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Von Sabine Glaubitz
Paris (dpa) - Die Legende der
Entstehung des Mont-Saint-Michel ist ein wenig eklig: Der Erzengel Michael
kommt darin vor, ein Bischof und ein Loch im Kopf. Nun wird die Felseninsel
1300 Jahre alt, zur Geburtstagsfeier wird der Papst erwartet.
Der Mont-Saint-Michel, der nach dem Eiffelturm und dem Schloss von
Versailles zur meist besuchten Sehenswürdigkeit Frankreichs gehört, feiert
in diesem Jahr sein 1300-jähriges Jubiläum. Mehr als drei Millionen Besucher
strömen jährlich auf die berühmte felsige Insel mit dem Benediktinerkloster
vor der Küste der Normandie. Die Feierlichkeiten, die am 1. Mai beginnen und
mehrere Monate dauern, werden noch mehr Touristen und Pilger anziehen, denn
auf dem Programm stehen neben Konzerten, Festivals und Ausstellungen auch
der Besuch von Papst Benedikt XVI. im September.
Die Entstehung des berühmten magischen Glaubensberges des Abendlandes" soll
auf das Jahr 708 zurückgehen. Der Legende nach erschien der Erzengel Michael
dem Bischof von Avranches mit dem Auftrag, auf dem Felsen im Meer eine
Kirche zu bauen. Doch dieser folgte der wiederholten Aufforderung nicht, bis
ihm der Engel mit dem Finger ein Loch in den Schädel brannte.
Denkmal
mittelalterlicher
Festungsarchitektur
Schon von weitem ist die zwischen dem 10. und 15. Jahrhundert erbaute
riesige Abteikirche zu erkennen, welche die 55.000 Quadratmeter große Insel
dominiert. Mit ihrem Glockenturm, auf dem die vergoldete Bronze-Statue des
Heiligen Michael thront, ist sie ein einzigartiges Denkmal mittelalterlicher
Kloster- und Festungsarchitektur. Besonders beeindruckend ist der herrliche
Kreuzgang mit versetzt angeordneten Säulen, die aus englischem Muschelmarmor
sind. Im 13. Jahrhundert galt das Bauwerk in Schwindel erregender Höhe als
ein Wunder. Seit 1979 zählt die Klosterinsel zum Weltkulturerbe der Unesco.
Die Geschichte der Felseninsel ist ebenso wechselhaft wie ihre Gezeiten: Im
Jahr 1254 wurde der Mont-Saint-Michel zur königlichen Festung erklärt und
hielt im Hundertjährigen Krieg zwischen England und Frankreich (1237-1453)
allen feindlichen Angriffen stand. Während der Religionskriege schließlich
begann der allmählich Verfall und im Zuge der französischen Revolution die
Säkulari-sierung des Berges, der zum Gefängnis wurde, was er bis 1863 blieb.
Nur knapp zehn Jahre später wurde er zum historischen Monument erklärt und
restauriert. Doch erst seit 1966 leben wieder Mönche auf der Klosterinsel.
Feier am
Namenstag des
Heiligen
Michaels
Heute ist der Mont-Saint-Michel das Wahrzeichen der Normandie und ein
bedeutender Wallfahrtsort. So werden am 28. September tausende von Pilgern
zu einer feierlichen Messe erwartet, an der anlässlich des Namenstages des
Heiligen Erzengels Michael zahlreiche europäische Bischöfe mit dem Vornamen
Michael erwartet werden.
Für viele Pilger und Touristen gehen von dem Klosterberg ein besonderer
Zauber und eine besondere spirituelle Kraft aus, die teilweise auf den
Gezeitenwechsel zurückgehen soll. Gegen die Verlandung der Bucht des «Heiligen
Berges des Abendlandes» wurden 2006 Arbeiten für mehr als 160 Millionen Euro
begonnen. Bis 2012 soll der Mont-Saint-Michel wieder von Wasser umspült und
von den höchsten Gezeiten Europas überflutet werden. |