen sich dazu kürzlich in
Berlin, auch interessiertes Publikum war willkommen.
Ärztin Anke
Prothmann von der Technischen Universität München hat bereits an der
Universität Leipzig beste Erfahrungen mit Tier- Therapien in der
Kinderpsychiatrie gesammelt. Es muss nicht immer der Ritt auf dem Delfin
sein", sagt sie. Da ist das Kosten-Wirkungs- Verhältnis meist zu ungünstig."
Viel mehr setzt sie auf normale" Haustiere wie Pferde und vor allem Hunde,
mit denen die Kinder in den Therapiestunden arbeiten. Die Tiere sind eine
Art Schleusenöffner", sagt Prothmann. Ihre Zuwendung und Aufmerksamkeit ist
an keinerlei Bedingungen geknüpft."
Erstaunliche
Effekte habe diese uneingeschränkte Präsenz bei kindlichen Psychosen, bei
Magersüchtigen, bei Depressiven, aber auch bei Kindern mit
Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom (ADS) auf das Wohlbefinden der Patienten -
und damit auch auf den Verlauf der ergänzenden Therapiegespräche. Auch bei
Autisten fanden wir die meisten Interaktionen mit Tieren, an zweiter Stelle
mit Menschen und dann erst mit Objekten", berichtet Prothmann von einer
Studie.
In Deutschland
setzen rund 40 Prozent aller Krankenhäuser Tiere in der Behandlung psychisch
auffälliger Kinder und Jugendlicher ein. Dabei reicht das Spektrum von der
konkreten Therapie mit einem Hund oder auf dem Rücken eines Pferdes bis hin
zu sogenannten tiergestützten Projekten, bei denen schlicht die Begegnung
mit Tieren ihre wohltuende Wirkung entfaltet. Das kann der Streichelzoo sein
oder der Hund des Pflegers oder ein Kaninchen, das in der Gruppe gepflegt
wird", sagt der emeritierte Prof. Erhard Olbrich (Zürich), ein Doyen der
Fachrichtung.
Deshalb sei das
Zusammensein mit Tieren auch für alte Menschen so wichtig. Selbst ein
Aquarium oder die Vogelvolière erfüllen wichtige Funktionen", erläutert
Olbrich. Denn das Betrachten der Tiere führe zur positiven Sammlung, zur
Konzentration auf etwas Schönes, beruhige, senke den Blutdruck. Noch mehr
Effekte hat die Begegnung mit Tieren, die gestreichelt werden können. Tiere
machen das Seniorenheim zum Daheim", sagt Olbrich. Hunde wittern oft, was
für die Menschen jeweils angesagt ist. Sie kommunizieren nicht verbal,
sondern sprechen Empathie-vermögen und das Erfahrungssystem der alten
Menschen an. In einen Tagesraum mit sechs alten Menschen, die zuvor vor sich
hin starrten, wird ein Hund plötzlich Bewegung bringen." Soziales und
emotionales Miteinander seien die Folge.
Hinzu kommt das
Berühren: Viele Alte wissen im Alter gar nicht mehr, wohin mit ihrer
ungelebten Liebe, die sie niemandem mehr schenken können." Menschen mit
Alzheimer-Demenz profitierten deshalb ebenfalls von der Begegnung mit Tieren,
erklärt Olbrich. Teile des Nervensystems - etwa das tiefer liegende
Erfahrungssystem - warteten nur darauf, angesprochen zu werden. Menschen
besäßen eine evolutionär angelegte Affinität zu anderen Lebewesen, die
sogenannte Biophilie.
Wir müssen nicht
alle Oldies mit Tieren beglücken, aber dort, wo sie ersehnt werden, sollten
sie bereitgestellt werden", sagt Olbrich. Nicht zuletzt habe sich gezeigt,
dass selbst das Pflegepersonal von der Anwesenheit der Tiere profitiere:
Angesichts des ständigen Arbeitsdruckes erfahren viele durch die freie
Begegnung mit Tieren wieder ein bisschen mehr von dem, was sie ihren Beruf
einmal wählen ließ."
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