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Von Andreas Kröner
Washington (dpa) - Scheiden tut weh, sagt der
Volksmund. Und Scheidungen sind meist noch schmerzhafter. Doch in den USA
gibt es immer mehr Menschen, die ihre Trennung fröhlich zelebrieren - und so
die Scheidung verarbeiten. Im Club Christophers's" in Fort Lauderdale,
Florida, feierten und tanzten kürzlich rund 400 frisch Geschiedene
ausgelassen bis in die Morgenstunden. Sie labten sich an Cocktails namens
Marriage on the Rocks" (Heirat auf Eis). Und demonstrativ wanderte das ein
oder andere Ehering-Imitat mit der Toilettenspülung in unbekannte Tiefen -
die echten Ringe wären denn doch zu wertvoll gewesen.
Es ist wichtig,
nach dem oft schmerzhaften Scheidungsprozess wieder raus zu gehen und zu
feiern. Das ist eine emotionale Befreiung", sagt die Organisatorin von
Amerikas größter Scheidungsparty", Christina Rowe. Ihr Mann hatte sie nach
13 Ehejahren verlassen.
Rowe glaubt, dass
es in Zeiten instabiler Beziehungen zunehmend einen neuen, selbstbewussteren
Umgang mit Trennungen gibt. Eine Scheidung ist auch der Beginn eines neuen
Lebensabschnitts, den man genauso feiern sollte wie Geburtstage oder
Hochzeiten."
Es gibt viele
Belege, dass Scheidungen in den USAinzwischen auch fröhlich zelebriert
werden: Im Internet gibt es unzählige Utensilien zu kaufen, die sich über
Scheidungen lustig machen. Konditoreien offerieren Scheidungs-Torten. Ein
Unternehmen in New Orleans verleiht Leichenwagen an frisch Geschiedene, die
mit Freunden symbolträchtig den Tod ihrer Ehe" feiern wollen.
Besonders
erfolgreich ist die Internet-Anbieterin Angie Schmidt. Nachdem ihr Mann sie
2006 wegen einer Geliebte namens Katie verlassen habe, hätten ihr
Freundinnen ein T-Shirt mit der Aufschrift: Fragt Katie, wo mein Mann ist"
geschenkt, berichtet sie. Erstmals seit der Scheidung habe sie wieder lachen
können - deshalb beschloss die Betriebswirtin und Marketingexpertin lustige
Scheidungs-Geschenke zu vertreiben. Heute reicht ihre Produktpalette von
Ehering-Särgen bis hin zu dem Ex nachgebildeten Vodoo-Puppen. Ihre
Internet-Boutique benannte sie nach der Geliebten ihres Ex-Mannes:
smashingkatie.com" (Nieder mit Katie!").
Der jüngste Trend
habe einen ernsten sozialen Hintergrund, erklärt der renommierte Soziologe
Prof. David Popenoe. Scheidungen sind in den USA so normal geworden, dass
sie als selbstverständlicher Teil des Lebens akzeptiert werden", sagt er. In
den 60er Jahren sei die Scheidungsrate explosionsartig angestiegen und habe
die USA zum Scheidungs-Land Nummer eins in der Welt gemacht. Seit Mitte der
80er Jahre sei die Rate zwar rückläufig, aber die Wahrscheinlichkeit, dass
eine neu geschlossene Ehe in den USAscheitere, liege heute bei knapp 50
Prozent.
Inzwischen gibt es
auch deutliche Kritik an dem Geschäft mit den eigenwilligen Artikeln und
Veranstaltungen. Jede Scheidung ist ein Ärgernis für Gott. Deshalb sollten
Trennungen Tränen hervorrufen, nicht Lacher und Witze", schimpfte der bei
Evangelisten populäre christliche Blogger Barabbas über die lockeren Umgang
mit traditionellen moralischen Werten. Scheidungen sind schmerzvoll,
besonders wenn Kinder betroffen sind", mahnt auch Prof. Popenoe. Die
Gesellschaft sollte natürlich daran arbeiten, die Scheidungsrate zu senken
statt Scheidungen zu feiern." Aber wissenschaftlich betrachtet belegten
Scheidungs-Feste nur den Wertewandel auch in dem noch immer sehr religiösen
Amerika. |