13 May, 2008

143rd YEAR - THE AMERICAN NEWSPAPER WRITTEN IN THE GERMAN LANGUAGE

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Paula Balluff wird 100 Jahre!

Paula Balluff

Manfred Heuser im Gespräch mit Paula Balluff

 

M.H.: Frau Balluff, liebe Paula! Ich darf mir diese vertrauliche Anrede wohl erlauben, denn wir kennen uns nun schon seit 48 Jahren, sind gute Freunde. Dein lieber Mann, Viktor, der leider viel zu früh verstorben ist, gehörte wie ich der Schlaraffia an. (Schlaraffia ist eine Gemeinschaft von Männern, die Kunst, Humor und Freundschaft pflegen.) Wir gratulieren Dir ganz herzlich zu Deinem 100. Geburtstage! Es widerfährt nicht jedem die Gnade, so alt zu werden. Aber wir sehen Dich in aller Frische, von Alter keine Spur. Und wie Du immer behauptest Du bist ja nicht alt, Du bist ja nur antik".

Du bist, und das wird jeder der Dich kennt, gern bestätigen, Du bist eine liebe, fantastische, einzigartige Frau! Du wurdest am 15. Mai 1908 in Ehingen an der Donau geboren. Wie verlief Deine Jugendzeit?

Fr. B.: Wir wohnten nahe am Fluss. Da waren 13 Kinder aus 3 Familien die immer miteinander spielten.

M.H.: Hattest Du oder hast Du Geschwister?

Fr. B.: Ja, ich habe noch eine Schwester. Liesl lebt als Nonne in der Schweiz. Sie ist 96 Jahre alt.

M.H.: Standest Du in einem Arbeitsverhältnis?

Fr. B.: Ja, ich hatte Schaufensterdekorateurin gelernt.

M.H.: Was für einen Beruf hatte Dein Vater?

Fr. B.: Er war Postbeamter.

M.H.: Hast Du immer in Ehingen gelebt, ehe Du nach Amerika kamst?

Fr. B.: Nein, ich hatte 4 Jahre in Rottweil gelebt.

M.H.: Was hatte Dich bewegt, nach Amerika zu kommen?

Fr. B.: Ich war seit 1928 mit Viktor verlobt, musste aber 9 Monate warten bis ich hier einwandern konnte.

M.H.: Du kamst sicher mit dem Schiff. Damals gab es wohl kaum Flugverkehr. Wie war die Überfahrt?

Fr. B.: Ja, ich habe 1930 die Jungfernfahrt der Bremen mitgemacht. Fünf Tage hatten wir schönes Wetter; am sechsten Tag hatten wir einen schrecklichen Sturm und viel Regen.

M.H.: Seitdem wohntest Du immer hier in der Detroiter Gegend?

Fr. B.: Ja, ich wohnte eine Zeitlang in Flint, dann in Troy und nun hier in Farmington Hills.

M.H.: Wann hast Du Viktor kennengelernt und geheiratet?

Fr. B.: Kennengelernt hatten wir uns 1928 in Rottweil; geheiratet haben wir 1931 hier in Amerika.

M.H.: Ich weiss, Viktor war von Beruf Betriebsleiter, aber nebenbei nebenbei ist wohl nicht das richtige Wort einen grossen Teil seiner Zeit widmete er dem Schwäbischen Männerchor.

Fr. B.: Aus einer kleinen Sängergruppe, die in Kellerräumen probte, hat er sie zu einem ansehnlichen Chor aufgebaut, und 40 Jahre lang war er dessen Chorleiter. Später hatte der SchwabenUnterstüt-zungsverein die Schirmherrschaft übernommen.

M.H.: Du bist jemand, der mir als Mensch sehr viel bedeutet. Niemals habe ich ein böses Wort von Dir gehört, niemals hast Du Dich über etwas beklagt.

Fr. B.: Über was soll man klagen? Es gibt so viel Schönes in der Welt.

M.H.: Du hast eine Tochter, Dagmar, die hier in Troy wohnt und mit der Du ein sehr herzliches Verhältnis hast. Hat Dagmar Kinder? Mit anderen Worten, hast Du Enkelkinder?

Fr. B.: Ja, das stimmt, ich habe vier Enkelkinder und fünf Urenkel, die ich herzlich liebe.

M.H.: Was ist das Geheimnis, so alt zu werden, und doch im Herzen noch so jung zu bleiben?

Fr. B.: Immer aktiv bleiben. Ich mache immer noch den Haushalt, jeden Morgen mache ich

meine Freiübungen, gehe schwimmen, und wir gehen ins Konzert und ins Theater und kommen oft mit Freunden zusammen.

M.H.: Abgesehen von Kriegen und allgemeinen Unruhen in der Welt, was war das schlimmste Ereignis, das Du erlebt hast?

Fr. B.: Das war als Viktor so früh starb.

M.H.: Und was war das schönste Erlebnis?

Fr. B.: Das war ohne Zweifel Dagmars Geburt. Und dann die schönen Europatouren, die ich mit Dir und Deiner Tourgruppe gemacht habe.

M.H.: Du bist seit vielen Jahren eifriger Leser der Nordameri-kanischen WochenPost. Welcher Teil der Zeitung interessiert Dich am meisten: Romane, Rätsel, Berichte über das Vereinsleben?

Fr. B.: Ich freue mich immer auf die Rätselseite. Und jetzt lese ich auch die Romane.

M.H.: Was sagst Du zu der heutigen politischen Lage in Deutschland und in Amerika?

Fr. B.: Da versuche ich mich rauszuhalten. Es gibt nicht viele erfreuliche Ereignisse. Ich kümmere mich lieber um meine Blumen und bin gerne von Verwandten und Freunden umgeben.

M.H.: Wir bewundern Dich, und hoffen, dass wir noch viele Feste mit Dir feiern können! Ich persönlich danke Dir für Deine Freundschaft!

Fr. B.: Ja, ist es nicht herrlich, dass wir so gute Freunde sind?!

M.H.: Was möchtest Du unseren Lesern noch sagen; welchen Rat möchtest Du ihnen geben?

Fr. B.: Man soll nichts übertreiben. Man muss aktiv bleiben, keine Kaffeetante werden!

M.H.: Nochmals herzlichen Glückwunsch und alles Gute! Ich danke für dieses Gespräch!

 

 

Last modified on:05/06/2008

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